Heizen mit Energie von Fluss und Erde:Mannheim, Leipzig und Saerbeck zeigen, wie Wärmewende geht
von Lisa Kuner
Die Wärmewende endet nicht im eigenen Heizungskeller. Städte und Gemeinden entwickeln unterschiedliche Lösungen fürs Heizen. Drei Beispiele zeigen, was möglich ist.
Flusswärmepumpen, Bioenergie und Solarthermie können klimafreundliches Heizen ermöglichen, doch vielen Kommunen fehlen Mittel für den Ausbau.
11.09.2026 | 0:46 minHeizen ist in Deutschland aktuell ein echter Klimakiller: Mehr als drei Viertel der Wärmeversorgung in Deutschland kommen aus fossilem Heizöl oder Gas.
Das zu ändern, ist nicht einfach. Das zeigt auch die aufgeheizte Diskussion um das sogenannte Heizungsgesetz, welches im Juli zum Gebäudemodernisierungsgesetz reformiert wurde.
Wärmewende in Deutschland
Fast 80 Prozent aller Wohngebäude wurden 2024 laut dem Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit den fossilen Energien Öl oder Gas geheizt. Rund jede sechste Wohnung wird in Deutschland mit Fernwärme beheizt.
Wärmenetze haben verschiedene Vorteile: In unsanierten, städtischen Altbauten ist es oft einfacher Gebäude daran anzuschließen, als für jedes Haus einzelne Lösungen zu finden. Zudem kann Wärme aus verschiedenen Quellen eingespeist werden. Und: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen nicht auf einmal die hohen Investitionskosten für einen Heizungstausch aufbringen.
Allerdings gibt es auch Nachteile: Ein Fernwärmenetz ist ein lokales Monopol und Kunden können nicht einfach zu einem anderen Anbieter wechseln. Zudem binden sie sich meist für viele Jahre.
Im Jahr 2045 könnten laut aktuellen Wärmeplänen 41 Prozent des Wärmebedarfs durch Wärmepumpen und 36 Prozent durch Wärmenetze, also durch Fern- oder Nahwärme, gedeckt werden. Das geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Öko-Instituts hervor. Größere Kommunen setzen demnach eher auf Wärmenetze als kleinere.
Fernwärme kann aus fossilen Energieträgern oder klimaneutral aus unterschiedlichen Quellen kommen. Dazu gehören etwa Großwärmepumpen, Geothermie oder sogenannte Power-to-Heat-Anlagen, die man sich wie große Wasserkocher vorstellen kann. Wasserstoff bleibt voraussichtlich die Ausnahme: Damit sollen nur sechs Prozent des Wärmebedarfs gedeckt werden.
Rund ein Drittel aller Städte und Gemeinden in Deutschland hat bisher einen kommunalen Wärmeplan, also einen Fahrplan zur klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045, vorgelegt. Für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern gab es eine gesetzliche Frist zur Einreichung bis zum 30. Juni 2026. 74 von 80 großen Städten haben diese eingehalten. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der AfD im Bundestag hervor.
Kleinere Städte und Gemeinden haben dafür noch bis Juni 2028 Zeit. In Zukunft müssen viele Städte zudem planen, wie sie die Einwohnerinnen und Einwohner mit Kälte versorgen.
Wärmewende als Hebel für Energiewende
Gleichzeitig gilt für Robert Brückmann, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende: "Die Wärmewende ist der größte Hebel der Energiewende." Dadurch könnte man besonders viele Emissionen sparen.
Die Wärmewende findet nicht nur im privaten Heizungskeller statt. Oft sind Lösungen für Nachbarschaften, Viertel oder ganze Gemeinden sinnvoll.
Feldheim in Brandenburg. Hier ist die Energiewende längst Realität: Seit 2010 ist das 130-Seelen-Dorf vollständig energieautark. Strom und Wärme stammen von Windrädern und einer Biogasanlage.
21.01.2026 | 4:19 minRiesige Flusswärmepumpen sollen Mannheim warm machen
In Mannheim soll die weltweit größte Flusswärmepumpe nach Auskunft des Energieversorgers MVV ab 2028 rund 40.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Die Idee dahinter: Die Anlage entzieht dem Rhein Wärme und hebt sie mithilfe von Strom auf ein Temperaturniveau, das als Fernwärme nutzbar ist. Das funktioniert eingeschränkt auch bei kalten Temperaturen im Winter.
Langfristig soll die Flusswärme rund 30 Prozent der Menschen in der Region mit Wärme versorgen. Laut den Mannheimer Stadtwerken funktionieren die Flusswärmepumpen auch bei Niedrigwasser. Ein Nachteil sind die hohen Investitionskosten: Große Anlagen kosten mehr als 100 Millionen Euro.
Am Rhein wird derzeit die größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas gebaut. Sie soll 50.000 Haushalte versorgen. ZDF-Reporter Ralph Goldmann zeigt, wie sie funktioniert.
23.07.2026 | 1:39 minSolarthermie und Fernwärme: Mehrteilige Wärmewende in Leipzig
Am Westrand von Leipzig ist seit Juni Deutschlands größte Solarthermieanlage - also eine Solaranlage für Wärmeerzeugung - in Betrieb. Klimaneutral und ohne laufende Brennstoffkosten werden so tausende Haushalte mit Fernwärme und Warmwasser versorgt.
Ein Problem dabei: Im Winter, wenn besonders viel Wärme gebraucht wird, scheint die Sonne weniger. Deshalb liefert die Anlage auch ganzjährig nur rund zwei Prozent des Wärmebedarfs von Leipzig. "Das ist nur ein Baustein", sagt Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal von den Linken.
Das hessische Dorf Bracht heizt mit Sonnenenergie: Ein Großteil des Wärmebedarfs im Ort kann dank Tausender Solarthermie-Kollektoren gedeckt werden.
08.01.2026 | 1:54 minLeipzig will außerdem Abwärme aus der Industrie und Abwasser nutzen und die ins Fernwärmenetz einspeisen. Gleichzeitig sollen Gebäudesanierungen den Wärmebedarf senken.
Bioenergie in Saerbeck im Münsterland
In Saerbeck im Münsterland sollen bis zu 450 Gebäude an ein kommunales Wärmenetz angeschlossen werden, das von einer bereits vorhandenen Biogasanlage versorgt wird. Biogasanlagen sind im Betrieb nahezu CO2-neutral, da bei ihrer Verbrennung nur so viel freigesetzt wird, wie die Pflanzen vorher aus der Atmosphäre gebunden haben.
"In unsere Neubaugebiete verlegen wir aktuell Kaltwärmenetze", fügt der parteilose Bürgermeister Tobias Lehberg hinzu. Kaltwärmenetze können Gebäude sowohl kühlen als auch heizen und werden mit Geothermie, die Wärme aus dem Boden entnimmt, betrieben.
Die Hitze entweicht in Städten besonders langsam. Daher setzt München auf eine umweltfreundliche Lösung. Eine unterirdische Kälteanlage versorgt etliche Gebäude mit Kühlung.
14.07.2026 | 2:00 minAbgelegenere Häuser, die nicht an Wärmenetze angeschlossen werden können, will die Gemeinde mit Beratung unterstützen: "Damit sich auch mehrere Haushalte zusammentun und passende Lösungen entwickeln können", so Lehberg.
Kommunen brauchen individuelle Lösungen für Wärmeplanung
Wie Städte und Gemeinden die Wärmewende gestalten können, hängt von den lokalen Gegebenheiten und Wärmequellen ab, etwa aus Industrie oder Flüssen.
Ob Heizen damit in Zukunft teurer oder günstiger wird, lässt sich nicht zuverlässig voraussagen. "Aber die Preisentwicklung wird viel planbarer", erklärt Robert Brückmann vom Kompetenzzentrum kommunale Wärmewende. Zudem werde man unabhängiger von Entwicklungen auf dem Weltmarkt.
2026 - Das Jahr der Energiewende? Die Politik sendet gemischte Signale. Doch wer zahlt am Ende den Preis für das sogenannte Heizungsgesetz & Co.?
27.04.2026 | 2:46 minFehlende Finanzierung erschwert Wärmewende
Die größte Herausforderung sei aus Sicht des Leipziger Umweltbürgermeisters Rosenthal das Geld. Viele Kommunen hätten sehr knappe Haushalte, allein für Leipzig brauche es aus seiner Sicht für die Wärmewende Investitionen in Milliardenhöhe.
Vorhandene Fördertöpfe würden manchmal nicht genutzt werden, weil Kommunen den Eigenanteil nicht aufbringen könnten. Rosenthal wünscht sich deshalb, dass Klimaanpassung zur kommunalen Pflichtaufgabe wird. Dann müsste die Ebene mehr Geld geben, die die Pflichtaufgabe anordnet. Also das Land oder der Bund.
Weil auch die Gemeinde Saerbeck die Investitionen nicht nur aus öffentlichen Geldern stemmen kann, soll dort eine Wärmeenergiegenossenschaft gegründet werden. Die soll zum einen private Investitionen bringen und zum anderen Bürgerinnen und Bürger direkt mit einbeziehen.
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