Regierungskonsultationen in Hannover:So will Deutschland die Partnerschaft mit Brasilien vertiefen
Deutschland und Brasilien wollen ihre Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Merz hofft auf eine Verdopplung des Handels sowie eine engere Kooperation bei Rüstung und Rohstoffen.
Bei den Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Brasilien in Hannover vereinbarten die Regierungschefs eine Vertiefung ihrer strategischen Partnerschaft.
20.04.2026 | 2:33 minDeutschland und Brasilien haben eine Vertiefung ihrer strategischen Partnerschaft beschlossen. Bei den Regierungskonsultationen in Hannover vereinbarten beide Seiten am Montag eine engere Zusammenarbeit etwa bei Rüstungsgeschäften und der Erschließung und Lieferung von Rohstoffen.
"Die Nähe zwischen unseren beiden Ländern ist notwendiger denn je in einer Zeit, in der sich die Weltordnung so grundlegend verändert", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Wir wollen den gegenseitigen Nutzen stärken, und wir wollen ein Netz starker und gleichgesinnter Partner sein.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Sowohl Merz als auch Lula lobten die Bedeutung des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens, das am 1. Mai in Kraft tritt.
Brasilien ist Partnerland auf der diesjährigen Hannover-Messe. Das Land will mehr sein als nur Rohstofflieferant – und wirbt mit seiner Expertise bei der Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen.
20.04.2026 | 1:41 minMerz will Handel mit Brasilien verdoppeln
Der Bundeskanzler hofft, das Handelsvolumen mit Brasilien "in den nächsten Jahren" verdoppeln zu können. Man habe zudem die Beratungen für ein Doppelbesteuerungsabkommen wieder aufgenommen.
Wir wollen die Stärken unserer Volkswirtschaften gemeinsam entfalten, und zwar als wichtige Handelspartner.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Außerdem plädierte Merz für eine gemeinsame Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeiten.
Das ist ein Gebot der Stunde in einer Welt, die eben unberechenbar geworden ist.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Merz betonte die Bedeutung der Rohstoffe in Brasilien auf der Suche nach einer Diversifizierung der Lieferwege. Lula bot sein Land als Rohstofflieferanten an, betonte aber, dass er auch auf Technologietransfer dringe, damit Rohstoffe noch in Brasilien verarbeitet würden.
Wir werden keine Modelle akzeptieren, die unser Land auf Ressourcengewinnung reduzieren, um nur die Nachfrage aus dem Ausland zu stillen.
Lula da Silva, Brasiliens Präsident
Brasilien ist für Deutschland besonders als Lieferant von seltenen Erden attraktiv, die für Laptops, Handys und E-Motoren gebraucht werden.
Merz und Lula begingen die Hannover Messe und eröffneten den brasilianischen Zentralstand. Im Vordergrund der Messe standen die Themen KI und Rüstung.
20.04.2026 | 1:46 minMerz und Lula werben für Biokraftstoffe
Beide lobten zudem, dass Brasilien Vorreiter bei der Produktion und Verwendung von Biokraftstoffen sei. Genau diese Technologieoffenheit sei wichtig, auch für Europa, sagte Merz. Denn es gebe eine Milliarde Autos mit Verbrennermotoren, die nicht durch E-Autos zu ersetzen seien, für die aber emissionsärmere Antriebsstoffe sehr wichtig seien.
Lula sagte, E-Autos seien ohnehin nicht die Zukunft. Der brasilianische Präsident warnte die EU-Kommission davor, den Anbau und die Nutzung von Pflanzen für Biokraftstoffe in Brasilien sanktionieren zu wollen. Er wies Vorwürfe zurück, dass für den Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe die Nahrungsproduktion eingeschränkt oder der Regenwald weiter abgeholzt werde:
Niemand wäre so verrückt, die Nahrungsmittelsicherheit durch mehr Biokraftstoffproduktion zu ersetzen.
Lula da Silva, Brasiliens Präsident
Ein wichtiges Thema auf der Hannover-Messe ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Industrie. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet über die aktuellen KI-Pläne in der Wirtschaft.
20.04.2026 | 1:15 minInteresse an engerer Rüstungszusammenarbeit
Auch im Rüstungsbereich wollen Deutschland und Brasilien enger kooperieren. Lula ist an vier weiteren Fregatten des Typs Tamandaré von Thyssenkrupp Marine Systems interessiert. Derzeit sind vier solcher Fregatten in Brasilien im Bau. "Heute machen wir Fortschritte bei den Bemühungen um den Erwerb vier weiterer Einheiten", sagte Lula. Zudem gebe es Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehr und Drohnen.
Eine engere Zusammenarbeit wurde zudem bei den Themen Künstliche Intelligenz, Energie, Kreislaufwirtschaft, Umwelttechnologien und Landwirtschaft beschlossen.
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