Ex-Verteidigungsminister Guttenberg:Trumps Afghanistan-Äußerungen: "Entschuldigung wäre geboten"
Die Kritik an den Äußerungen von US-Präsident Trump über Nato-Soldaten in Afghanistan reißt nicht ab. Auch Ex-Verteidigungsminister Guttenberg fordert eine Entschuldigung.
Trumps Aussagen zum Afghanistan-Einsatz der Nato sorgen bei den Bündnispartnern für Kritik. Trump behauptete, die USA hätten die Nato für den Einsatz nicht gebraucht.
25.01.2026 | 1:06 minMit abfälligen Kommentaren über den Afghanistan-Einsatz hatte US-Präsident Donald Trump reichlich Unmut unter den Nato-Partnern ausgelöst. Und die Kritik reißt nicht ab. Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) fordert eine Entschuldigung: Trumps Worte seien "eine groteske Verdrehung der Tatsachen und ein Schlag ins Gesicht aller Verwundeten und Familien der Gefallenen - sowie der Soldatinnen und Soldaten, die als Bündnisverpflichtete an der Seite der amerikanischen Kameraden gekämpft haben", sagte er der "Bild am Sonntag".
Für Guttenberg, der während einiger Jahre des Afghanistan-Einsatzes Oberbefehlshaber der Bundeswehr war, müsste der US-Präsident nun um Verzeihung bitten.
Eine Entschuldigung wäre geboten.
Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Verteidigungsminister
"Zu erwarten ist sie freilich nicht", sagte er der Zeitung.
Krisenreporterin Katrin Eigendorf reist mit dem ersten Fernsehteam seit zwei Jahren nach Afghanistan und wirft einen Blick hinter die Fassade des Taliban-Regimes.
18.12.2025 | 43:09 minStarmer: Trumps Äußerungen "entsetzlich"
Amtshinhaber Boris Pistorius hatte zuvor schon erklärt, Deutschland habe bei dem Einsatz mit über 60 Toten einen hohen Preis bezahlt. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten hätten "ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt", sagte der SPD-Politiker der "Bild".
Hintergrund: Trump hatte im Sender Fox News erneut behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar nach dem 11. September 2001 "einige Truppen nach Afghanistan geschickt". Diese seien jedoch "ein wenig" zurück geblieben, "etwas abseits der Frontlinien".
Der britische Premierminister Keir Starmer sprach von "beleidigenden" und "entsetzlichen" Äußerungen. Es sei nicht überraschend, "dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben". Wenn er selbst sich derart falsch ausgedrückt hätte, würde er sich entschuldigen. Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran, erklärte:
Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren.
Prinz Harry
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte: Solche herabwürdigenden Aussagen seien "nicht akzeptabel - insbesondere dann, wenn sie von einer verbündeten Nation stammen". Auch der niederländische Außenminister David van Weel warf Trump respektloses Verhalten vor.
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Nach dem großen Unmut lobte Trump zumindest die Rolle der britischen Armee in dem Konflikt: "Die großartigen und sehr mutigen Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. In Afghanistan seien 457 von ihnen gefallen und viele schwer verwundet worden, "sie gehörten zu den großartigsten Kämpfern".
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
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