Heizung in der Energiewende: Welche Lösungen Kommunen umsetzen

Heizen mit Energie von Fluss und Erde:Mannheim, Leipzig und Saerbeck zeigen, wie Wärmewende geht

von Lisa Kuner

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Die Wärmewende endet nicht im eigenen Heizungskeller. Städte und Gemeinden entwickeln unterschiedliche Lösungen fürs Heizen. Drei Beispiele zeigen, was möglich ist.

In der Nahaufnahme dreht eine Person die Heizung auf.

Flusswärmepumpen, Bioenergie und Solarthermie können klimafreundliches Heizen ermöglichen, doch vielen Kommunen fehlen Mittel für den Ausbau.

11.09.2026 | 0:46 min

Heizen ist in Deutschland aktuell ein echter Klimakiller: Mehr als drei Viertel der Wärmeversorgung in Deutschland kommen aus fossilem Heizöl oder Gas.

Das zu ändern, ist nicht einfach. Das zeigt auch die aufgeheizte Diskussion um das sogenannte Heizungsgesetz, welches im Juli zum Gebäudemodernisierungsgesetz reformiert wurde.

Wärmewende in Deutschland




Wärmewende als Hebel für Energiewende

Gleichzeitig gilt für Robert Brückmann, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende: "Die Wärmewende ist der größte Hebel der Energiewende." Dadurch könnte man besonders viele Emissionen sparen.

Die Wärmewende findet nicht nur im privaten Heizungskeller statt. Oft sind Lösungen für Nachbarschaften, Viertel oder ganze Gemeinden sinnvoll.

Luftbild des energieautarken Dorfs Feldheim im Frühling

Feldheim in Brandenburg. Hier ist die Energiewende längst Realität: Seit 2010 ist das 130-Seelen-Dorf vollständig energieautark. Strom und Wärme stammen von Windrädern und einer Biogasanlage.

21.01.2026 | 4:19 min

Riesige Flusswärmepumpen sollen Mannheim warm machen

In Mannheim soll die weltweit größte Flusswärmepumpe nach Auskunft des Energieversorgers MVV ab 2028 rund 40.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Die Idee dahinter: Die Anlage entzieht dem Rhein Wärme und hebt sie mithilfe von Strom auf ein Temperaturniveau, das als Fernwärme nutzbar ist. Das funktioniert eingeschränkt auch bei kalten Temperaturen im Winter.

So funktioniert eine Flusswärmepumpe: Mit drei Kreisläufen wird aus der Wärme eines Flusses Warmwasser für Wohnungen erzeugt. Die Temperatur, z. B. des Rheins, kann als Energiequelle genutzt werden. Die Flusswärme bringt Kühlmittel zum Verdampfen. Dieses Gas wird dann mit einem Elektromotor stark verdichtet. Das komprimierte Gas wird so heiß, dass schließlich Wasser für das Fernwärmenetz erhitzt werden kann.

Langfristig soll die Flusswärme rund 30 Prozent der Menschen in der Region mit Wärme versorgen. Laut den Mannheimer Stadtwerken funktionieren die Flusswärmepumpen auch bei Niedrigwasser. Ein Nachteil sind die hohen Investitionskosten: Große Anlagen kosten mehr als 100 Millionen Euro.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (2.v.r.) besucht die Grundsteinlegung der Flusswasser-Wärmepumpe beim Unternehmen Rheinenergie.

Am Rhein wird derzeit die größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas gebaut. Sie soll 50.000 Haushalte versorgen. ZDF-Reporter Ralph Goldmann zeigt, wie sie funktioniert.

23.07.2026 | 1:39 min

Solarthermie und Fernwärme: Mehrteilige Wärmewende in Leipzig

Am Westrand von Leipzig ist seit Juni Deutschlands größte Solarthermieanlage - also eine Solaranlage für Wärmeerzeugung - in Betrieb. Klimaneutral und ohne laufende Brennstoffkosten werden so tausende Haushalte mit Fernwärme und Warmwasser versorgt.

Ein Problem dabei: Im Winter, wenn besonders viel Wärme gebraucht wird, scheint die Sonne weniger. Deshalb liefert die Anlage auch ganzjährig nur rund zwei Prozent des Wärmebedarfs von Leipzig. "Das ist nur ein Baustein", sagt Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal von den Linken.

Solarenergie in einem Dorf in Hessen

Das hessische Dorf Bracht heizt mit Sonnenenergie: Ein Großteil des Wärmebedarfs im Ort kann dank Tausender Solarthermie-Kollektoren gedeckt werden.

08.01.2026 | 1:54 min

Leipzig will außerdem Abwärme aus der Industrie und Abwasser nutzen und die ins Fernwärmenetz einspeisen. Gleichzeitig sollen Gebäudesanierungen den Wärmebedarf senken.

Bioenergie in Saerbeck im Münsterland

In Saerbeck im Münsterland sollen bis zu 450 Gebäude an ein kommunales Wärmenetz angeschlossen werden, das von einer bereits vorhandenen Biogasanlage versorgt wird. Biogasanlagen sind im Betrieb nahezu CO2-neutral, da bei ihrer Verbrennung nur so viel freigesetzt wird, wie die Pflanzen vorher aus der Atmosphäre gebunden haben.

"In unsere Neubaugebiete verlegen wir aktuell Kaltwärmenetze", fügt der parteilose Bürgermeister Tobias Lehberg hinzu. Kaltwärmenetze können Gebäude sowohl kühlen als auch heizen und werden mit Geothermie, die Wärme aus dem Boden entnimmt, betrieben.

Kältezentrum

Die Hitze entweicht in Städten besonders langsam. Daher setzt München auf eine umweltfreundliche Lösung. Eine unterirdische Kälteanlage versorgt etliche Gebäude mit Kühlung.

14.07.2026 | 2:00 min

Abgelegenere Häuser, die nicht an Wärmenetze angeschlossen werden können, will die Gemeinde mit Beratung unterstützen: "Damit sich auch mehrere Haushalte zusammentun und passende Lösungen entwickeln können", so Lehberg.

Kommunen brauchen individuelle Lösungen für Wärmeplanung

Wie Städte und Gemeinden die Wärmewende gestalten können, hängt von den lokalen Gegebenheiten und Wärmequellen ab, etwa aus Industrie oder Flüssen.

Ob Heizen damit in Zukunft teurer oder günstiger wird, lässt sich nicht zuverlässig voraussagen. "Aber die Preisentwicklung wird viel planbarer", erklärt Robert Brückmann vom Kompetenzzentrum kommunale Wärmewende. Zudem werde man unabhängiger von Entwicklungen auf dem Weltmarkt.

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27.04.2026 | 2:46 min

Fehlende Finanzierung erschwert Wärmewende

Die größte Herausforderung sei aus Sicht des Leipziger Umweltbürgermeisters Rosenthal das Geld. Viele Kommunen hätten sehr knappe Haushalte, allein für Leipzig brauche es aus seiner Sicht für die Wärmewende Investitionen in Milliardenhöhe.

Vorhandene Fördertöpfe würden manchmal nicht genutzt werden, weil Kommunen den Eigenanteil nicht aufbringen könnten. Rosenthal wünscht sich deshalb, dass Klimaanpassung zur kommunalen Pflichtaufgabe wird. Dann müsste die Ebene mehr Geld geben, die die Pflichtaufgabe anordnet. Also das Land oder der Bund.

Weil auch die Gemeinde Saerbeck die Investitionen nicht nur aus öffentlichen Geldern stemmen kann, soll dort eine Wärmeenergiegenossenschaft gegründet werden. Die soll zum einen private Investitionen bringen und zum anderen Bürgerinnen und Bürger direkt mit einbeziehen.

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Mann kontrolliert seine alte Gasheizung mit Warmwasserspeicher.
Über dieses Thema berichtete ZDFheute im Beitrag "Heizen mit erneuerbaren Energien" am 11.09.2026 um 06:00 Uhr.

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