Windkraft: Wie Bürger sich an Energieparks beteiligen können

Bürgerwindparks als private Geldanlage:Lohnt sich das Geschäft mit dem Wind?

von Sophie Rittau

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Immer mehr Menschen investieren über Energiegenossenschaften in Windparks. Sie hoffen auf gute Erträge. Doch wie sicher ist das Geschäft mit dem Wind?

Land in Sicht - Windenergie

Windkraft soll das Klima schützen. Während im Münsterland motivierte Bürger eigene Windparks errichten, wehren sich Lüneburger gegen Windräder im Wald. Zwei Perspektiven auf die Energiewende.

12.06.2026 | 9:16 min

Landwirtin Theresa Ungru schaut morgens nicht nur aufs Wetter. Wenn sie vor die Tür tritt, schaut sie vor allem auf ihre Windräder. Und sie weiß: Drehen sich die Rotoren, produzieren sie Strom - und sie verdient mit. Die 39-Jährige aus dem Münsterland ist inzwischen auch Stromproduzentin. Als "Windbäuerin" bezeichnet sie sich selbst.

Mehr als 5.000 Menschen aus der Region haben sich an den Bürgerwindparks beteiligt, die sie dort mitgegründet hat. Anfang der 2010er-Jahre kamen Projektentwickler in ihr Dorf, erzählt Ungru. Sie wollten dort Flächen pachten und Windräder bauen.

Wenn die so viel Geld verdienen, dann kann man das doch vielleicht auch selber machen.

Theresa Ungru, Co-Geschäftsführerin zweier Bürgerwindparks

Geld verdienen mit Windenergie: Eine gute Idee, dachten sich Ungru und andere Landwirte und Landwirtinnen aus der Region. Daraus entstanden zwei Bürgerwindparks - ein Investitionsmodell, das inzwischen viele Menschen in Deutschland nutzen.

Bei Bürgerwindprojekten investieren Privatpersonen gemeinsam in Windräder. Mit dem eingesammelten Kapital werden die Anlagen gebaut und betrieben. Manche Projekte produzieren Strom für den Eigenverbrauch durch die Mitglieder. Andere verkaufen ihren Strom. Erwirtschaftet der Windpark dadurch Einnahmen, bekommen die Beteiligten einen Anteil, abzüglich der Kosten für beispielsweise Wartung und Reparatur.

Viele Bürgerwindprojekte werden von Energiegenossenschaften organisiert, diese Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern gemeinsam. Entscheidungen werden demokratisch getroffen. Meist gilt: Jede Person, die in den Bürgerwindpark investiert hat, hat bei wichtigen Entscheidungen eine Stimme - unabhängig davon, wie viel Geld investiert wurde.


Mit der Energiewende Geld verdienen

Mitglieder investieren in Windräder, Solaranlagen oder Wärmenetze. Die Einnahmen aus dem Stromverkauf fließen an die Genossenschaft zurück.

Nach Angaben des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV) engagierten sich 2025 rund 220.000 Menschen in knapp 1.000 Energiegenossenschaften. Gemeinsam haben sie rund 3,6 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert.

Lars Aagaard (Minister fuer Klima, Energie und Versorgung, Daenemark), Annelies Verlinden (Ministerin fuer Justiz und den belgischen Teil der Nordsee, Belgien), Katherina Reiche (Bundesministerin fuer Wirtschaft und Energie), Sophie Hermans (Ministerin fuer fuer Klimapolitik und gruenes Wachstum, Niederlande) und Ed Miliband (Minister fuer Energiesicherheit und NetZero, Vereinigtes Koenigreich) bei der Unterzeichnungszeremonie beim 3. internationalen Nordsee-Gipfel 2026 auf Ebene der Regierungschefinnen und -chefs sowie der Energieministerinnen und Energieminister in Rathaus.

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Einer der Windparks, die Ungru mitbetreibt, ist der Bürgerwindpark Hörstel. Wer mitmachen wollte, musste einmalig mindestens 1.000 Euro investieren. Nach den damaligen Berechnungen sollten die Beteiligten bis 2038 insgesamt rund 222 Prozent ihrer Einlage zurückerhalten. Wer 1.000 Euro investierte, sollte also über die gesamte Laufzeit rund 2.220 Euro zurückbekommen.

Ob diese Prognose erreicht wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab - etwa von den Windverhältnissen, Strompreisen und Betriebskosten. Bleibt der Wind hinter den Erwartungen zurück oder steigen die Kosten, kann am Ende auch weniger Geld zurückfließen.

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Wie sicher ist die Investition?

Windparks werden für lange Zeiträume geplant. Neben Wind und Wetter spielen deshalb auch politische Entscheidungen eine wichtige Rolle. Förderbedingungen, Ausschreibungen und gesetzliche Vorgaben beeinflussen, ob sich Projekte rechnen - und ob Investorinnen und Investoren langfristig planen können.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll den Ausbau von Wind- und Solarenergie fördern. Nach den Regelungen gelten Förderansprüche für Windenergieanlagen grundsätzlich über 20 Jahre zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme.

Die Regeln wurden in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst. Mit der EEG-Reform 2017 wurde für viele neue Windparks ein Ausschreibungssystem eingeführt. Dabei konkurrieren die Projekte nun um Förderzusagen.

Deshalb können für ältere und neuere Windparks unterschiedliche Rahmenbedingungen gelten.


Gleichzeitig wird über die Zukunft der Förderung erneuerbarer Energien diskutiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Förderkosten für den Ausbau erneuerbarer Energien um mehr als 20 Prozent senken. Der Weg aus der fossilen Energie müsse "sparsamer und effizienter gestaltet werden", sagte sie bei der Vorstellung ihrer Pläne. Neue Wind- und Solaranlagen sollen künftig weniger staatliche Unterstützung erhalten und einen größeren Teil ihrer Einnahmen selbst erwirtschaften müssen.

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Neue Projekte brauchen Verlässlichkeit

Für bestehende Windparks wie Hörstel hätte das zunächst kaum Folgen. Für neue Projekte könnte die Finanzierung schwierig werden. Bürgerwindparks werden oft viele Jahre im Voraus geplant. Alle, die Geld in solche Projekte investieren, wollen deshalb möglichst genau wissen, mit welchen Einnahmen sie langfristig rechnen können. Die Förderbeträge haben sich dabei in der Vergangenheit als verlässliche Größe erwiesen.

Wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen sind, betonten zuletzt Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft auf einem Symposium des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Sie forderten stabile Regeln und weniger Unsicherheit bei politischen Entscheidungen.

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Bürgerwind als Investition

Ob sich eine Beteiligung finanziell lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer investiert, so raten Experten, sollte die Verträge im Vorfeld prüfen. In der Regel handelt es sich um langfristige Geldanlagen. Inwieweit sich das Investment auszahlt, hängt von vielen Faktoren ab.

Neben Änderungen bei den Förderbedingungen können beispielsweise Konflikte mit Gemeinden oder Anwohnerinnen und Anwohnern den Bau verzögern oder gar ganz verhindern. So sind bei dieser Art der Geldanlage auch deutliche Verluste durchaus möglich.

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Befürworter von Bürgerwindprojekten argumentieren jedoch, dass es nicht nur ums Geld geht. Wer sich beteiligt, werde vom Zuschauer zum Mitgestalter. Statt dass Windparks ausschließlich von externen Unternehmen entwickelt werden, investieren Menschen aus der Region selbst in die Projekte.

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Über dieses Thema berichtet WISO in dem Beitrag "Windenergie: Chance oder Belastung", online verfügbar am 12.06.2026 ab 8.30 Uhr und im ZDF am 15.06. ab 19:25 Uhr.

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