Grönland-Debatte und Zoll-Drohung:Jens Spahn - der Trump-Versteher?
von Mathis Feldhoff
Hat Jens Spahn Sympathien für eine Annexion Grönlands durch die USA? Das jedenfalls werfen SPD und Grüne dem Unionsfraktionschef vor. Oder wird er nur falsch interpretiert?
Jens Spahn steht wegen einer Aussage in der Grönland-Debatte in der Kritik.
Quelle: action pressEs ist eine einfache Äußerung, die Jens Spahn, Fraktionschef von CDU und CSU, wieder mal in Erklärungsnot bringt. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") hatte er gesagt:
Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar.
Jens Spahn, Unionsfraktionschef, in der "SZ"
Es gehe schließlich darum, Grönland vor dem Einfluss Russlands zu bewahren. Und er setzte hinzu, "und ja, da hat Donald Trump einen Punkt."
Donald Trump setze "alle Mittel ein", um seine Ziele zu erreichen, sagt Norbert Röttgen, der stellvertretende CDU‑Fraktionsvorsitzende. Für die Mitwirkung von Grönland und Dänemark nutze Trump wirtschaftlichen Druck.
19.01.2026 | 5:19 minDas ruft reihenweise Kritiker auf den Plan. Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic unterstellt dem Unionsfraktionschef, auf der falschen Seite zu stehen:
Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt bei Spahn durchaus Sympathien für den Kurs von Donald Trump.
Adis Ahmetovic, SPD-Außenpolitiker
Das müsse die Union "intern klären", so der Sozialdemokrat. Die SPD würde fest an der Seite von Friedrich Merz stehen und damit "weiter solidarisch an der Seite von Dänemark und Grönland", so Ahmetovic. Und sein Parteikollege, der ehemalige Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth ergänzt, Spahn sei "ein Sicherheitsrisiko für Deutschland und Europa".
Nachdem US-Präsident Trump der EU im Streit um Grönland erneut mit Zöllen gedroht hat, prüft die EU jetzt Gegenzölle. Auch Deutschland verschärft den Ton.
19.01.2026 | 1:47 minSpahn: Trumps Drohungen "nicht akzeptabel"
Jens Spahn nimmt für sich in Anspruch, gute Kontakte auch in das Trump-Lager in den USA zu unterhalten. Zu einem früheren Zeitpunkt kokettierte Spahn öffentlich damit, ein großer Amerika-Freund zu sein. Es ist kein Geheimnis, dass er mit dem ehemaligen US-Botschafter Richard Grenell ein enges, fast freundschaftliches Verhältnis pflegte und womöglich bis heute pflegt.
Aber setzt ihn das in gerechtfertigter Weise dem Verdacht aus, mit einer möglichen Übernahme Grönlands durch die USA, vielleicht sogar mit Waffengewalt, zu sympathisieren? Am Montagmorgen stellt er auf Fragen des ZDF klar:
Was nicht akzeptabel ist, ist nicht akzeptabel.
Jens Spahn, Unionsfraktionschef
Gemeint waren die Drohungen des US-Präsidenten gegenüber den europäischen Ländern. Man müsse mit der Trump-Regierung "in Zollfragen deutlich reden", aber man solle jetzt nicht eskalieren. "Wir brauchen einander", so Spahn, "in Sicherheits- und Geheimdienstfragen, bei der Wirtschaft". Das klingt jetzt nicht unbedingt danach, als würde der CDU-Mann Spahn heimlich mit der US-Regierung kungeln.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wappnet sich die EU gegen die Zollpolitik von US-Präsident Trump.
19.01.2026 | 1:07 minDröge: Wadephul und Spahn "entfliehen der Realität"
Bei den Grünen sieht man dagegen einen gewissen Realitätsverlust, wenn man bis zum heutigen Tage den Zusammenhalt des westlichen Bündnisses beschwört. Mit Bezug auf Spahn, aber auch auf Außenminister Johann Wadephul, kritisiert Katharina Dröge, Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, es gebe keine einheitliche Linie in der Union. Wadephul und Spahn versuchten, "der Realität zu entfliehen". Zuvor hatte Dröge auch Bundeskanzler Friedrich Merz scharf angegriffen. Dessen "Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung" sei "gescheitert".
In die Debatte mischt sich auch der ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann ein. Er bezeichnete Spahn auf der Plattform Bluesky als "wahnsinnig gefährlichen Trottel" und ergänzte später, das Wort "Trottel" solle deutlich machen, dass Spahn seine Worte absichtlich gesagt habe. Böhmermann unterstellt Spahn, er sei ein "skrupelloser Anti-Europäer", der diesen "imperialistischen Dreck" mit Absicht öffentlich äußere.
Wie reagiert die EU im Streit um Grönland?
19.01.2026 | 2:03 minGemeinsame Antwort auf veränderte Sicherheitslage
Jens Spahn dagegen verteidigt seine umstrittenen Worte. Statt moralischer Empörung über Trump brauche es eine nüchterne Analyse und eine "besonnene Antwort". Sein Hinweis sei auf die veränderten Sicherheitsbedingungen rund um Grönland bezogen.
Gerade der Klimawandel verändert die Schifffahrtsrouten im Nord-Atlantik und damit auch die militärischen Aktivitäten von Russland und China. Dem müsse man begegnen, so Spahn. "Wir haben gemeinsam ein Interesse daran, dass Grönland gesichert wird", so der CDU-Politiker.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
Mehr zu Trumps Anspruch auf Grönland
- Interview
Nach Trumps Zoll-Drohungen:Dröge: LNG-Importe aus den USA überdenken
mit Video5:49 - FAQ
Reaktion auf Grönland-Pläne der USA:Trumps Zoll-Drohung: Wie könnte der Konter der EU aussehen?
von Klaus Weber - Interview
Reaktion auf Trumps Zollandrohung:Weber kündigt harte Gegenmaßnahmen der EU an
von Stefanie Reulmannmit Video5:32 - FAQ
Kurztrip in die Arktis:Was die Bundeswehr auf Grönland erkundet hat
mit Video0:26