Verzicht für Klimaschutz? Herrmann: "Das Auto ist Verschwendung"

"Keine Talkshow": Konsum oder Klima:"Das Auto an sich ist Verschwendung"

von Torben Schröder

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Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann warnt vor der Illusion ewigen Wachstums und sagt: "Wir müssen schrumpfen!" Für Jan Fleischhauer ein Grusel-Modell. Er setzt auf Innovation.

Jan Fleischhauer und Ulrike Herrmann stehen hinter einem Schild auf dem steht: Weniger ist mehr.

Ulrike Herrmann fordert: Unsere Wirtschaft muss schrumpfen, damit wir überleben. Jan Fleischhauer entgegnet: Wenn wir auf Wachstum verzichten, verlieren wir Wohlstand und Zukunft.

29.10.2026 | 34:19 min

Zweimal im Minus, einmal knapp im Plus - statt Wirtschaftswachstum gab es in den vergangenen drei Jahren Rezession und Stagnation. "Wie es an allen Ecken und Enden knirscht, sehen wir", sagt Jan Fleischhauer in seiner ZDF-Sendung "Keine Talkshow". Wie sähe es erst aus, wenn die Wirtschaft, wie die Journalistin Ulrike Herrmann sich ausmalt, um 50 Prozent geschrumpft ist?

Ulrike Herrmann ist eine der führenden Stimmen, die sich gegen überbordenden Konsum und stetiges Wirtschaftswachstum aussprechen. Zur Begrüßung bekommt sie von Fleischhauer daher nur eine leere Geschenktüte überreicht, denn es geht um die Wende zum Weniger. Was Herrmann vorschlägt, ist je nach Lesart Utopie oder Dystopie. Sie spricht vom Umstieg in eine andere Welt, um den Klimawandel abzuwenden.

Herrmann wünscht sich Verzicht statt Wachstum

Die Kernthese der Bestseller-Autorin:

Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir müssen zurück in die Grenzen der Natur.

Ulrike Herrmann, Autorin und Journalistin

Die Frage sei nur: "Wie macht man das schlau?" In den Augen Fleischhauers wäre Mangelverwaltung die Perspektive. Herrmanns Antwort ist ein Wirtschafts- und Alltagsleben, das in den Grenzen der Energiemenge stattfindet, die Sonne und Wind liefern.

Neubauwohnungen mit Photovoltaik Anlage

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Einige Schlussfolgerungen: "Das private Auto hat keine Zukunft. Das Auto an sich ist Verschwendung." Stattdessen: Bahnfahren für alle, aber mit gedrosselter Höchstgeschwindigkeit. Es würde auch kaum noch gebaut, denn Beton sei ein "enormer Klimakiller", und es gebe genug Wohnraum: "Das müsste man natürlich umverteilen."

Als Fleischhauer etwas keck ein Umsiedlungsprogramm aus den überfüllten Ballungsräumen nach Sachsen-Anhalt vorschlägt, wo Wohnraum leer steht, sagt Herrmann: "Die Leute haben nicht die Freiheit, zu entscheiden, wo sie wohnen wollen. Man muss ja da wohnen, wo der Arbeitsplatz ist."

Auch diese Logik gilt es ihrer Ansicht nach zu durchbrechen. Allerdings schränkt die Journalistin ein:

Man kann alle Pläne für den Klimaschutz nur umsetzen, wenn eine breite Mehrheit das will.

Ulrike Herrmann, Autorin und Journalistin



Herrmann: "Grünes Schrumpfen" notwendig

"Grünes Schrumpfen" ist für Herrmann "eine Notwendigkeit". Man würde, was die Wirtschaftsleistung angeht, im Jahr 1978 landen. Neben einem Röhrenfernseher aus dieser Zeit sitzend sagt Herrmann, man sei ja damals so glücklich gewesen wie heute. Fleischhauer hingegen spricht von der "bleiernen Zeit", Terror und Atom-Tod: "Das war das Angst-Jahrzehnt."

Collage mit Retro-Tapete im Hintergrund,  ein Model in für die 70er-Jahre typischer Kleidung, Willy Brandt im Hintergrund auf dem Bildschirm eines Fernsehers aus der damaligen Zeit.

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"Es geht nur um das Wirtschaftsniveau", hält Herrmann dagegen. Die revolutionären Fortschritte etwa in der Medizin gelte es natürlich zu behalten. Fleischhauer verweist darauf, wie teuer die Gesundheitsversorgung heutzutage geworden ist. Wie soll das bei halber Wirtschaftsleistung bezahlt werden? Fundamentale Wachstumskritik, aber das Nützliche bleibt bestehen - das geht für Fleischhauer nicht zusammen.

Herrmanns Anliegen ist ein globales: "Es müssten alle mitmachen." Vor einem vollen Einkaufswagen unter großflächiger Rabatt-Werbung fragt Fleischhauer, an linke Zukunftsversprechen erinnernd: "Wo ist denn da die bessere Welt?" Herrmann: "Es ist besser, zu überleben, als nicht zu überleben."

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Fleischhauer befürchtet Mangel-Verwaltung

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Die Wonnen des Verzichts können eigentlich nur privilegierte Menschen genießen.

Jan Fleischhauer

"Es sind die Privilegierten, die verzichten müssen. Die unteren 50 Prozent müssen gar nicht verzichten", sagt Herrmann. Zumindest vom bilanziellen CO2-Verbrauch her. Außer bei Fleisch, iPhone, Auto. Es sei an den Volkswirten, das Schrumpfen zu modellieren.

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Fleischhauer spricht von einem "Grusel-Modell" der Verwaltung des Mangels, ohne Fortschritt und Zukunftserwartung - gerade auch für die Jugend, in deren Namen Herrmann ja sprechen wolle. Seine Lösung: "Wir müssen uns aus dem Dilemma heraus erfinden", beispielsweise durch technische Innovation bei der Energieerzeugung. Die KI sieht Fleischhauer dabei als Möglichmacher. Hier an Strom für die Rechenzentren zu sparen, fände er grundverkehrt.

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Die neue Folge von "Keine Talkshow - Verzicht auf Wohlstand: Ist weniger mehr?" mit Jan Fleischhauer und Ulrike Herrmann ist online am 29. Oktober 2026 ab 10 Uhr im ZDF-Streaming-Portal und ab 00:45 Uhr im TV zu sehen.

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