Analyse für Handelsverband:Studie: Shein und Temu kosten deutschen Einzelhandel Umsätze
Billig für Verbraucher, teuer für Deutschland: Die Onlinehändler Temu und Shein kosten den deutschen Einzelhandel laut einer Schätzung 2,5 Milliarden Umsatz pro Jahr.
Laut einer Analyse entgehen dem deutschen Einzelhandel jährlich 2.5 Milliarden Euro Umsätze durch chinesische Onlinehändler. Bereits 40.000 Arbeitsplätze sollen dadurch weggefallen sein.
23.04.2026 | 0:35 minDie beliebten Onlinehändler Temu und Shein schaden der deutschen Wirtschaft einer Schätzung zufolge erheblich. Eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) kommt zu dem Ergebnis, dass dem Einzelhandel jährlich Umsätze in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro entgehen, weil Konsumenten Produkte bei den chinesischen Plattformen kaufen, statt bei Anbietern in Deutschland.
Der tatsächliche Umsatzausfall für die gesamte Wirtschaft wird doppelt so hoch beziffert. Darin enthalten sind auch Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik sowie Löhne und daraus entstehende Konsumausgaben. Jeder Euro Umsatz im Einzelhandel führe zu insgesamt etwa zwei Euro Umsatz in der gesamten Wirtschaft, sagte Marco Trenz, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft.
Dem chinesischen Onlinehändler wird vorgeworfen, nicht ausreichend gegen illegale Produkte vorzugehen. Frankreich hatte den Verkauf von kinderähnlichen Sexpuppen kritisiert.
17.02.2026 | 0:38 minAnalyse: Mehr als 40.000 Jobs bereits verloren
Grundlage der Studie ist eine repräsentative Umfrage unter 4.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern zwischen 16 und 69 Jahren, die im Februar online befragt wurden.
Daraus geht hervor: 51 Prozent der Nutzer von Temu und Shein hätten die dort erworbenen Produkte zum gleichen Preis woanders gekauft, wenn dies bei den chinesischen Plattformen nicht möglich gewesen wäre. 19 Prozent wären sogar bereit, mehr Geld auszugeben.
Der Analyse zufolge sind in Deutschland wegen Temu und Shein bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die meisten im Einzelhandel.
Wenn es Temu und Shein nicht gäbe, dann würde ein Großteil der Käufe im deutschen Einzelhandel getätigt. Dafür wären mehr Beschäftigte nötig.
Marco Trenz, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft
Hinzu kämen weitere Jobs in Vorleistungsbranchen. Er erwartet, dass die Umsätze von Temu und Shein weiter steigen und dadurch mittelfristig noch mehr Jobs wegfallen.
Die EU erhöht die Importkosten für Billigwaren: Ab Juli 2026 wird für jedes Paket unter 150 Euro eine Abgabe von drei Euro fällig - besonders spürbar für Plattformen wie Temu.
12.12.2025 | 0:18 minTemu und Shein schicken laut HDE täglich 460.000 Pakete
Der Forscher sieht durch den Erfolg der beiden Shoppingportale weitere Folgen. Bund, Ländern und Kommunen entgingen dadurch bis zu 420 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr.
Laut HDE verschickten Temu und Shein 2025 täglich 460.000 Pakete nach Deutschland. Die Plattformen sind bei Verbrauchern beliebt, stehen aber in der Kritik. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern eine strengere Regulierung und besseren Schutz beim Online-Einkauf.
Die beiden Online-Plattformen Shein und Temu bieten ihre Produkte zu Billigpreisen an. Viele ihrer Produkte beurteilt die Stiftung Warentest nun als "giftig" und "gefährlich".
04.11.2025 | 1:33 minSo reagieren Temu und Shein
Temu nahm zu der Kritik Stellung. Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage mit: "Temu ermöglicht Tausenden traditionellen Unternehmen in Deutschland und ganz Europa den Zugang zu einem globalen Kundenstamm und unterstützt sie dabei, ihren Umsatz zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und international wettbewerbsfähig zu sein." Die Partnerschaften sollen weiter ausgebaut werden.
Ein Sprecher von Shein sagte: "Heute verkaufen mehr als 600 deutsche Unternehmen über unsere Plattform, schaffen Beschäftigungen und leisten einen konkreten Beitrag zur Wirtschaft in Deutschland."
Allein in den vergangenen drei Jahren habe Shein hierzulande Hunderte Millionen Euro an Steuern entrichtet und werde auch künftig allen Verpflichtungen nachkommen.
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