Spezielle Tarife von Airlines:Emissionsausgleich bei Flügen: Was Klimabeiträge bewirken
von Lisa Kuner
Mit einem "Klimabeitrag" versprechen Airlines ihren Kunden, klimaschädliche Emissionen reduzieren oder ausgleichen zu können. Fliegen soll klimafreundlicher sein. Aber stimmt das?
Fliegen belastet das Klima mit ihren CO2-Emissionen. Neue EU Regeln sollen falsche Versprechen auch von Airlines zu Klimaschutz verhindern und mehr Klarheit schaffen.
08.08.2026 | 1:00 min"Green Fares" bei der Lufthansa oder die Zubuchung von nachhaltigen Kraftstoffen bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM: Bei der Buchung vieler Flugreisen gibt es inzwischen Möglichkeiten, "grünere Tarife" zu wählen. Sie sollen die Auswirkungen des Flugs auf das Klima reduzieren oder ausgleichen.
Dahinter steht: Fliegen ist ein Problem fürs Klima und war 2024 laut der Internationalen Energieagentur verantwortlich für etwa 2,5 Prozent der CO2-Emissionen weltweit. Aber auch Nicht-CO2-Effekte wie die Entstehung von Kondensstreifen tragen zur Klimaerwärmung bei.
In den kommenden Jahrzehnten werden voraussichtlich immer mehr Menschen fliegen, die Emissionen könnten sich so laut Schätzungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO verdreifachen.
Der Bundestag berät über dauerhaft niedrigere Steuern auf Flugtickets. Das könnte Preise senken - zugleich wächst die Kritik mit Blick auf Klimaschutz und steigende Emissionen.
21.05.2026 | 2:02 minKlimabeitrag bei Flugreisen: So funktionieren grüne Tarife
Mit ihren "grünen" Tarifen versprechen Airlines, mehr nachhaltige Kraftstoffe einzusetzen oder in Klimaprojekte zu investieren. Bei KLM kann man freiwillig nachhaltige Kraftstoffe dazu buchen. Für die Strecke von Amsterdam nach Barcelona fallen in der Economy Class rund 62 Euro dafür an, dass das Unternehmen die Menge an Kraftstoff, die pro Passagier benötigt wird, nachhaltig zukauft.
Komplexer ist der Tarif der Lufthansa: Durch die Buchung eines "Green Fares"-Tarif kauft das Unternehmen zum einen nachhaltige Kraftstoffe, die nach eigenen Angaben etwa zehn oder 20 Prozent der CO2-Emissionen pro Passagier abdecken und mischt die dann beim Fliegen bei.
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24.06.2026 | 6:29 minStudie: Wirkung von Klimaprojekten vielfach überschätzt
Um den Rest der Emissionen auszugleichen, soll beim grünen Tarif der Lufthansa Geld in Klimaprojekte, etwa zur Aufforstung, Entnahme von CO2 aus der Luft oder Bodenregeneration fließen. Eine solche Kompensation von Emissionen ist jedoch umstritten.
Eine Metastudie der Max-Planck-Gesellschaft zeigt beispielweise, dass Klimaprojekte ihre Wirkung für den Klimaschutz sehr stark überschätzen oder vollkommen wirkungslos sind.
Wie viel die grünen Tarife kosten, variiert bei Lufthansa je nach Strecke und Ticketklasse stark. Für einen Flug von München nach Barcelona werden beispielsweise 15 Euro zusätzlich fällig. Nach Angaben von Lufthansa nutzen fünf Prozent der Kundinnen und Kunden solche Angebote.
Trotz ungebrochener Reiselust und höherer Umsätze verdiente die Lufthansa deutlich weniger. Hohe Kerosinkosten, Streiks und Unsicherheiten belasten den Ausblick.
04.08.2026 | 1:28 minEU-Regeln: Schon jetzt fallen Gebühren für Emissionen beim Fliegen an
Unabhängig davon, wie viele Menschen einen "grünen" Tarif buchen, müssen Fluggesellschaften teilweise schon jetzt nachhaltige Kraftstoffe beimischen. In der EU muss die Luftfahrtbranche seit 2025 mindestens zwei Prozent ihres Kraftstoffs aus nachhaltigen Kraftstoffen decken, in Zukunft soll der Anteil steigen.
Zudem werden bereits über das Emissionshandelssystem die Emissionen aus innereuropäischen Flügen bepreist. Ab 2029 könnte auch bei manchen internationalen Flügen ein CO2-Preis anfallen.
Ölkonzerne wie Shell, OMV und Rosneft Deutschland nutzten offenbar Fake-Projekte in China, um ihre gesetzlichen Klimaschutzziele zu erreichen. Wer profitiert vom Klimaschutz-Fake?
10.12.2024 | 35:21 minWie nachhaltige Kraftstoffe Fliegen klimafreundlicher machen sollen
Anders als beim Straßenverkehr sind die Aussichten für E-Mobilität in der Luft nicht so gut: E-Flugzeuge mit Batterien werden nach aktuellem Forschungsstand etwa vom Internationalen Rat für sauberen Verkehr ICCT zukünftig höchstens für kurze Strecken zur Alternative.
Für längere Flüge sind nachhaltigere Kraftstoffe, also "Sustainable Aviation Fuels" oder "SAFs", der zentrale Ansatz. Diese Kraftstoffe bestehen nicht aus fossilen Brennstoffen und ihre Verbrennung setzt keine zusätzlichen Emissionen frei.
Klimaneutrales Fliegen, selbstfahrende Züge, neue Ideen für nachhaltigen Urlaub. Wie wir reisen können in Zeiten von Klimakrise, Flugscham und Bahnchaos.
28.05.2024 | 28:32 min"Auch die Nicht-CO2-Effekte, die vor allem aus dem Abgasen entstehen, lassen sich durch nachhaltige Kraftstoffe deutlich reduzieren", erklärt Manfred Aigner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Kraftstoffe aus altem Pflanzenöl im Einsatz
Aktuell mischen Airlines beim Tanken dafür etwa Kraftstoffe auf der Basis von altem Pflanzenöl bei. Zukünftig könnten aber auch aus Holzresten, Nussschalen oder grünem Wasserstoff Flugkraftstoffe - sogenannte E-Fuels - gewonnen werden.
Paul Wendring hat die Entwicklung und Produktionen von klimafreundlichen Flugkraftstoffen für die Luftfahrt bei Solarbelt unterstützt.
Die Beimischung von nachhaltigen Flugkraftstoffen kann die CO2-Emissionen von Flügen perspektivisch um 70 bis 80 Prozent reduzieren.
Paul Wendring, Experte für nachhaltige Flugkraftstoffe
Die Angebote von europäischen Airlines seien laut Wendring "ziemlich transparent" und die nachhaltigen Kraftstoffe würden tatsächlich zusätzlich gekauft.
Mit einer neuen Luftfahrtstrategie will die Bundesregierung die Branche stärken. Im Fokus stehen Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität, Krisenfestigkeit und Nachhaltigkeit.
10.06.2026 | 1:35 minNachhaltige Kraftstoffe können nicht alle Klimaschäden ausgleichen
Anders sieht das die Deutsche Umwelthilfe: Viele Klimaversprechen von Airlines seien irreführend. Anfang Juli erreichte der Verband vor Gericht, dass die Lufthansa mit einem bestimmten Slogan nicht mehr für ihren grünen Tarif werben darf.
In den vergangenen Jahren haben Unternehmen ihre Produkte immer wieder mit Umweltversprechen wie "klimaneutral" oder "umweltfreundlich" beworben. Oftmals haben sie dabei nicht offengelegt, was eigentlich hinter dem Versprechen stand. Dadurch ist für Kundinnen und Kunden kaum nachvollziehbar gewesen, was Unternehmen für solche Labels taten. Verschiedene Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen haben immer wieder kritisiert, dass die Versprechen Greenwashing seien. Deshalb sind Umweltversprechen von Unternehmen vor Gericht gelandet.
Inzwischen hat die EU reagiert: Ab Ende September gilt eine EU-Richtlinie, die Nachhaltigkeitsversprechen klarer regelt. Unternehmen müssen dann transparenter machen, was hinter ihren Versprechen steht. Beispielsweise indem sie angeben, wie viel Prozent recyceltes Plastik eine Verpackung enthält. Das Label "klimaneutral" ist unzulässig, wenn dafür lediglich Kompensationszertifikate gekauft wurden.
Ob nachhaltige Kraftstoffe oder Elektroantrieb: Die Flugbranche arbeitet an mehreren Lösungen, um Flugreisen zukünftig klimafreundlicher zu machen. Doch aktuell bleibt die klimafreundlichste Möglichkeit, Flugemissionen zu vermeiden, nicht zu fliegen.
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