Nach Verkauf kinderähnlicher Sexpuppen:EU-Kommission eröffnet offizielles Verfahren gegen Shein
Mit dem Verkauf kinderähnlicher Sexpuppen löste Shein zuletzt einen Skandal aus. Nun hat die EU-Kommission ein Verfahren gegen die chinesische Online-Plattform angestoßen.
Dem chinesischen Onlinehändler wird vorgeworfen, nicht ausreichend gegen illegale Produkte vorzugehen. Frankreich hatte den Verkauf von kinderähnlichen Sexpuppen kritisiert.
17.02.2026 | 0:38 minNach dem Skandal um den Verkauf von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen leitet die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den chinesischen Onlinehändler Shein ein. Sie verdächtigt das Unternehmen, nicht genug gegen den Vertrieb illegaler Produkte auf seiner Plattform zu tun und den Verbraucherschutz zu vernachlässigen.
Shein löste in den vergangenen Monaten viel Kritik in Europa aus. Neben kindlich aussehenden Sexpuppen konnten Kunden zwischenzeitlich auch genehmigungspflichtige Waffen sowie Medikamente auf dem Online-Marktplatz erwerben. Das Unternehmen hatte die Angebote nach Kritik selbst von seiner Seite genommen.
Die EU erhöht die Importkosten für Billigwaren: Ab Juli 2026 wird für jedes Paket unter 150 Euro eine Abgabe von drei Euro fällig - besonders spürbar für Plattformen wie Temu.
12.12.2025 | 0:18 minShein will sich "konstruktiv" am Verfahren "beteiligen"
Der Online-Riese kündigte an, bei dem Verfahren mit der EU-Kommission zusammenarbeiten zu wollen. Shein teilte mit:
Wir teilen das Ziel der Kommission, eine sichere und vertrauenswürdige Online-Umgebung zu gewährleisten, und werden uns weiterhin konstruktiv an diesem Verfahren beteiligen.
Shein
Seit den vergangenen Vorfällen habe es bereits eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen gegeben - etwa bei altersbeschränkten Produkten.
Die beiden Online-Plattformen Shein und Temu bieten ihre Produkte zu Billigpreisen an. Viele ihrer Produkte beurteilt die Stiftung Warentest nun als "giftig" und "gefährlich".
04.11.2025 | 1:33 minAuch Belohnungssystem von Shein im Visier
Das nun eröffnete Verfahren konzentriert sich laut EU-Kommission neben den illegalen Produkten noch auf zwei weitere Bereiche. So soll auch das mutmaßlich süchtig machende Design unter die Lupe genommen werden. Also etwa Punkte- und Belohnungssysteme, die Kunden zu mehr Konsum animieren sollen.
Zudem geht es um die Transparenz der Empfehlungen, mit denen Shein seinen Nutzern Produkte per Algorithmus vorschlägt. Das europäische Recht schreibt großen Plattformen vor, die wesentlichen Parameter ihrer Algorithmen offenzulegen. Demnach müssen Nutzer auch leichten Zugang zu mindestens einem Empfehlungssystem haben, das nicht auf persönlichen Daten basiert.
Druck vor allem aus Frankreich
Druck auf die EU-Kommission, hart gegen Shein durchzugreifen, kam zuletzt besonders aus Frankreich. Die französische Regierung hatte versucht, die Online-Plattform für drei Monate zu sperren, scheiterte damit Ende Dezember aber zunächst vor Gericht.
Laut EU-Kommission sind die Ermittlungen der französischen Behörden und das eigene Verfahren voneinander unabhängig. Anfang November hatte Shein eine erste feste Ladenfläche in Frankreich eröffnet. Damals protestierten Demonstranten gegen Fast Fashion, die Arbeitsbedingungen bei dem Händler und seine ökologische Bilanz.
In Frankreich läuft ein Sperrverfahren gegen Shein. Der Online-Anbieter muss nun nachweisen, sich an Gesetze des Landes zu halten. Hintergrund sind Waren mit Pädophilie-Bezug auf der Plattform.
06.11.2025 | 1:21 min"Digital Services Act" als Grundlage für Verfahren gegen Shein
Grundlage für das EU-Verfahren gegen Shein ist das Gesetz über digitale Dienste, der sogenannte Digital Services Act (DSA). Die EU-Kommission wacht in der Europäischen Union über die Einhaltung dieser Regeln. Sie sollen unter anderem sicherstellen, dass Plattformen illegale Inhalte auf ihren Seiten schneller entfernen.
Es ist das erste Mal, dass die Brüsseler Behörde ein Verfahren gegen Shein eröffnet. Es gibt den Internetwächtern weitere Möglichkeiten bei den Ermittlungen - etwa interne Dokumente zu verlangen und weitere Informationen einzufordern. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen. Das Gesetz setzt dafür keine Frist. Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des DSA bedeutet laut Brüsseler Behörde noch nicht, dass es genug Beweise für einen Regelverstoß von Shein gibt.
Plattformen wie Temu und Shein bieten Billigprodukte aus China an, die den europäischen Markt fluten. Nun will die EU-Kommission mit einem Aktionsplan mehr Kontrollen durchführen.
05.02.2025 | 2:06 minEU-Kommission kann Geldstrafe verhängen
Sollte die EU-Kommission allerdings feststellen, dass Regelverstöße vorliegen, kann sie eine Geldstrafe verhängen. Die Brüsseler Internetwächter können aber auch Zusagen von Shein akzeptieren und die Ermittlungen einstellen. Eine Sperrung der Plattform gilt als letztes Mittel und als eher unwahrscheinlich.
Mehr zu Thema
Kampf gegen Dumping mit neuen Maßnahmen:Drei-Euro-Abgabe pro Paket - EU will Billigimporte bremsen
mit Video0:18Sexpuppen-Skandal:Frankreich: Keine Sperre für Billig-Plattform Shein
mit Video1:21Onlinehändler in der Kritik:Sexpuppen-Skandal: Frankreich will Shein vorläufig sperren
Asiatischer Modekonzern:Kundentäuschung: EU geht gegen Shein vor