Teurer Orangensaft:Wie eine Krankheit die Orangenernte bedroht
von Ronja Bachofer, Yasser Speck
Ein kleiner Floh hat einen starken Preisanstieg für Orangensaft auf der ganzen Welt verursacht. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt, doch Entwarnung gibt es nicht.
Orangen-Saft ist sehr beliebt. Kaum jemand weiß: Das Konzentrat dafür kommt aus Brasilien. Dort aber gefährdet die Pflanzenkrankheit Citrus Greening die Produktion - und lässt die Preise steigen.
05.04.2026 | 43:44 minIm Labor der Biologin Valdenice Novelli ist jede zweite Probe positiv. Im Zitruszentrum in Cordeirópolis, Brasilien, prüft sie Blätter von Orangenbäumen auf ein Bakterium. Häufig ahnt sie es schon beim Anschauen, wenn die Blätter fleckig oder unförmig sind: Citrus Greening.
In der Folge entwickeln sich die Früchte nicht richtig. Sie bleiben klein, sind verformt und fallen vom Baum noch bevor sie reif sind. Für die Saftherstellung sind sie dann nicht mehr zu gebrauchen.
Seit 2004 breitet sich die Krankheit im sogenannten Zitrusgürtel aus, einem Gebiet im Süden Brasiliens, aus dem der Großteil der Orangen für die weltweite Saftproduktion stammt. Zwischen 40 und 80 Prozent der Orangenbäume im brasilianischen Zitrusgürtel seien bereits befallen.
Blätter von Orangenbäumen werden im Labor auf die Krankheit Citrus Greening untersucht. Die sichtbaren Symptome sind beispielsweise Flecken auf den Blättern.
Quelle: ZDFFloh ist für Citrus Greening verantwortlich
Übertragen wird das Bakterium von einem Floh, der vom Wind kilometerweit getragen werden kann. Indem er Saft aus ihren Blättern saugt, infiziert er die Pflanze.
Die Landwirtschaft setzt meist Pestizide gegen Unkraut ein. Ein Unternehmen will Unkraut zukünftig durch KI-Erkennung umweltfreundlicher entfernen.
22.08.2024 | 1:09 minWeil die Übertragung so schnell geht, helfen Insektizide kaum. Selbst wenn die Flöhe im Anschluss sterben, tragen die Bäume das Bakterium bereits in sich. Auch sind viele der Flöhe inzwischen resistent gegen die Mittel.
Wenn wir kein Mittel gegen diese Krankheit finden, wäre das ein großes Problem. Das wird die Orangenproduktion im Staat São Paulo reduzieren.
Dr. Valdenice Novelli, Biologin im Zitruszentrum Cordeirópolis
Das hätte weltweit Auswirkungen. Circa 90 Prozent des Orangensaftkonzentrats für die EU stammen aus Brasilien. Im Jahr 2024 fuhr das Land die schlechteste Orangenernte seit fast 40 Jahren ein und konnte nicht genug Orangensaftkonzentrat für den europäischen Markt liefern.
Im Vergleich zum Vorjahr sei laut dem Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie in der Saison 2024/25 rund ein Viertel weniger Orangen geerntet worden. Grund dafür seien neben der Krankheit Citrus Greening auch die Folgen des Klimawandels und das Wetterphänomen El Niño gewesen.
Die Witterung hat die Bauern 2025 vor enorme Herausforderungen gestellt und die Mähdrescher zum Teil wochenlang ausgebremst. Wie die Jahresbilanz ausgefallen ist.
19.08.2025 | 2:24 minKlimawandel und Citrus Greening machen Orangen teurer
Ariosto da Riva Neto ist Geschäftsführer bei Sucorrico, einem der größeren Unternehmen, das in Brasilien aus Orangen Orangensaftkonzentrat herstellt und auch deutsche Safthersteller beliefert. Er sagt, der Preis sei durch die Verknappung schlagartig von 3.000 auf 7.000 US-Dollar pro Tonne gestiegen.
Die Bäume blühen mal früher und mal später. Jahr für Jahr erleben wir Überraschungen. Meistens fällt zu wenig Regen.
Ariosto Da Riva Neto, Orangensaft-Hersteller
Preisanstieg bei Orangensaft durch schlechte Ernte
Auch in Deutschland macht sich die Krankheit bemerkbar: Nicht an den Blättern der Bäume, sondern an den Preisen im Supermarkt. "Für die Hersteller war es natürlich lukrativ, ihren Saft zu verdünnen", beobachtet Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale.
Einige haben Orangensaft ganz aus dem Sortiment genommen, andere haben ihre Produkte dem Preisanstieg angepasst. Die Marke Valensina beispielsweise hat die Flaschen von einem auf 0,7 Liter verkleinert. Granini hat den Anteil an Orangensaft pro Flasche halbiert und den Saft stattdessen mit Zuckerwasser gestreckt. Beides bei gleichbleibendem Preis.
Verbraucherinnen und Verbrauchern haben das quittiert: Mit großem Abstand haben sie Graninis Orangensaft zur Mogelpackung des Jahres 2024 gewählt.
Nicht jeder Fruchtsaft ist gesund. Dabei wird in keinem Land mehr Saft getrunken, wie in Deutschland. Eine neue beliebte Variante ist der Muttersaft: Was steckt dahinter und wie gesund ist er?
23.02.2026 | 3:17 minIn Zukunft wieder bessere Orangenernten erwartet
In der Saison 2025/26 werden in Brasilien voraussichtlich wieder mehr Orangen geerntet werden als im Vorjahr. Doch langfristig muss die Branche umdenken, wenn sie nicht dem Floh zum Opfer fallen will.
Seit einigen Jahren kann man beobachten, dass sich immer mehr Plantagen im Norden des Landes niederlassen. Die Insekten, die das Citrus Greening übertragen, leben hier nicht.
Weil die Produktion dort noch relativ neu ist, soll es allerdings deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen geben als im etablierten Zitrusgürtel. Allein in den vergangenen vier Jahren hat die Arbeitsaufsicht insgesamt rund 5.000 Menschen aufgespürt, die unter sklavenähnlichen Bedingungen in der Landwirtschaft tätig gewesen sein sollen.
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