Bericht beruft sich auf Bundesregierung:Fast jede zweite Aufnahmezusage für Afghanen wohl hinfällig
Mehr als 2.000 Afghanen hatten von der Ampel-Koalition eine Aufnahmezusage erhalten. Fast die Hälfte davon hat die schwarz-rote Bundesregierung laut einem Bericht widerrufen.
Die Bundesregierung hat ihre Aufnahmezusagen für mehr als 1.000 Afghanen zurückgezogen. Viele der Betroffenen waren nach Pakistan geflüchtet und sitzen dort fest.
20.01.2026 | 0:28 minFast die Hälfte von 2.308 Afghanen, die zum Zeitpunkt der Regierungsübernahme der schwarz-roten Koalition mit einer Aufnahmezusage aus Zeiten der Ampel-Regierung in Pakistan lebten, sollen nicht mehr nach Deutschland kommen dürfen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Sie beruft sich auf Antworten der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.
Demnach sind seit Antritt der jetzigen Bundesregierung im Mai vergangenen Jahres 788 Afghanen nach Deutschland gekommen, rund 410 weitere Personen befinden sich noch im Ausreiseverfahren.
Persönliche Anhörungen, mit denen mögliche Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden sollten, sind laut Regierung bis auf wenige Einzelfälle abgeschlossen. Die Antworten liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.
Die deutsche Bundesregierung bietet besonders gefährdeten Afghanen, die nach der Machtübernahme der Taliban eine Aufnahmezusage bekommen haben, Geld für den Verzicht an.
05.11.2025 | 1:44 minAfghanen sitzen in Pakistan fest
Anfang Mai hatte die Bundesregierung von Union und SPD nach Amtsantritt die Aufnahmeprogramme für Menschen aus Afghanistan vorerst gestoppt. Einige der Betroffenen klagten.
In den vergangenen Wochen kamen mehrere hundert Afghaninnen und Afghanen mit Aufnahmezusage per Flugzeug von Pakistan nach Deutschland. Sie mussten aber Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen. Hunderte Afghaninnen und Afghanen erhielten hingegen Absagen für eine Einreise.
Trotz einer Aufnahmezusage Deutschlands sitzen etwa 2.000 Afghanen in Pakistan fest. Nach mehreren Gerichtsentscheiden dürfen einige von ihnen nach Deutschland reisen.
01.09.2025 | 2:30 minLinke kritisiert Vorgehen der Regierung als "menschlich unerträglich"
Die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, kritisierte das Vorgehen der Regierung. "Dass die Bundesregierung die Hälfte der gefährdeten Afghaninnen und Afghanen, denen eine Aufnahme durch die Bundesrepublik Deutschland versprochen worden war, einfach fallen lässt, ist verantwortungslos, schäbig und menschlich unerträglich", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Die Betroffenen seien seit Jahren vor dem Hintergrund der geplanten Aufnahme in Pakistan mit deutscher Unterstützung untergebracht und versorgt worden, sagte Bünger. "Da kann die Bundesregierung doch nicht einfach behaupten, sie trage keine Verantwortung und die Menschen dem menschen- und frauenverachtenden Willkürregime der Taliban überlassen."
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren seit Mai 2021 laut Bundesregierung insgesamt 37.652 afghanische Personen über die Aufnahmeprogramme nach Deutschland eingereist. Derzeit sind bei den Verwaltungsgerichten zahlreiche Klagen gegen verwehrte Aufnahmeentscheidungen anhängig.
Mehr zu Afghanistan
Geflüchtete mit Aufnahmezusage:Dobrindt will bis Jahresende 535 Afghanen aus Pakistan holen
Eilentscheidung aus Karlsruhe:Visa für Afghanen? Bund muss zügig entscheiden
von Daniel Heymannmit Video1:37- Exklusiv
Umgang mit afghanischen Ortskräften:Geld für Nicht-Einreise? Brandbrief an die SPD-Spitze
von Dominik Rzepka und Jörg Brasemit Video1:44 Afghanen fordern Aufnahme:Merz fordert Sicherheitsprüfung für Afghanen