Alternative für die Klospülung:Kein Trinkwasser für die Toilette? Was es dafür braucht
von Eva Schmidt
Ein hochwertiges Lebensmittel für die Toilette? Allein für die Spülung verbrauchen wir in Deutschland etwa 34 Liter Trinkwasser pro Kopf und Tag. Wie es anders geht.
Bundesweit sinken die Grundwasserstände, vielerorts wurde der Trinkwasser-Notstand ausgerufen. Bei unnötigem Verbrauch drohen Strafzahlungen. Fernwasserleitungen könnten helfen.
16.08.2026 | 3:06 minKönnen wir es uns noch leisten, Trinkwasser für die Toilettenspülung zu verwenden? "Angesichts des Klimawandels ist das nicht mehr zeitgemäß", kritisiert Betül Türkeri den Umgang mit Trinkwasser in Deutschland. Türkeri arbeitet beim Stadtforschungsinstitut Difu, dem Deutschen Institut für Urbanistik. Ob Kochen, Trinken, Hände waschen, Garten bewässern oder Toilette spülen: Für alles gibt es Trinkwasser in Topqualität.
Solange Deutschland ein regensicheres Land war, gab es wenig wirtschaftlichen Druck, daran etwas zu ändern. So ist es zu erklären, dass fast alle Gebäude historisch nur ein zentrales Wasserleitungsnetz besitzen. Und das ist der Knackpunkt.
Aktuell herrscht europaweit extreme Trockenheit. Flüsse führen kaum Wasser, Regenmangel verschärft die Lage. Das hat negativen Einfluss auf Energieversorgung, Schifffahrt und Wirtschaftswachstum.
05.08.2026 | 2:16 minGrauwasser: Zweites Leben fürs Duschwasser
"Rechtlich und technisch können wir Wasser im Kreislauf halten", erklärt Betül Türkeri gegenüber ZDFheute. Regenwasser oder aufbereitetes Grauwasser können zur Bewässerung oder Toilettenspülung verwendet werden. Mit etwas höherer Aufbereitung lässt sich mit Grauwasser sogar Wäsche waschen.
Trinkwasser: Aufbereitung und Gebrauch
Unter Grauwasser versteht man schwach verschmutztes Abwasser aus dem Haushalt wie zum Beispiel Duschwasser. Nach Aufbereitung kann es wiederverwendet werden für Toilettenspülungen oder Gartenbewässerung, gegebenenfalls auch zum Waschen. Dann spricht man von Betriebswasser oder umgangssprachlich von Brauchwasser. Auch gesammeltes Regenwasser kann als Betriebswasser verwendet werden.
Bei der Verwendung von Trinkwasser in deutschen Haushalten steht die Toilettenspülung mit 27 Prozent auf Platz zwei nach Baden, Duschen und Händewaschen (36 Prozent). Das zeigen Daten des Umweltbundesamts und Statistischen Bundesamts. Mit vier Prozent brauchen wir das wenigste Trinkwasser tatsächlich zum Trinken oder Zubereiten von Essen.
2022 hat jede Person in Deutschland täglich etwa 126 Liter Trinkwasser im Haushalt genutzt. Darin ist auch die Verwendung von Trinkwasser im Kleingewerbe wie zum Beispiel in Metzgereien, Bäckereien und Arztpraxen enthalten. Der größte Teil der Wasserentnahmen in Deutschland entfällt aber nicht auf Privathaushalte, sondern auf die Energieversorgung, verarbeitendes Gewerbe und den Bergbau zusammengerechnet.
Aber dafür ist im Gebäude ein zweites Leitungsnetz notwendig, das Trinkwasser von Brauchwasser trennt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Auch zusätzliche Speicher-, Filter-, Pumptechnik müsste dann eingebaut werden.
Kosten für getrennte Wassersysteme behindern Umsetzung
Zwei getrennte Wassersysteme sind natürlich eine Kostenfrage. "Regen- und Grauwasseranlagen rechnen sich für Bauherren oft erst nach zehn bis 20 Jahren", ordnet Betül Türkeri ein.
"Die eigentliche Herausforderung sind die Bestandsbauten", ergänzt Martin Zimmermann vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE). Denn hier sei die Umrüstung natürlich viel aufwendiger und damit teurer als bei Neubauten.
Bundesumweltminister Schneider plant angesichts von Hitze und Niedrigwasser das Thema Klimaanpassung ins Grundgesetz aufzunehmen. Er halte den Schritt für "zwingend notwendig".
12.08.2026 | 0:23 minWährend ein Umdenken bei Neubauten heute leichter möglich und in Einzelfällen schon zu beobachten sei, geschehe im Bestand zu wenig. "Der Druck scheint noch nicht groß genug für langfristiges Handeln zu sein", so Martin Zimmermann.
Was Städte an Wasser einsparen könnten
Eine Modellrechnung für Frankfurt am Main zeige, dass die Stadt bis 2050 beim Trinkwasser gut 20 Prozent einsparen könnte, indem sie einen Teil des Trinkwassers mit aufbereitetem Grauwasser ersetzt, erklärt Zimmermann.
Damit verbunden wäre natürlich der Ausbau eines doppelten Leitungssystems, aber in dem Punkt zeigt sich Martin Zimmermann gegenüber ZDFheute optimistisch: "Doppeltes Leitungssystem heißt nicht automatisch doppelte Kosten."
Und was die baulichen Eingriffe betrifft, könnte man die Gelegenheit auch für die Umrüstung des Wassersystems nutzen, wenn man beispielsweise ohnehin Häuser saniert oder Büroimmobilien in Wohngebäude umwandelt.
Darmstadt setzt auf Entsiegelung. Beim Wettbewerb "Abpflastern" zeigen Initiativen, wie aus versiegelten Flächen neue grüne Oasen entstehen.
07.08.2026 | 1:58 minPotenzial zum Wassersparen in Privathaushalten bereits ausgereizt
Im direkten Wasserverbrauch für den Haushalt gibt es eine rückläufige Tendenz. Denn während in Deutschland 2022 jede Person täglich 126 Liter Trinkwasser im Schnitt verbraucht hat, waren es laut Umweltbundesamt 1991 noch 144 Liter. Heute gibt es beispielsweise effizientere Wasserhähne und sparsamere Wasch- und Spülmaschinen als früher.
Beim Wassersparen in Haushalten sind die Möglichkeiten mit der bestehenden Technik weitestgehend ausgeschöpft.
Martin Zimmermann, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Daher müsse es nun systemische Entscheidungen zum Wassersparen geben: Ähnlich wie die Energiewende beim Strom oder die Verkehrswende beim Verbrennermotor braucht es laut Zimmermann in Deutschland eine Art "Wasserwende".
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05.08.2026 | 3:57 minWasser im Kreislauf halten: Erste Städte bauen um
Einige Städte beschreiten in Modellversuchen neue Wege. Beispielsweise erprobt Hamburg mit dem Neubauquartier Jenfelder Au, das Wasser im Kreislauf zu halten.
Abwasser wird hier getrennt in leicht verschmutztes Grauwasser und Toilettenwasser. Das Grauwasser geht wiederaufbereitet zurück in die Haushalte. Das Wasser aus den Toiletten fließt in eine Biogasanlage. Der verantwortliche Versorger "Hamburg Wasser" nennt das Quartier ein "Reallabor", das für zukünftige Stadtentwicklung und Daseinsvorsorge Impulse geben soll.
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