Brandenburg: Energiewende mit Folgen für die Landwirtschaft

Flächenkonkurrenz durch Energiewende?:Wie Energieparks Landwirtschaft verändern

von Karen Grass und Eva Schmidt

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Die Energiewende steht stark unter Reformdruck. Perspektivisch will die Bundesregierung mehr auf große Energieparks setzen. Was das für den ländlichen Raum bedeutet.

Waage mit Figuren an beiden Enden. In der Mitte ist eine Solarzelle zu sehen.

Wir stecken mitten in der Energiewende. Lange ging es nur um den Ausbau erneuerbarer Energien. Die ZDF-Doku stellt die Frage: Wer zahlt den Preis dafür?

17.04.2026 | 43:49 min

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Förderung von privaten Photovoltaik-Kleinanlagen auf Hausdächern zurückfahren und stattdessen Wind-Energieparks und Photovoltaik-Freiflächenanlagen, also große Solarparks, stärker in den Fokus nehmen. Das würde nicht ohne Folgen für den ländlichen Raum bleiben, denn Wind- und Solarparks beanspruchen große Flächen.

Brandenburg gehört zu den Bundesländern, die den Ausbau von Energieparks überdurchschnittlich stark vorantreiben. Beim Thema Photovoltaik (PV), räumte beispielsweise der frühere brandenburgische Klimaschutzminister Axel Vogel (Grüne) ein, gebe es in einigen Fällen auch eine wirtschaftliche Konkurrenz um die Flächennutzung.

Zwei Männer bringen Solar-Panels an ein Dach an.

Die Reformpläne der Bundeswirtschaftsministerin Reiche zum Erneuerbare-Energien-Gesetz sehen vor, dass die garantierte Einspeisevergütung für kleine Privatanlagen wegfallen soll.

20.03.2026 | 0:37 min

Acker oder Energie? Streit ums Land

Was das in der Praxis bedeutet, weiß Jan Sommer aus Märkisch-Oderland im Osten Brandenburgs. Dort boomen Energieparks wie sonst in kaum einem anderen Landkreis in Deutschland.

Brandenburg fordert seit 2025 den sogenannten "Solar‑Euro" ein, eine Sonderabgabe von Betreibern neuer PV‑Freiflächenanlagen, die ab 2025 ihren Betrieb gestartet haben. Bundesländer wie Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt haben vergleichbare Kommunalbeteiligungen. Auch für Windparks gibt es inzwischen abhängig vom Bundesland eine Sonderabgabe an die Kommunen.


Sommer baut Gemüse ökologisch an und verkauft es an den Berliner Markt. Sein Problem: Die Planung von neuen Solarparks macht auch vor seinem Betrieb nicht halt, denn die Flächen sind größtenteils gepachtet.

Auch unsere Verpächter wurden angefragt, ob sie nicht unser Land, was wir hier gepachtet haben, in Photovoltaik umwidmen können.

Jan Sommer, Landwirt

Die Investoren hätten seinem Verpächter das 20- bis 30-fache von dem an Pacht geboten, was er als Landwirt aufbringen kann. Für ihn ein unfairer Wettbewerb, der seine Existenz bedrohe. Denn bei den steigenden Pachtpreisen sei es nicht möglich, an anderer Stelle etwas Neues aufzubauen.

Energiegerechtigkeit: Wer zahlt? Eva Schmidt im Gespräch

Wie sind die Kosten der Energiewende verteilt – und ist das gerecht? ZDF-Reporterin Eva Schmidt über Kritik an Förderungen und steigende Energiepreise.

17.04.2026 | 5:55 min

Eigentumsverhältnisse der Flächen für Gewinn entscheidend

Ralf-Michael Marquardt vom Westfälischen Energieinstitut spricht gegenüber ZDFheute von einer Schieflage bei der Energiewende: "Wenn man beispielsweise seine Fläche verpachtet für ein Windrad, dann gibt es pro Windrad so rund 50.000 bis 70.000 Euro an Pachteinnahmen pro Jahr. Für nichts, nur weil man dort ein Windrad stehen lässt."

Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen



Bei der Energiewende und deren Chancen für den ländlichen Raum sei die Frage des Eigentums ganz entscheidend, meint Marquardt, denn "der Bauer, der kein eigenes Land hat, der es dazu pachten muss, das ist derjenige, der hier der Verlierer ist". In Brandenburg sind rund zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche gepachtet.

Ein Solarpark in Bayern ist zu sehen.

Bei der Solarenergie sind in Deutschland die bis 2030 gesteckten Ausbauziele zur Hälfte erreicht. Jedoch lässt die Nachfrage nach Photovoltaik bei Eigenheimbesitzern stark nach.

04.07.2025 | 1:31 min

Wer Grund besitzt, kann von Energiewende profitieren

Wie tiefgreifend der Wandel ist, den die Energiewende für den ländlichen Raum bedeutet, weiß auch Henrik Wendorff vom Landesbauernverband Brandenburg: "Es ist ein Druck, der zusätzlich auf den Landwirtschaftsbetrieben lastet, weil die Eigentümer der Flächen sich nach Alternativen umschauen können. Und diese Alternativen sind sehr lukrativ durch die Energiewende."

Allerdings, räumt Henrik Wendorff ein, bringe die Energiewende den Landwirten auch neue Einnahmequellen, wenn sie mit eigenen PV-Anlagen selbst in die Stromproduktion einsteigen oder ihren Grund an Windparkbetreiber verpachten. Sie könnten damit ihre landwirtschaftlichen Betriebe rentabel halten. Voraussetzung allerdings ist, dass den Landwirten der Boden gehört.

Solarbaum in Sölden

Ein neues Energieprojekt an einem ungewöhnlichen Standort: Baumförmige Photovoltaik-Anlagen in Sölden trotzen dem Schnee, Wind und Kälte. Sie sollen hochalpinen Skigebieten ganzjährig grünen Strom liefern.

27.02.2026 | 2:04 min

Durch Steuereinnahmen: Energiewende kann strukturschwache Regionen stärken

Chancen ergeben sich auch durch Steuereinnahmen, die der Betrieb von Wind- und Solarparks für die Kommunen bringt. So könnten strukturschwache Regionen wie beispielsweise die Kreise Dithmarschen, Nordfriesland oder Prignitz und Uckermark davon profitieren.

Das geht aus einer Untersuchung des Thünen-Instituts Braunschweig und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hervor. Eine gerechtere Verteilung von Kosten und Nutzen der Energiewende könne vor Ort zu höherer Akzeptanz der Energiewende sorgen.

Recycling von Photovoltaik-Anlagen
:Defekte Solarmodule: Wie sie entsorgt und recycelt werden

Solarstrom zu erzeugen, ist sinnvoll. Doch was passiert, wenn ein Solarmodul ausfällt? Wer übernimmt die Rücknahme und wie lassen sich die verbauten Rohstoffe wiederverwerten?
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Photovoltaik-Anlage auf dem Dach
FAQ
Über dieses Thema berichtete die ZDF-Dokumentation "Wer für die Energiewende zahlt", online verfügbar am 17.04.2026 um 08:30 Uhr, im ZDF am 19.04.2026 ab 15:30 Uhr.

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