Nach Versöhnung mit Merz:Lula: In Deutschland "esse ich Sauerkraut"
Die Verstimmung wegen einer Aussage von Kanzler Merz scheint verflogen. Brasiliens Präsident Lula da Silva plant einen Besuch im April und will deutsche Klassiker probieren.
Brasiliens Präsident Lula da Silva: Reise nicht in ein anderes Land, um Feijoada zu essen.
Quelle: APBrasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva möchte nach der umstrittenen Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über die Amazonas-Metropole Belém und der anschließenden Versöhnung der beiden Politiker die deutsche Küche probieren. Lula bei einer Pressekonferenz am Rande des G20-Gipfels im südafrikanischen Johannesburg:
Wenn ich in Deutschland ankomme, esse ich Sauerkraut, esse Schweinshaxe, esse Würstchen bei den Verkaufsständen.
Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident Brasiliens
"Weil ich nicht in ein anderes Land reise, um Feijoada zu essen", fügte der Brasilianer hinzu. Feijoada ist ein Bohneneintopf und gilt als brasilianisches Nationalgericht.
Lula: Merz blieb mit dem Kopf in Berlin
Lula warf dem Kanzler vor, gedanklich nicht in Belém anwesend gewesen zu sein. "Ich sagte zu ihm, dass unser Kopf denkt, wo unsere Füße treten", sagte Lula und fügte hinzu:
Er kam nach Brasilien, aber sein Kopf blieb in Berlin.
Lula da Silva über Kanzler Merz
Merz hatte vor gut zwei Wochen an einem Gipfel zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Belém teilgenommen und auch dort schon Lula getroffen. Nach seiner Rückkehr äußerte er sich auf eine Weise über die sehr arme Stadt, die viele Brasilianer als beleidigend und abschätzig empfanden.
Merz kann die Stadtbild-Debatte auch auf brasilianisch: Empörung in Belém, Vorwürfe von Arroganz bis Rassismus – während Deutschland bei der COP30 eine Schlüsselrolle spielt.
18.11.2025 | 2:57 minEr hatte gesagt, die deutsche Delegation sei froh gewesen, "von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt" zu sein. Merz wollte damit vor allem sagen, dass er Deutschland für eines der schönsten Länder der Welt halte.
Sturm der Empörung über Merz' Belém-Aussage
In Brasilien brach aber mit etwas Verzögerung ein Sturm der Empörung los. Auch Lula schaltete sich ein. Merz hätte in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, meinte der Präsident, "denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten".
In Johannesburg versöhnten sich die beiden Politiker nun wieder. "Sie haben sich verbal 40 Minuten lang umarmt", hieß es aus dem Umfeld von Merz. Lula habe dem Kanzler Tipps für Restaurantbesuche für seinen nächsten Besuch in Belém gegeben und ihm auch Tänze genannt, die er ausprobieren könne. Der Kanzler habe daraufhin gesagt: "Super, nächstes Mal gehen wir zusammen tanzen."
Lula lädt Merz zu Staatsbesuch ein
Ein Treffen der beiden ist für April in Hannover geplant. Lula wird die Eröffnung der weltgrößten Messe für industrielle Technologie begleiten, bei der Brasilien als Partnerland vertreten ist. Lula lud Merz zudem zu einem Staatsbesuch nach Brasilien ein.