Einsatz der Nato-Partner in Afghanistan:Pistorius: Trumps Äußerungen "unanständig und respektlos"
"Schlicht nicht wahr": Verteidigungsminister Pistorius findet für die Äußerungen von US-Präsident Trump zum Afghanistan-Einsatz klare Worte. Eine Entschuldigung sei angebracht.
Boris Pistorius legt dem US-Präsidenten eine Entschuldigung für dessen Kritik am Afghanistan-Einsatz der Nato nahe. (Archivbild)
Quelle: dpaVerteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hält nach den Unterstellungen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr eine Entschuldigung für angebracht. Auf die Frage, ob sich Trump bei den Angehörigen der gefallenen Soldaten entschuldigen müsse, sagte der SPD-Politiker in der ARD-Sendung "Caren Miosga":
Das wäre ein Zeichen von Anstand und Respekt und auch von Einsicht.
Boris Pistorius, Verteidigungsminister
Pistorius deutete dann aber an, dass er nicht wirklich damit rechnet: "Wir wissen alle, wie der amerikanische Präsident funktioniert."
Trumps Aussagen zum Afghanistan-Einsatz der Nato sorgen bei den Bündnispartnern für Kritik. Trump behauptete, die USA hätten die Nato für den Einsatz nicht gebraucht.
25.01.2026 | 1:06 minTrumps Äußerungen über Afghanistan-Einsatz "unanständig und respektlos"
Trump hatte im Sender Fox News erneut behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar nach dem 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch "ein wenig" zurück geblieben, "etwas abseits der Frontlinien", sagte Trump.
Pistorius sagte: "Ich habe großen Respekt vor der Leistung der amerikanischen Nation und des Bündnispartners, die die USA für uns 70 Jahre war. Aber Respekt ist eine Sache, die gegenseitig erbracht werden muss."
So über die Gefallenen der Verbündeten zu reden, ist einfach unanständig und respektlos. Alle standen da, standen an der Seite der USA. Heute etwas anderes zu behaupten, ist schlicht nicht wahr.
Boris Pistorius, Verteidigungsminister
Auf die Frage, ob er mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth darüber sprechen werde, sagte er: "Sobald ich ihn sehe, selbstverständlich".
Krisenreporterin Katrin Eigendorf reist mit dem ersten Fernsehteam seit zwei Jahren nach Afghanistan und wirft einen Blick hinter die Fassade des Taliban-Regimes.
18.12.2025 | 43:09 minWadephul verteidigt Bundeswehr-Soldaten
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verteidigte die gefallenen Bundeswehr-Soldaten in der "Welt am Sonntag" als "Helden". Als die USA nach den Anschlägen vom 11. September zum einzigen Mal in der Geschichte der Nato den Bündnisfall auslösten, habe Deutschland den US-Alliierten selbstverständlich beigestanden, so Wadephul.
Der Bundesaußenminister verwies zudem auf die Opfer, welche die Bundeswehr und andere Alliierte am Hindukusch gebracht hätten. Die deutschen Soldaten seien "Helden, genau wie die amerikanischen, britischen, dänischen, kanadischen, französischen oder Soldaten aus weiteren Ländern, die ihr Leben dafür gegeben haben, unser Bündnis zu verteidigen", sagte Wadephul.
Trump rudert bei Großbritannien zurück
Zumindest in Bezug auf den britischen Beistand schien Trump am Samstag zurückzurudern. "Die großen und sehr tapferen Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. 457 britische Soldaten seien in Afghanistan gestorben und viele weitere schwer verletzt worden.
Aus dem Archiv: Die Nato zog in Afghanistan in den Krieg. Daraus entwickelte sich ein 20 Jahre dauernder Einsatz, der in einer Niederlage endete. Dieser sinnlose Krieg kostete Tausende das Leben.
21.12.2021 | 43:31 minDem britischen Verteidigungsministerium zufolge hatte London 150.000 Soldatinnen und Soldaten nach Afghanistan entsandt und stellte damit nach den USA das zweitgrößte Truppenkontingent des Nato-Einsatzes. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer hatte Trumps Äußerungen am Freitag als "beleidigend und wirklich erschreckend" bezeichnet.
Trumps Äußerungen sorgen auch international für Kritik
Auch bei weiteren Nato-Verbündeten stießen die Äußerungen des US-Präsidenten auf Widerspruch. Australiens Regierungschef Anthony Albanese hob im Sender ABC die "Tapferkeit" der 40.000 australischen Soldaten in Afghanistan hervor, "die sicher an der Frontlinie" standen, "um Demokratie und Freiheit und unsere nationalen Interessen zu verteidigen".
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verwies im Onlinedienst X auf die 53 in Afghanistan getöteten und mehr als 700 verwundeten italienischen Soldaten. Damit das Solidaritätsprinzip in der Nato weiter funktioniere, brauche es Respekt.
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