Manöver auf dem Schlachtfeld behindert:Wie der Winter den Krieg gegen die Ukraine verändert
von Christian Mölling, András Rácz
Die extreme Kälte hält an, die Front bewegt sich nur langsam voran. Und nach russischen Angriffen, vor allem auf Kiew, ist das Energiesystem der Ukraine de facto zusammengebrochen.
Die Menschen in der Ukraine frieren; russische Angriffe haben die Infrastruktur des Landes massiv beschädigt. Auch Kiew ist betroffen. Menschen verlassen die Stadt.
21.01.2026 | 1:55 minIn den vergangenen Tagen war es in der gesamten Zentral- und Ostukraine extrem kalt: Die Tagestemperaturen lagen um minus acht bis zehn Grad Celsius, die Nächte waren noch viel kälter. Dieses Wetter behindert die Manöver auf dem Schlachtfeld erheblich. Zusätzlich zur größeren Belastung für die Soldaten lässt die Kälte die Batterien der FPV-Drohnen viel schneller versagen, was deren Reichweite und Geschwindigkeit einschränkt.
Russische Erfolge in Saporischschja
Dennoch hat Russland seine Angriffe im Abschnitt Saporischschja der Frontlinie fortgesetzt. Die wichtige Stadt Huljajpole ist nun vollständig besetzt, die ukrainischen Streitkräfte ziehen sich kämpfend nach Westen zurück. Mit dem Fall von Huljajpole ist das Gelände westlich der Stadt flach und offen, mit wenigen natürlichen Barrieren.
Die Ukrainer könnten versuchen, die Linie des kleinen Flusses Werchnja Tersa sowie mehrere kleinere Dörfer in der Umgebung zu verteidigen, um die Russen zu verlangsamen und zusätzlichen Druck auf ihre ohnehin schon überlastete Logistik auszuüben. Dennoch ist der Fall von Huljajpole ein wichtiger Gewinn für Russland.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Russische Truppen belagern auch das Dorf Stepowe südlich von Saporischschja, östlich des zerstörten Stausees Nowa Kachowka, sowie Stepnohirsk, das direkt am Stausee liegt. Die Geografie der Region ist so beschaffen, dass die russische Artillerie bei einem Fall von Stepnohirsk bald in der Lage sein wird, die südlichen Vororte von Saporischschja zu erreichen.
Russland nutze das kalte Wetter in der Ukraine, um "die Energieinfrastruktur massiv zu attackieren". Millionen Menschen seien ohne Strom, berichtet ZDF-Reporter Henner Hebestreit aus Kiew.
21.01.2026 | 3:46 minDonbass: Ukraine befreit Kupjansk
Russische Truppen rückten auch im Donbass östlich von Slowjansk, in Riznykiwka sowie südöstlich von Kostjantyniwka vor. Unterdessen haben ukrainische Truppen Kupjansk fast vollständig von den russischen Truppen befreit, die noch im Stadtzentrum verblieben waren. Isoliert und unterversorgt bei kaltem Wetter werden die noch verbliebenen russischen Truppen höchstwahrscheinlich sehr bald neutralisiert.
Luftkrieg: Kiew schwer getroffen
Der Luftkrieg wurde mit hoher Intensität fortgesetzt. Russland griff weiterhin die Energieinfrastruktur der Ukraine an. Am 23. und 24. Januar wurde ein weiterer großer Angriff, insbesondere mit Ziel Kiew, gestartet. Bis zum Ende der Woche wurden die drei für die Stadt wichtigsten Gaskraftwerke schwer beschädigt.
Nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko haben mindestens 600.000 Einwohner Kiew verlassen und versucht, in anderen Teilen des Landes oder im Ausland Zuflucht zu finden. Ihm zufolge sind etwa 15 Prozent der Wohngebäude in Kiew immer noch ohne Zentralheizung. Auch die Stadt Tschernihiw und die umliegende Region sind schwer getroffen.
Trotz der unermüdlichen Bemühungen ukrainischer Ingenieure hat das Stromnetz schwere strukturelle Schäden erlitten. Das Energiesystem des Landes ist de facto zusammengebrochen und funktioniert kaum noch als ein einziges, integriertes Netz.
In Kiew und anderen Städten haben die Menschen mit Ausfällen der Energieinfrastruktur bei Minusgraden zu kämpfen. Grund dafür sind russische Angriffe.
20.01.2026 | 2:24 minUmgekommener Energie-Vorstand wird zum Symbol des Widerstands
Nach einem Raketenangriff am 21. Januar wurde ein Vorstandsmitglied des ukrainischen Energienetzbetreibers Ukrenergo, Oleksii Brekht, bei der Reparatur einer Umspannstation durch einen Stromschlag getötet. An seiner Beerdigung am 23. Januar nahm eine große Menschenmenge teil, da Brekhts Tod bei der Arbeit zu einem Symbol des Widerstands geworden ist.
In ganz Europa wurden mehrere staatliche und zivile Kampagnen durchgeführt, um Generatoren, Transformatoren und Komponenten für das Stromnetz der Ukraine zu finanzieren. Litauen, Deutschland, Polen, Tschechien, die Slowakei und sogar Japan haben sich zu zusätzlicher Unterstützung für das Energiesystem der Ukraine verpflichtet.
Eisbohrer, Eiskelle und Angelrute eingepackt zum Eisfischen – bei frostiger Kälte. Aus einem Nebenarm des Dnipro holen die Angler kleine Barsche als Köder - große Hechte sind das Hauptziel.
26.01.2026 | 2:05 minNeuer Verteidigungsminister will Russland überlasten
Der kürzlich ernannte neue Verteidigungsminister der Ukraine, Mychajlo Fedorow, führte eine umfassende Umbildung im Verteidigungsministerium durch und entließ fünf stellvertretende Minister.
Fedorow kündigte außerdem Pläne an, die Zahl der getöteten russischen Soldaten von derzeit etwa 25.000 auf 50.000 pro Monat zu erhöhen, um das Rekrutierungssystem Russlands zu überlasten. Es bleibt abzuwarten, wie solche Pläne umgesetzt werden können.
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