Merz: Europa muss "Sprache der Machtpolitik" lernen

Aussprache nach der Regierungserklärung:Merz: Europa muss "Sprache der Machtpolitik" sprechen lernen

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Friedrich Merz beteuert in einer Regierungserklärung ein "sich neu regendes Selbstbewusstsein" der Europäer. Verfolgen Sie die Aussprache im Bundestag hier live.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt in der 56. Plenarsitzung der 21. Legislaturperiode im Deutschen Bundestag eine Regierungserklärung zur aktuellen außenpolitischen Lage ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur außenpolitischen Lage ab. Verfolgen Sie die Rede und die Aussprache im Anschluss hier live.

29.01.2026

Kanzler Friedrich Merz fordert von Europa angesichts einer sich neu herausbildenden Welt der Großmächte mehr machtpolitisches Selbstbewusstsein. Die Europäer würden ihre Vorstellungen nur dann jedenfalls zum Teil durchsetzen können, "wenn wir auch selbst die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen. Wenn wir selbst eine europäische Macht werden", sagte der CDU-Chef im Bundestag in einer Regierungserklärung zur Außenpolitik.

Europa sei in den vergangenen Jahrzehnten die politische Kraft gewesen, die auf der Geltung des Rechts als der Grundlage der Beziehungen zwischen Staaten und Völkern bestanden habe, betonte Merz.

All das wollen wir bewahren und auch in Zukunft schützen.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Grönland-Streit: Merz sieht neues europäisches Selbstbewusstsein

Im Zusammenhang mit der Diskussion über eine Annexion der zum Nato-Partner Dänemark gehörenden Arktisinsel Grönland durch die USA sagte der Kanzler, man habe in diesem Zusammenhang zuletzt etwas spüren können "vom Glück der Selbstachtung". Nun müsse man etwas machen "aus diesem sich neu regenden Selbstbewusstsein der Europäer".

Kopf von Donald Trump vor grönländischer Landschaft

Das hat es in 77 Jahren Nato nicht gegeben - Europa gegen Amerika. Wir erleben eine Kraftprobe, die die westliche Wertegemeinschaft vor scheinbar unlösbare Probleme stellt.

22.01.2026 | 28:39 min

In der vorübergehenden Eskalation des Grönland-Konflikts hatte US-Präsident Donald Trump wiederholt seinen Anspruch auf Grönland erhoben und zwischenzeitlich mehreren europäischen Nato-Verbündeten mit Strafzöllen gedroht. Dann lenkte er aber doch noch ein - nachdem die Europäer klargemacht hatten, dass sie sich das nicht gefallen lassen würden. Merz machte im Bundestag erneut seine Distanz zu Trump deutlich:

Wer in der Welt der Meinung ist, mit Zöllen gegen Europa Politik zu machen, der muss wissen und der weiß jetzt, dass wir bereit und in der Lage sind, uns dagegen zur Wehr zu setzen.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Merz empört sich über Trump-Äußerungen zu Afghanistan-Einsatz

Empört zeigte sich Merz über Äußerungen von Trump, der die Bedeutung der Truppen aus Nato-Partnerstaaten für den Afghanistan-Einsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geschmälert hatte. "Wir lassen es nicht zu, dass dieser Einsatz, den wir auch im Interesse unseres Bündnispartners Vereinigte Staaten von Amerika geleistet haben, dass dieser Einsatz heute verächtlich gemacht wird und herabgewürdigt wird", sagte er unter dem Applaus der Abgeordneten.

US-Präsident Trump

Trumps Aussagen zum Afghanistan-Einsatz der Nato sorgen bei den Bündnispartnern für Kritik. Trump behauptete, die USA hätten die Nato für den Einsatz nicht gebraucht.

25.01.2026 | 1:06 min

Der Kanzler machte in seiner Rede klar, dass er "gewachsene Bündnisse nicht leichtfertig aufs Spiel setzen" wolle. Das transatlantische Bündnis sei "heute noch ein Wert an sich für uns in Deutschland". Dabei müsse aber klar sein:

Als Demokratien sind wir Partner und Verbündete, und nicht Untergebene.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Merz: Deutschland braucht mehr technologische Souveränität

Die Bundesregierung möchte Deutschland laut Merz außerdem aus der technologischen Abhängigkeit herausführen. Notwendig seien "Maßnahmen zur Reduzierung von Abhängigkeiten, die wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten allzu leichtsinnig eingegangen sind, Maßnahmen für mehr Souveränität, gerade auch technologische Souveränität".

Eine US-Flgge vor Schiffsconatinern.

Das transatlantische Verhältnis leidet unter den ständigen Drohungen Donald Trumps. Europa pocht auf mehr Selbstständigkeit. Aber welchen Preis sind wir bereit zu zahlen?

27.01.2026 | 10:35 min

Merz will "Veränderungsbereitschaft" in Deutschland nutzen

Merz machte außerdem deutlich, die geplante Sozialstaatsreform als Teil umfassender Veränderungen in Deutschland angehen zu wollen. Der Bericht der Sozialstaatskommission "ist die genau richtige Grundlage für alle weiteren Reformen", sagte er. Es gebe eine "ziemlich große Veränderungsbereitschaft" im Land. "Wir müssen diese nutzen."

Die von der Regierung eingesetzte Sozialstaatskommission hatte am Dienstag einen Bericht an Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben. Er beschreibt ein Konzept für einen Umbau der steuerfinanzierten Sozialleistungen. Der Kanzler sagte:

Wir stehen von mehreren Seiten unter Druck. Aber unter Druck kann eben auch viel Gutes entstehen, und möglicherweise braucht es diesen Druck sogar.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Deshalb sei nun die Stunde der gestaltenden Politik. "Das gilt für Europa, das gilt für Deutschland."

Aussprache mit Reden der Fraktionschefs und weiteren Reaktionen im Liveblog

Verfolgen Sie die Reaktionen auf Merz' Rede hier im Liveblog zur Regierungserklärung:

Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten am 29.01.2026 mehrere Sendungen, etwa phoenix vor Ort ab 08:30 Uhr sowie das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 05:30 Uhr.

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