Fast Fashion: Was die neuen EU-Regeln ändern sollen

Keine Neuware im Textilmüll mehr:Fast Fashion: Kann die EU die Textilflut bremsen?

von Arlette Geburtig

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Billigmode landet vermehrt im Altkleider-Container und Recycling funktioniert nicht immer. Neue EU-Regeln sollen die Branche nachhaltiger machen. Was Experten noch fehlt.

Ein Kleiderständer mit Textilien und einem Preisschild von 2,19 Euro.

Viele extrem günstige Kleidungsstücke sind nach kurzer Zeit verschlissen und kaum noch weiterverwendbar. So werden heute weniger Altkleider als Second-Hand-Kleidung weiterverwendet als 2018.

Quelle: dpa

Rund sieben Millionen Tonnen Altkleider sind 2020 laut der Europäischen Umweltagentur in Europa angefallen, gleichzeitig überschwemmt immer mehr Billigmode aus Asien den Markt. Mit neuen Regeln will die Europäische Union (EU) die Textilindustrie nachhaltiger machen.

Henning Wilts, Co-Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft beim Wuppertal Institut, im Gespräch mit Nadine Krüger

Alte Kleidung zu neuer Mode recyceln - klingt einfach, ist aber selten möglich. Warum das so ist und welche Lösungen es gibt, erklärt Henning Wilts vom Wuppertal Institut.

07.07.2026 | 5:43 min

Für große Unternehmen gilt ab dem 19. Juli 2026 ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Neuware. Schätzungen der EU-Kommission zufolge werden jedes Jahr vier bis neun Prozent der unverkauften Kleidung vernichtet. Ab spätestens April 2028 sollen Hersteller EU-weit zudem die Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Produkte mittragen.

Symbolbild: Ab 1. Juli: Neue Zollgebühr für Pakete von Temu, Shein & Co

Für Waren außerhalb der EU fällt eine neue Zollgebühr von drei Euro pro Produkttyp an. Die EU reagiert auf täglich rund 16 Millionen Pakete von Billiganbietern wie Shein, Temu oder AliExpress.

01.07.2026 | 1:40 min

Qualitätsverlust bei Kleidung verschärft das Problem mit Textilmüll

Ob nie verkauft oder schnell aussortiert, zu viele Textilien werden zu Abfall. Beim Textilverwerter Texaid im thüringischen Apolda werden jedes Jahr Tausende Tonnen Altkleider sortiert. Geschäftsführer Thomas Böschen beobachtet seit Jahren einen deutlichen Qualitätsverlust.

Wenn ein T-Shirt weniger kostet als ein Kaffee, dann ist die Wertigkeit einfach nicht gegeben.

Thomas Böschen, Textilrecycling-Unternehmen Texaid

Viele der extrem günstigen Kleidungsstücke seien nach kurzer Zeit verschlissen und kaum noch weiterverwendbar.

Retouren in einer Warenhalle voller Pakete und Kartons.

Der Onlinehandel boomt, und es gibt immer mehr Retouren. Hinter den Kulissen arbeiten Händler daran, benutzte und defekte Artikel wieder fit zu machen. Wie nachhaltig ist das?

09.01.2022 | 28:35 min

Altkleider als Second Hand seltener wiederverwendet

Das zeigt sich auch in den Zahlen: Während bis etwa 2018 noch rund 60 bis 65 Prozent der gesammelten Altkleider als Second-Hand-Ware weiterverwendet werden konnten, sind es laut Fachverband Textilrecycling des Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) 2023 nur noch 44 Prozent.

Weitere 35 Prozent werden beim sogenannten Downcycling zu Putzlappen, Dämm- oder Vliesmaterial verarbeitet, 21 Prozent müssen inzwischen verbrannt werden.

"Greenwashed? - Decathlon: Kann Massenware nachhaltig sein?": Montage: Ein skeptisch blickender Reporter Sherif Rizkallah steht neben einem Rucksack von Decathlon, aus dem Grünzeug wächst. Im Vordergrund liegt ein Stofffetzen, der den Textilmüll symbolisiert, der bei der Produktion des Rucksacks anfällt.

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12.10.2025 | 44:06 min

Kreislaufwirtschaft: Fast-Fashion-Kleidung kaum recyclebar

Für Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, beginnt das Problem, lange bevor ein Kleidungsstück im Altkleidercontainer landet. Viele Textilien bestehen heute aus Mischgeweben, Kunstfasern, Beschichtungen und anderen Materialkombinationen, die sich nur schwer wieder trennen lassen.

Wir brauchen andere Produkte. Den Müll, der uns da angedreht wird, den kann man auch nicht sinnvoll recyceln.

Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut

Zwar wird häufig über Recycling gesprochen, tatsächlich kann bislang aber nur ein kleiner Teil der Alttextilien so recycelt werden, dass daraus wieder neue Kleidung entsteht. Das sogenannte Faser-zu-Faser-Recycling funktioniert vor allem bei hochwertigen und möglichst sortenreinen Materialien.

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Textilien auf einer Kleiderstange.

Dabei scheitert es nicht allein an der Technik. Moderne Sortierverfahren, KI-gestützte Systeme und neue Recyclingverfahren existieren bereits. "Das ist alles da. Es rechnet sich halt zurzeit nur überhaupt nicht", so Wilts. Weil Recyclingfasern und gebrauchte Kleidung derzeit oft weniger wert sind, als ihre Aufbereitung kostet.

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Neue EU-Regeln: Hersteller sollen stärker in die Pflicht

Genau hier setzt die geplante Herstellerverantwortung an. Uwe Feige, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), hält sie für dringend notwendig.

Produktion, Verwertung und Recycling werden immer noch komplett getrennt gedacht und nicht als zusammenhängender Kreislauf.

Uwe Feige, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU)

Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft müsse laut Feige schon bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden, wie ein Textil später wiederverwendet oder recycelt werden kann.

Dafür brauche es mehr Transparenz über die Materialzusammensetzung, digitale Produktpässe und Anreize für besser recycelbare Produkte. Auch Wilts sieht darin einen wichtigen Hebel. Künftig könnten Textilien, die sich leicht recyceln lassen, geringere Gebühren zur Finanzierung von Sammlung und Recycling verursachen.

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In Griechenland ist Anfang Juli nahe Thessaloniki ein Brand in einer Recyclinganlage und einer Textilfabrik ausgebrochen. Dichter Rauch hüllte weite Teile der Stadt ein. Nahegelegene Häuser wurden evakuiert.

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Branche kritisiert Bürokratie bei neuen EU-Vorgaben

Grundsätzlich unterstützt auch die Textilindustrie das Ziel einer Kreislaufwirtschaft. So sieht der Leiter für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, Jonas Stracke, Schwächen bei der Umsetzung: "Die Regulierung ist gut gedacht, vielleicht schlecht bei der Umsetzung gemacht."

Unter Ultra Fast Fashion versteht man ein Geschäftsmodell der Modebranche, bei dem Unternehmen wie Shein oder Temu neue Modetrends in kürzester Zeit und zu sehr niedrigen Preisen auf den Markt bringen. Die Kollektionen wechseln ständig und orientieren sich an aktuellen Trends aus sozialen Medien.


Viele Unternehmen hätten künftig mehr Verwaltungsaufwand, weil sie Art, Materialzusammensetzung und Recycelbarkeit ihrer Textilien dokumentieren müssten. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass sich Ultra-Fast-Fashion-Anbieter aus Drittstaaten ihrer Verantwortung entziehen, während europäische Hersteller die Kosten tragen, erläutert Stracke.

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Trainingsanzüge - früher einfach Sportkleidung, heute Modestatement, auch auf der Straße. Versehen mit viel Glitzer und Glamour. Der neue Look hat aber auch seine Schattenseiten.

04.08.2024 | 28:41 min

EU-Regeln gegen Textilmüll: Kontrolle entscheidet über Erfolg

Mit den neuen Vorgaben will die EU die Textilbranche stärker in Richtung Nachhaltigkeit lenken und Hersteller stärker in die Verantwortung nehmen.

Doch Experten bemängeln: Allein werden die neuen Regeln die Altkleiderkrise nicht lösen. Entscheidend wird sein, ob sie konsequent umgesetzt und kontrolliert werden - und ob auch Ultra-Fast-Fashion-Anbieter tatsächlich in die Pflicht genommen werden.

Arlette Geburtig ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem Volle Kanne am 07.07.2026 ab 09:05 Uhr, das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 13.07.2026 ab 12 Uhr und NANO am 30.6.2026 ab 18:30 Uhr.
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