Hannover-Messe: Brasiliens Präsident macht Rundgang ohne Merz

Lula da Silva zu Gast bei Messe:Hannover-Messe: Brasiliens Präsident macht Rundgang ohne Merz

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Eigentlich sollte der Kanzler seinen Gast beim Rundgang über die Hannover-Messe begleiten. Am Montag gingen beide getrennte Wege. Schuld sollen Terminprobleme gewesen sein.

Kanzler Merz in Begleitung auf der Messe Hannover

Bundeskanzler Merz und der brasilianische Präsident Lula begehen heute die Hannover Messe und eröffnen den brasilianischen Zentralstand. Im Vordergrund der Messe stehen die Themen KI und Rüstung.

20.04.2026 | 1:46 min

Überraschung beim Besuch des brasilianischen Präsidenten auf der Hannover-Messe: Der traditionelle Kanzler-Messerundgang verlief anders als geplant - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gingen getrennt über das Gelände der Industriemesse in Hannover. Ausgerechnet bei einem Termin, der traditionell ein Bild enger Partnerschaft liefern soll.

Bereits kurz nach dem Eröffnungsstatement auf den deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen trennten sich die beiden. Während sich Lula weitere Stände brasilianischer Aussteller anschaute, zog Merz ohne ihn weiter. Eigentlich war geplant, dass die beiden Politiker den Rundgang wie üblich gemeinsam absolvieren.

Regierungskreise sprechen von Terminproblemen

Polizei und Verantwortliche der Messe zeigten sich überrascht: "Das haben wir noch nie erlebt", hieß es. Auch das gemeinsame Abschlussstatement fiel aus, Merz äußerte sich alleine. Präsident Lula blieb derweil bei den brasilianischen Ständen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, beide Seiten hätten sich einvernehmlich für weitgehend getrennte Besuche an unterschiedlichen Messeständen entschieden.

Der Grund dafür sei, dass sich der Beginn des Programms "wegen einer Verzögerung der brasilianischen Delegation" verschoben habe. Um möglichst viele Firmen abdecken zu können, hätten sich die beiden aufgeteilt. "So konnte das Programm bestmöglich absolviert werden."

Moderator im Schaltgespräch mit ZDF-Reporter Frank Bethmann

Ein wichtiges Thema auf der Hannover-Messe ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Industrie. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet über die aktuellen KI-Pläne in der Wirtschaft.

20.04.2026 | 1:15 min

Merz und Lula da Silva loben deutsch-brasilianische Beziehungen

Zuvor demonstrierten die beiden durchaus Einheit: In der Eröffnungsrede sprachen sich Merz und Lula da Silva für engere Beziehungen zwischen Brasilien und der Europäischen Union aus.

Beide begrüßten, dass am 1. Mai das Mercosur-EU-Freihandelsabkommen in Kraft treten wird. Brasilien bezeichnete Merz in einer "schwieriger werdenden Welt" als "Schlüsselpartner". Beide Länder teilten das Interesse an einer politischen Ordnung, in der man sich auf Verträge und Verabredungen verlassen könne. Offener, fairer und freier Handel sei nur auf dieser Grundlage möglich.

Das Handelsabkommen der Europäischen Union mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay soll eine der weltweit größten Freihandelszonen schaffen und die meisten Zölle auf beiden Seiten abschaffen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte über den Atlantik exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe nach Europa. 

Quelle: dpa


Lula pries Brasilien, das in diesem Jahr das Partnerland für die weltgrößte Industriemesse in Hannover ist, als verlässlichen und wichtigen Partner auch bei Rohstoffen.

Merz wiederum pries Deutschland als wichtigen Investitionsstandort an. Er treffe sich am Montag auch mit der Initiative "Made for Germany", der sich weit mehr als 100 Unternehmen angeschlossen hätten. Die Zusagen für Investitionen in Deutschland lägen mittlerweile bei rund 800 Milliarden Euro.

Treffen der EU-Landwirtschaftsminister

Das EU-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Bolivien, Paraguay und Uruguay soll heute besiegelt werden – wohl gegen den Widerstand Frankreichs.

09.01.2026 | 1:42 min

Durch das Mercosur-EU-Abkommen entstehe mit mehr als 700 Millionen Einwohnern der größte Binnenmarkt der Welt, betonte der Kanzler. Neben den 27 EU-Ländern gehören dazu bisher die südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.

Brasilien ist Vorreiter bei Biokraftstoffen

Der Kanzler lobte Brasilien zudem als Vorreiter bei der Nutzung von Biokraftstoffen für den Verkehr. Dies sei ein Grund, warum sein Land nicht so stark vom Iran-Krieg betroffen sei, ergänzte Lula da Silva. Merz hatte den brasilianischen Präsidenten bereits am Nachmittag in Hannover empfangen. Am Montag finden dort auch die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen statt.

Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft zeigen noch bis Freitag auf dem Messegelände in Hannover ihre Neuheiten. Hauptthemen der Messe sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Im vergangenen Jahr kamen 127.000 Besucher zu der weltweit wichtigsten Industrieschau.

Quelle: dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 20.04.2026 um 9 Uhr, heute in Deutschland ab 14 Uhr sowie die heute-Nachrichten ab 17 Uhr.

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