Jens Spahn - der Trump-Versteher in der Grönland-Debatte?

Analyse

Grönland-Debatte und Zoll-Drohung:Jens Spahn - der Trump-Versteher?

Mathis Feldhoff

von Mathis Feldhoff

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Hat Jens Spahn Sympathien für eine Annexion Grönlands durch die USA? Das jedenfalls werfen SPD und Grüne dem Unionsfraktionschef vor. Oder wird er nur falsch interpretiert?

Jens Spahn

Jens Spahn steht wegen einer Aussage in der Grönland-Debatte in der Kritik.

Quelle: action press

Es ist eine einfache Äußerung, die Jens Spahn, Fraktionschef von CDU und CSU, wieder mal in Erklärungsnot bringt. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") hatte er gesagt:

Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar.

Jens Spahn, Unionsfraktionschef, in der "SZ"

Es gehe schließlich darum, Grönland vor dem Einfluss Russlands zu bewahren. Und er setzte hinzu, "und ja, da hat Donald Trump einen Punkt."

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Donald Trump setze "alle Mittel ein", um seine Ziele zu erreichen, sagt Norbert Röttgen, der stellvertretende CDU‑Fraktionsvorsitzende. Für die Mitwirkung von Grönland und Dänemark nutze Trump wirtschaftlichen Druck.

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Das ruft reihenweise Kritiker auf den Plan. Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic unterstellt dem Unionsfraktionschef, auf der falschen Seite zu stehen:

Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt bei Spahn durchaus Sympathien für den Kurs von Donald Trump.

Adis Ahmetovic, SPD-Außenpolitiker

Das müsse die Union "intern klären", so der Sozialdemokrat. Die SPD würde fest an der Seite von Friedrich Merz stehen und damit "weiter solidarisch an der Seite von Dänemark und Grönland", so Ahmetovic. Und sein Parteikollege, der ehemalige Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth ergänzt, Spahn sei "ein Sicherheitsrisiko für Deutschland und Europa".

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Spahn: Trumps Drohungen "nicht akzeptabel"

Jens Spahn nimmt für sich in Anspruch, gute Kontakte auch in das Trump-Lager in den USA zu unterhalten. Zu einem früheren Zeitpunkt kokettierte Spahn öffentlich damit, ein großer Amerika-Freund zu sein. Es ist kein Geheimnis, dass er mit dem ehemaligen US-Botschafter Richard Grenell ein enges, fast freundschaftliches Verhältnis pflegte und womöglich bis heute pflegt.

Aber setzt ihn das in gerechtfertigter Weise dem Verdacht aus, mit einer möglichen Übernahme Grönlands durch die USA, vielleicht sogar mit Waffengewalt, zu sympathisieren? Am Montagmorgen stellt er auf Fragen des ZDF klar:

Was nicht akzeptabel ist, ist nicht akzeptabel.

Jens Spahn, Unionsfraktionschef

Gemeint waren die Drohungen des US-Präsidenten gegenüber den europäischen Ländern. Man müsse mit der Trump-Regierung "in Zollfragen deutlich reden", aber man solle jetzt nicht eskalieren. "Wir brauchen einander", so Spahn, "in Sicherheits- und Geheimdienstfragen, bei der Wirtschaft". Das klingt jetzt nicht unbedingt danach, als würde der CDU-Mann Spahn heimlich mit der US-Regierung kungeln.

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Dröge: Wadephul und Spahn "entfliehen der Realität"

Bei den Grünen sieht man dagegen einen gewissen Realitätsverlust, wenn man bis zum heutigen Tage den Zusammenhalt des westlichen Bündnisses beschwört. Mit Bezug auf Spahn, aber auch auf Außenminister Johann Wadephul, kritisiert Katharina Dröge, Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, es gebe keine einheitliche Linie in der Union. Wadephul und Spahn versuchten, "der Realität zu entfliehen". Zuvor hatte Dröge auch Bundeskanzler Friedrich Merz scharf angegriffen. Dessen "Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung" sei "gescheitert".

In die Debatte mischt sich auch der ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann ein. Er bezeichnete Spahn auf der Plattform Bluesky als "wahnsinnig gefährlichen Trottel" und ergänzte später, das Wort "Trottel" solle deutlich machen, dass Spahn seine Worte absichtlich gesagt habe. Böhmermann unterstellt Spahn, er sei ein "skrupelloser Anti-Europäer", der diesen "imperialistischen Dreck" mit Absicht öffentlich äußere.

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Gemeinsame Antwort auf veränderte Sicherheitslage

Jens Spahn dagegen verteidigt seine umstrittenen Worte. Statt moralischer Empörung über Trump brauche es eine nüchterne Analyse und eine "besonnene Antwort". Sein Hinweis sei auf die veränderten Sicherheitsbedingungen rund um Grönland bezogen.

Gerade der Klimawandel verändert die Schifffahrtsrouten im Nord-Atlantik und damit auch die militärischen Aktivitäten von Russland und China. Dem müsse man begegnen, so Spahn. "Wir haben gemeinsam ein Interesse daran, dass Grönland gesichert wird", so der CDU-Politiker.

Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 19.01.2026 ab 05:30 Uhr.

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