Reblaus breitet sich aus: Winzer in Sorge um Weinberge

Reblaus breitet sich aus:Weinbau: Die neue Angst vor einem alten Schädling

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Einst hat die Reblaus Europas Weinberge fast vernichtet. Unter Winzern ist die Sorge groß, dass der Schädling nun wieder zuschlägt. Der Klimawandel spielt ihm dabei in die Karten.

Mikroskopaufnahme einer Reblaus bei der Eiablage auf einer Pflanze.

Durch den Klimawandel vermehrt sich die Reblaus immer besser. Noch ist sie in den Weinbergen kein großes Problem. Experten fürchten aber, dass sich das in Zukunft ändern könnte.

28.03.2026 | 0:42 min

Winzer kennen die schlimmen Geschichten aus dem 19. Jahrhundert nur zu gut: Die Reblaus, eingeschleppt aus Nordamerika, vernichtete ab etwa 1860 drei Viertel des europäischen Weinbaus. Ganze Anbaugebiete waren kahl.

Mit widerstandsfähigen Reben trotzen die Winzer seitdem erfolgreich dem Schädling. Die Sorge geht nun aber um, dass die Reblaus wieder Oberwasser bekommen könnte. Ein Hauptgrund dafür ist der Klimawandel.

Veredelung schützt Reben gegen Schädling

"Die Reblaus war nie weg", erklärt Dr. Timo Strack von der Hochschule Geisenheim. Noch heute sei sie in fast allen deutschen Anbaugebieten zu finden. Dass sie dort bisher keinen Schaden anrichtet, verdanken die Winzer einem Trick: Nach der Katastrophe im 19. Jahrhundert wurden die europäischen Sorten auf das Holz von amerikanischen Unterlagsreben "gepfropft".

Das heißt: Man hat einen Wurzelstock mit den hier gängigen Reben veredelt. Da die Reblaus den Wurzeln amerikanischer Wildreben nichts anhaben konnte, ist das bis heute das Mittel der Wahl. Strack nennt den "Propfrebenanbau" die "einzige Verteidigungslinie", auf die man "begrenzt vertrauen" könne.

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Schutzstrategie ohne absolute Sicherheit

Aber: Absolute Sicherheit gegen die Reblaus, die die Wurzel schädigt und so Erregern ermöglicht, einzudringen, gibt es nicht, sagt auch Dr. Joachim Eder vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR). "Das ist lediglich ein Mechanismus, mit dem sich die Rebe gegen diese Fäulnisherde wehrt."

Eine direkte Bekämpfung der Reblaus ist praktisch nicht möglich.

Dr. Timo Strack, Hochschule Geisenheim

Und das könnte dem Weinbau etwa in Teneriffa zum Verhängnis werden. Im letzten Sommer wurde dort die Reblaus erstmals nachgewiesen. Anders als in Deutschland verwenden die Winzer auf den Kanaren wurzelechte Rebstöcke, also solche ohne resistente Unterreben. Mit strengen Regeln versucht man auf der Insel jetzt verzweifelt, die Ausbreitung einzudämmen.

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Reblaus breitet sich weltweit stärker aus

Aber nicht nur dort könnte die Reblaus wieder zur Bedrohung werden. Denn an vielen Orten der Welt tritt sie immer häufiger auf. Die Experten sehen dafür mehrere Gründe:

  • Durch die Klimaerwärmung verlängern sich die Vegetationsphasen der Reben. Mit Vegetationsphase ist der Zeitraum im Jahr gemeint, in dem die Pflanzen wachsen, blühen und Früchte tragen. "Dann vermehrt sich auch die Reblaus stärker", erklärt Eder. "Es gibt mehrere Vermehrungszyklen, und damit entsteht auch ein höherer Befallsdruck."

  • Vor allem bei Trockenheit hat die Rebe mehr Stress. Das schränkt das Wurzelwachstum ein und macht sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

  • Der wirtschaftliche Druck und der Mangel an Fachkräften führen oft zu wildem Aufwuchs, in dem Schädlinge Rückzugsorte finden. Oft fehle auch das Bewusstsein für die Gefahren.

Nahaufnahme eines Japankäfers.
Quelle: dpa

Der gefräßige Japankäfer und Pilzerkrankungen wie die Schwarzfäule stellen ein ernstes Problem dar, sagt Dr. Timo Strack von der Hochschule Geisenheim, "da Lösungen für diese neuen Herausforderungen noch in der Entwicklungsphase stecken".

Die neuen Bedingungen durch die Erderwärmung führen dazu, dass sich Schädlinge und Krankheitserreger auch dort wohlfühlen, wo es ihnen bisher zu kalt war. Besonders unter Beobachtung ist derzeit hier in Deutschland die Amerikanische Rebzikade, die die Goldgelbe Vergilbungskrankheit überträgt.


Neue aggressive Typen könnten entstehen

Das Problem: Die Reblaus könnte sich unter diesen Bedingungen weiterentwickeln. "Je höher die Vermehrungsrate ist, desto wahrscheinlicher sind auch mögliche Anpassungen an den Wirt", so Forscher Joachim Eder. Grundsätzlich könnten dabei auch "aggressivere Biotypen" entstehen, die die Verteidigungsmechanismen der Unterlagsreben überwinden.

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An der Hochschule Geisenheim, und nicht nur da, wird deshalb bereits viel geforscht. Die wichtigste Strategie: Die Unterlagsreben werden durch Züchtung so weiterentwickelt, dass sie künftig gegen unterschiedliche Reblaus-Populationen möglichst resistent bleiben. Das sei die "zentrale Aufgabe", sagt Weinbau-Experte Strack.

Gutes Management als Schutz gegen Reblaus

Daneben spiele ein gutes Management eine wichtige Rolle. In verwahrlosten Weinbergen oder auch bewachsenen Böschungen kann sich die Reblaus ungestört vermehren.

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Eine Katastrophe wie im 19. Jahrhundert wird es aber wohl nicht mehr geben, glaubt DLR-Experte Eder.

Es ist nicht so, dass wir fürchten müssen, dass nun ein hyperaggressiver Reblaus-Biotyp auftritt, der das System zum Zusammenbrechen bringt.

Dr. Joachim Eder, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz

Dazu seien die Reben zu widerstandsfähig. Die Augen ganz zu verschließen, sei aber ebenfalls keine gute Idee.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Schädling macht Winzern Sorgen" am 28.03.2026 um 07:36 Uhr.

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