Wie umgehen mit Donald Trump: Spahn rät zu Besonnenheit

Interview

Wie umgehen mit Donald Trump?:Spahn rät zu Besonnenheit

von Stefanie Reulmann

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Im Umgang mit US-Präsident Trump mahnt Unionsfraktionschef Spahn zu Besonnenheit. Man müsse "klar in der Sache" sein und "gleichzeitig nicht eskalieren", sagt er im ZDF.

Unionsfraktionschef Jens Spahn im Berlin-direkt-Interview

US-Präsident Trump und sein Zick-Zack-Kurs ist für Deutschland und Europa eine Herausforderung. Im ZDF sagt Unionsfraktionschef Jens Spahn, wie die Bundesregierung damit umgehen will.

25.01.2026 | 5:48 min

Nach dem Grönland-Streit, Trumps Zollandrohungen und dem Treffen beim Weltwirtschaftsforum in Davos, haben sich die Wogen kurzzeitig geglättet. Nun sucht die Bundesregierung nach einer Strategie, wie man künftig mit den USA unter Donald Trump umgehen soll. Harte Kante oder freundliche Besonnenheit?

Spahn rät zu pragmatischem Umgang mit Trump

In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" spricht sich Unionsfraktionschef Jens Spahn für einen Mittelweg aus:

Beides gehört ja zusammen. Klar zu sein in der Sache, besonnen im Ton, vorbereitet und auch bereit zum Gegenschlag, etwa bei den Zollfragen, und gleichzeitig nicht eskalieren.

Jens Spahn, Unionsfraktionschef

Das sei der Kurs gewesen, mit dem Friedrich Merz und die anderen Europäer in Davos Erfolg gehabt hätten. Dieser habe "dazu beigetragen, dass Donald Trump dann am Mittwoch offenkundig seine Meinung geändert" habe, sagt Spahn.

US-Präsident Donald Trump blättert in einem Buch über die Erfolge seiner Regierung, aufgenommen am 20.01.2026 in Washington (USA)

Einst verlässlicher Partner und Freund, ist das Amerika unter Donald Trump unberechenbar geworden. Drohungen, Wendungen, Deals - das transatlantische Verhältnis ist belastet.

25.01.2026 | 3:57 min

Ist Spahn ein "Trump-Versteher"?

In der Unionsfraktion gehen die Meinungen zum Umgang mit den USA auseinander. Die einen, etwa Fraktionsvize Sepp Müller, plädieren dafür, "sich von Amerikas Fesseln zu befreien". Die anderen, darunter der Vorsitzende Spahn, wollen an der Seite des einstigen Verbündeten USA bleiben.

Dieser gibt mit seiner Haltung immer wieder Anlass zur Kritik, auch diese Woche, als er Verständnis für Trumps Grönland-Vorgehen zeigte. Spahn sagte in einem Interview, wenn es um den Schutz Grönlands vor dem Einfluss Russlands gehe, "da hat Donald Trump einen Punkt". Vom Koalitionspartner SPD hat ihm das den Vorwurf eingebracht, "Sympathien für den Kurs von Donald Trump" zu hegen. SPD-Politiker Michael Roth nannte Spahn sogar "ein Sicherheitsrisiko".

Spahn will Fraktionschef bleiben

Viel Kritik, wenig Selbstkritik? Für Spahn ist die Kritik an seiner Person kein Grund für einen Rückzug aus dem Amt. Er will an seinem Posten festhalten, sagt er:

Ich bin Fraktionsvorsitzender, ich bleibe Fraktionsvorsitzender, und alle anderen Debatten sind Unsinn. Da bin ich mir mit Friedrich Merz einig.

Jens Spahn, Unionsfraktionschef

Unterstellungen, er habe eine Nähe zu Rechtspopulisten seien "Unsinn", sagt der CDU-Politiker. Es gebe einen Unterschied "zwischen Verstehen und Verständnis", sagt er. Die USA seien immer noch ein wichtiger Partner, auch mit Blick auf einen Waffenstillstand in der Ukraine. Man müsse "verstehen, was da passiert, das heißt nicht Verständnis haben", so Spahn weiter.

Unabhängigkeit von den USA vorantreiben

Mehr Unabhängigkeit von den USA bedeute mehr Eigenständigkeit von Deutschland und Europa. Um eigenständiger zu sein, "müssen wir jeden Tag alle Entscheidungen danach ausrichten", sagt er. Das betreffe die militärische Stärke, die Sicherheitspolitik, die Befugnisse der Geheimdienste, nukleare Teilhabe und Wirtschaftswachstum.

Die USA sind in den letzten sechs Jahren 50 mal so stark gewachsen wie wir, 50 mal. Wenn wir mitspielen wollen, brauchen wir Wachstum.

Jens Spahn, Unionsfraktionschef

Den Vorschlag, die Fußball-WM in den USA zu boykottieren, als Statement gegen die Politik der US-Regierung, unterstützt Spahn im ZDF nicht. "Das ist nichts, was wir jetzt entscheiden müssen. Ich würde mal sagen, wir warten ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln", sagt er.

Neue Märkte durch Freihandelsabkommen erschließen

Ein Schritt Richtung Unabhängigkeit sind Freihandelsabkommen. Doch das als Anti-Trump-Abkommen bezeichnete Freihandelsabkommen Mercosur, das deutschen und europäischen Unternehmen einen neuen großen Absatzmarkt in Südamerika eröffnen sollte, verzögert sich: Das EU-Parlament hat den Vertrag vor wenigen Tagen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt, wodurch sich die Ratifizierung erheblich verzögern könnte.

Der Präsident des Bundesverbandes Außenhandel, Großhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, nennt das "ein Desaster". "Ich habe damit, offen gestanden, nicht mehr gerechnet", sagt er im ZDF.

Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)

Die USA sind laut BGA-Präsident Jandura für deutsche Unternehmen ein unsicherer Partner geworden, aber zugleich unverzichtbar. Er fordert schnelle Reformen für mehr Unabhängigkeit.

25.01.2026 | 2:36 min

Grüne haben mit AfD gegen Mercosur gestimmt

Die Gegenstimmen kamen von der AfD, aber auch von den Grünen. Damit haben sie ihren Grundsatz, niemals gemeinsam mit Rechten zu stimmen, diese Woche im Europaparlament über Bord geworfen. Als Verfechter der Brandmauer gegen Rechts sehen sie sich nun dem Vorwurf der Doppelmoral ausgesetzt.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge räumt im ZDF ein:

Das was im Europaparlament geschehen ist, war ein Fehler.

Katharina Dröge, Grünen-Fraktionschefin

Die Brandmauer sei "wahnsinnig wichtig", sagt sie weiter. "Es darf keine Zusammenarbeit und keine Normalisierung der Rechtsextremen geben." Die Kollegen "wollten das nicht und trotzdem ist es passiert."

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge im Berlin-direkt-Interview

Nach ihrem "Nein" bei der Mercosur-Abstimmung im Europaparlament stehen die Grünen in der Kritik. Im ZDF wehrt sich Fraktionschefin Katharina Dröge gegen Vorwürfe der Doppelmoral.

25.01.2026 | 4:36 min

Özdemir: "Sachen zu Ende denken"

Heftige Kritik kam auch vom ehemaligen Grünen-Parteichef Cem Özdemir, der seinem Ärger Luft machte. Die Kollegen müssten sich "vorbereiten und die Sachen zu Ende denken", sagt er im ZDF. Die Entscheidung "war inhaltlich ein Fehler" und sie sei "vom Zustandekommen der Mehrheiten her" ein Fehler gewesen. 

Ein Mann steht vor einer Wand mit dem Logo der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen vor der Pressekonferenz zum Auftakt der Klausurtagung der Bundestagsabgeordneten am 27.02.2024.

Keine gemeinsame Abstimmung mit der AfD, so der Grundsatz der Grünen. Im EU-Parlament haben sie nun aber doch gemeinsam mit Rechten gegen das Mercosur-Abkommen gestimmt.

25.01.2026 | 3:58 min

Als die Union vor einem Jahr im Bundestag einen Entschließungsantrag zur Migration mit Stimmen der AfD verabschiedet hatte, waren die Grünen außer sich. Fraktionschefin Britta Haßelmann warf Merz vor, erstmals Mehrheiten "jenseits der politischen Mitte" gesucht und "billigend in Kauf" genommen zu haben.

Nun sind es die Grünen, die ein Glaubwürdigkeitsproblem haben.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete "Berlin Direkt" am 25. Januar 2026 ab 19:20 Uhr.

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