Einspeisevergütung für Solarstrom sinkt:Ab August weniger Förderung: Lohnt sich eine PV-Anlage noch?
von Cornelia Petereit
Ab 1. August gibt es weniger Geld für Solarstrom aus neuen, privat genutzten Photovoltaik-Anlagen: Die Einspeisevergütung sinkt um ein Prozent. Wann sich PV-Anlagen dennoch lohnen.
Die staatlich festgelegte Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen privater Haushalte wird erneut planmäßig abgesenkt. Hat das Folgen für bestehende Anlagen und ist der Einstieg weiterhin attraktiv?
30.07.2026 | 0:44 minAb 1. August 2026 gibt es ein Prozent weniger Einspeisevergütung: Turnusmäßig alle sechs Monate sinkt die Förderung von Solarstrom. Betreiber von neuen Photovoltaik-Anlagen, die überschüssigen Strom aus ihren privaten Anlagen ins Netz einspeisen, erhalten dann nur noch rund sieben bis zwölf Cent pro Kilowattstunde - je nach Größe der Anlage. Thomas Zwingmann, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW), erklärt, für wen sich eine Photovoltaik-Anlage trotzdem lohnt.
Wie hoch ist die Einspeisevergütung für Solarstrom ab August 2026?
Die exakten Fördersätze veröffentlicht die Bundesnetzagentur offiziell am 1. August. Voraussichtlich erhalten kleine Anlagen bis zehn Kilowattpeak (kWp) zukünftig etwa 7,7 Cent je Kilowattstunde (kWh), wenn Strom teilweise eingespeist wird. Bei Volleinspeisung sind es circa 12,2 Cent/kWh.
Bei PV-Anlagen mit Leistungsvermögen von zehn bis 40 kWp werden ab August wohl nur noch 6,6 Cent/kWh bei Überschusseinspeisung vergütet. Überschusseinspeisung bedeutet, dass Strom zuerst im eigenen Haus verbraucht wird. Der gerade nicht im Haus benötigte Strom aus der Photovoltaikanlage wird dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Bei Volleinspeisung beträgt die Förderung rund 10,2 Cent/kWh.
Seit Juni 2026 dürfen Besitzer von Solaranlagen ihren Strom direkt in die Nachbarschaft verkaufen. Diese Voraussetzungen gelten beim sogenannten Energy Sharing.
28.05.2026 | 0:45 minWarum wird die Solarstromförderung gekürzt?
Verbraucherschützer Zwingmann erklärt die sinkende Förderung mit der Etablierung von Photovoltaik-Anlagen am Markt. Dadurch brauche die Technik immer weniger Unterstützung. Auch sei Photovoltaik für private Haushalte über die Jahre immer günstiger geworden, "in den letzten Jahren vor allem Batteriespeicher", so Zwingmann weiter.
Die Senkung der Einspeisevergütung um ein Prozent hat voraussichtlich keine wesentlichen Auswirkungen auf den Markt von PV-Anlagen.
Thomas Zwingmann, Leiter der Gruppe Energie und Klima, Verbraucherzentrale NRW
Geregelt ist die Einspeisevergütung im sogenannten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das jetzige EEG gilt noch bis zum 31. Dezember 2026. Der Entwurf für das EEG 2027 wurde am 29. Juli 2026 vom Kabinett verabschiedet und liegt dem Bundestag zur Beratung vor.
Laut Entwurf soll die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen abgeschafft werden. Eine befristete Übergangszahlung, die unter der bisherigen Einspeisevergütung liegt, soll für maximal 36 Monate gewährt werden. Neue Anlagen werden danach zur Direktvermarktung verpflichtet, für die es vier Jahre lang einen Bonus geben soll.
Im Fokus stehen vor allem Neuanlagen mit weniger als 25 Kilowatt installierter Leistung. Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums seien vor allem kleinere PV-Anlagen aufgrund gesunkener Investitionskosten bereits ohne Förderung wirtschaftlich, wenn die Betreiber einen hohen Eigenverbrauch an Solarstrom hätten.
Quelle: Gesetzentwurf der Bundesregierung, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Laut der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll sich der Ausbau erneuerbarer Energien stärker am Markt orientieren. Wegfallen soll die sogenannte Einspeisevergütung.
29.07.2026 | 2:35 minWas gilt für bestehende Photovoltaik-Anlagen?
Für Bestandsanlagen ändere sich nichts, betont Zwingmann. Entscheidend sei der Zeitpunkt, an dem die PV-Anlage in Betrieb genommen wurde. Gehe die Photovoltaik-Anlage zum Beispiel am 31. Juli 2026 in Betrieb, erhalte der Betreiber die Einspeisevergütung, die am 31. Juli 2026 gelte - 20 Jahre lang.
Eine PV-Anlage, die dagegen am 3. August 2026 in Betrieb genommen werde, erhalte die ab dem 1. August 2026 geltende Vergütung - über 20 Jahre.
Gut 90 Prozent der in Solarmodulen verbauten Rohstoffe lassen sich zurückgewinnen. Die speziellen Recyclingverfahren sind noch jung und eine echte Kreislaufwirtschaft noch im Aufbau.
31.03.2026 | 4:53 minLohnt sich eine Photovoltaik-Anlage trotz sinkender Vergütung?
Grundsätzlich lohne sich die Stromerzeugung über Solarzellen für Besitzer von Einfamilienhäusern, sagt Verbraucherschützer Zwingmann. Besonders bei anstehenden Dachsanierungen sollte geprüft werden, ob sich die Investition in eine PV-Anlage lohne oder je nach Bundesland sogar vorgeschrieben sei.
Eine Photovoltaik-Anlage rechnet sich umso schneller, je mehr des Stroms vom eigenen Dach im Haushalt verbraucht wird. Bei einem bundesweit durchschnittlichen Strompreis von etwa 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde hat die selbst genutzte Kilowattstunde einen deutlich höheren Wert als die eingespeiste. Für die gibt es nur rund sieben bis zwölf Cent, rechnet Zwingmann vor.
Jede Photovoltaik-Anlage muss angemeldet werden - auch Steckersolaranlagen, die "einfach" am Balkon montiert und über die Steckdose angeschlossen werden können. Hier reicht allerdings die Anmeldung beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.
Photovoltaik-Anlagen, beispielsweise auf Dächern, werden ebenfalls dort angemeldet. Zusätzlich müssen sie durch den Fachbetrieb beim Netzbetreiber angemeldet werden.
Wurde die Anlage ordnungsgemäß angemeldet, erhält der Betreiber für den ins Netz eingespeisten Strom die jeweils geltende Einspeisevergütung.
Umwelt- und Klimaschutz ist nach Ansicht von Thomas Zwingmann immer ein Argument, in Photovoltaik zu investieren: "Für das Klima rechnet es sich vom ersten Moment an." So könne schon ein Steckersolargerät mit einem Modul von etwa einem Meter mal zwei Metern zwischen 200 und 400 Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern, abhängig von der Leistung des Moduls, dem Montageort und der Ausrichtung des Moduls zur Sonne.
Cornelia Petereit ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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