Untersuchung von Bremer Umweltinstitut:Kleidung bei Shein teils mit Chemikalien belastet
Kleidungsstücke des Online-Händlers Shein enthalten zum Teil zu viele Schadstoffe. Das Bremer Umweltinstitut spricht von einem "bunten Cocktail an Chemikalien".
Die Deutsche Umwelthilfe hat Kleidungsstücke von Shein testen lassen. Das Ergebnis: Die Kleidung ist teils stark mit Chemikalien belastet.
29.06.2026 | 1:59 minAuf der Online-Plattform Shein verkaufte Kleidung ist zum Teil stark mit Chemikalien belastet - und reißt damit europäische Grenzwerte. Das geht aus Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor. Die Testergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 7 von 18 getesteten Kleidungsstücken verstießen demnach gegen EU-Grenzwerte.
"Wir nehmen die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst", erklärte Shein auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Man prüfe den Sachverhalt nun. "Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, nehmen wir die betroffenen Produkte, entsprechend unseren Produktsicherheitsrichtlinien weltweit aus dem Angebot. Gleichzeitig führen wir eine unsere gesamte Seite umspannende Prüfung vergleichbarer Produkte durch."
DUH: "Bunter Cocktail an Chemikalien"
"Wir haben in letzter Zeit häufig Grenzwertüberschreitungen, auch gerade was die PFAS angeht", sagt Ulrike Siemers, Co-Geschäftsführerin des Umweltinstituts. "Häufig auch bei Plattformen, wo man die Textilien und die Produkte eben auch online bestellen kann."
Mitten in Paris eröffnete Shein im November seine erste Filiale. Kritiker bemängelten die Qualität und Legalität der Produkte. Die französische Regierung forderte ein Durchgreifen der EU.
06.11.2025 | 1:31 minBei den aktuellen Labor-Untersuchungen der Shein-Produkte wurden laut Labor teils erhebliche Überschreitungen von Grenzwerten festgestellt. Siemers erklärt:
Wir haben in den Produkten eine Vielzahl von verschiedenen Chemikalien gefunden, von den Schwermetallen über die Weichmacher, über einige PFAS.
Ulrike Siemers, Co-Geschäftsführerin des Bremer Umweltinstituts
Und weiter: "Das ist ein bunter Cocktail an Chemikalien, auch welche, die eben vielleicht nicht unbedingt reglementiert sind, aber trotzdem eben auch ein gesundheitsgefährdendes Potenzial aufweisen können."
Auch Stiftung Warentest stellte bei Tests von Spielzeug, Schmuck und elektronischen Geräten, die bei Temu und Shein verkauft wurden, erhebliche Mängel fest. Rund zwei Drittel aller Testprodukte konnten EU-Standards nicht erfüllen. Viele der Produkte beurteilte die Stiftung Warentest als "giftig" und "gefährlich".
04.11.2025 | 1:33 minKleidung überschreitet Grenzwerte teils um das 12.000-Fache
So wurde in einer getesteten Kinderjacke ein Grenzwert für eine Chemikalie aus der PFAS-Gruppe um mehr als das 1.100-Fache überschritten, in einer für Teenager angebotenen Jacke sogar um mehr als das 12.000-Fache.
In einem Paar Damen-Schnürstiefel wiederum wurde eine Konzentration von 179.000 Milligramm pro Kilogramm des Weichmachers DEHP gefunden. Erlaubt wären allenfalls Werte von unter 1.000 Milligramm. Die Stiefel enthalten also das 179-Fache des zugelassenen Wertes.
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffe werden eingesetzt, um unter anderem Kleidung wasser-, fett- und schmutzabweisend zu machen. Als sogenannte Ewigkeitschemikalien reichern sich PFAS in Mensch und Umwelt an.
Manche PFAS können laut Umweltbundesamt Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem haben, manche stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
Quelle: dpa
Sogenannte Phthalate - dazu gehört DEHP - haben hormonähnliche Eigenschaften und können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
Quelle: dpa
Dem chinesischen Onlinehändler wird vorgeworfen, nicht ausreichend gegen illegale Produkte vorzugehen. Frankreich hatte den Verkauf von kinderähnlichen Sexpuppen kritisiert.
17.02.2026 | 0:38 minUmwelthilfe schickt Abmahnung an Shein
Die Deutsche Umwelthilfe hat Shein nun eine Abmahnung geschickt. Viola Wohlgemuth, Textilexpertin der DUH, sagt:
Das bedeutet erstens, dass wir eine Unterlassungserklärung einfordern, also diese ganzen gefährlichen Chemikalien und Produkte müssen vom Markt, und zwar weltweit.
Viola Wohlgemuth, Textilexpertin der Deutschen Umwelthilfe
Zudem werde man der EU-Kommission die Testergebnisse zur Verfügung stellen. Hintergrund ist ein Verfahren, das die EU-Kommission im Februar gegen Shein einleitete. Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen, nicht genug gegen den Vertrieb illegaler Produkte auf seiner Plattform zu tun und den Verbraucherschutz zu vernachlässigen.
DUH fordert höhere Abgaben für belastete Kleidung
Die Umwelthilfe wünscht sich generell ein stärkeres Vorgehen gegen Fast Fashion, also gegen sehr günstige Mode mit extrem schnell wechselnden Kollektionen. Bei der anstehenden Reform des Textilgesetzes sollten Umweltkriterien eine Rolle spielen. Nach den bisher bekannten Plänen von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sollen sich Hersteller künftig an Organisationen für Herstellerverantwortung beteiligen, die sich aus Beiträgen der Hersteller finanzieren und um Sammlung und Verwertung von Alttextilien kümmern sollen.
"Wenn Unternehmen giftige, kurzlebige und schwer recycelbare Fast-Fashion-Produkte auf den Markt bringen, dann sollten diese drastisch höhere Beiträge zahlen müssen als Hersteller langlebiger, schadstoffarmer und kreislauffähiger Textilien", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.
Online-Shoppern rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen zu besonderer Vorsicht beim Einkaufen auf Online-Marktplätzen, auf denen vor allem chinesische Händler Produkte anbieten. Bei sicherheitsrelevanten Waren wie Spielzeug, Elektrogeräten und Kosmetika raten die Experten zum Kauf in der EU.
Zudem solle man auf komplette Angaben zu Hersteller, Importeur und Sicherheitskennzeichen wie das CE-Zeichen achten. Bei extrem günstigen Angeboten könnten schlechte Qualität oder mangelnde Sicherheit dahinterstecken.
Quelle: dpa
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