Zu heiß und zu wenig Regen:"Historische" Trockenheit lässt Ernten schrumpfen
von Mark Hugo
Mit der Hitze kam auch die Trockenheit und die macht der Landwirtschaft gerade Probleme. Erwartet werden teils spürbare Ernteeinbußen. Aber auch an Lösungen wird geforscht.
Trockenheit und Dürre setzen Feldern immer häufiger zu. Forschende setzen auf sogenannte Agroforste und andere Ansätze, damit Böden mehr Wasser speichern und Ernten langfristig gesichert werden.
03.08.2026 | 3:38 minWenn Landwirt Simon Ibach in diesen Tagen über sein Maisfeld in Sinzheim in Baden-Württemberg geht, kommt keine Freude auf. Das Wetter der letzten Wochen hat hier deutliche Spuren hinterlassen. "Durch die große Hitze und Trockenheit und den Wassermangel im Feld wurde der Mais nicht befruchtet", klagt er.
Hohe Ertragseinbußen beim Mais
Deshalb würden sich die Fruchtkörper nicht richtig ausfüllen und die Maiskolben bleiben verkümmert. Ibach geht von Ertragseinbußen beim Mais in diesem Jahr von 50 bis 80 Prozent aus. Der Umsatz im gesamten Betrieb werde in diesem Jahr um 30 bis 40 Prozent niedriger ausfallen, glaubt er.
Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kam in den letzten fünf Monaten in Deutschland viel zu wenig Regen vom Himmel. Im Juli waren es nur rund 40 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 waren es 87 Liter.
Der Deutsche Wetterdienst warnt für große Teile Deutschlands vor Hitze - wieder einmal. Besonders in vielen Dachgeschosswohnungen lässt es sich bei den hohen Temperaturen kaum aushalten.
03.08.2026 | 1:56 minTrockenheit mit "historischen Ausmaßen"
Für viele Landwirtinnen und Landwirte bedeutet weniger Regen auch weniger Erträge. Der Hof von Simon Ibach liegt in einem Gebiet, das unter der Trockenheit besonders zu leiden hat. Im Westen, in Teilen des Südwestens und der westlichen Mitte habe die Niederschlagsarmut im Juli laut DWD "historische Ausmaße" erreicht.
ZDFheute Infografik
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Gebietsweise fielen dort weniger als zehn Liter pro Quadratmeter, also rund ein Neuntel der zwischen 1990 und 2020 üblichen Menge. Neben Teilen Baden-Württembergs waren vor allem Hessen, Rheinland-Pfalz und Mainfranken in Bayern betroffen.
Hitze und Trockenheit treffen Spätkulturen besonders
Und das hat natürlich Folgen. "Die aktuellen Erntezahlen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf unsere Betriebe erheblich", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) Joachim Rukwied Ende Juli. Der DBV geht von Ertragsrückgängen aus. Dabei sind Winterweizen, Wintergerste und Raps noch weniger betroffen. In vielen Regionen haben sie von der ausreichenden Winterfeuchte profitiert.
"Angespannt" sei laut DBV dagegen die Lage bei Spätkulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln oder eben Mais. Der Grund: Sie wurden erst im Frühjahr gesät und die wichtigsten Wachstums- und Ertragsphasen fielen damit ausgerechnet in die trockensten und heißesten Monate.
Landwirtschaft und Schifffahrt leiden unter der anhaltenden Trockenheit in Deutschland. Im Rhein dürfen Frachtschiffe nicht mehr voll beladen fahren. Auch Ernteausfälle drohen.
30.07.2026 | 2:56 minErgiebiger Regen über Wochen wäre nötig
Für die Landwirtschaft wird es daher insgesamt wohl kein gutes Jahr. Daran dürften auch einzelne Schauer nicht viel ändern. Um den Wassermangel auszugleichen, müsste es über Wochen hinweg ergiebig durchregnen, so der DWD. Dass extremes Wetter, darunter lang anhaltende Trockenheitsphasen, durch den Klimawandel zunimmt, ist dabei nicht nur auf den Bauernhöfen schon länger zu spüren.
Monatelange Trockenheit belastet Böden, Ernten und Wälder. Wie ernst ist die Lage? ZDF-Umweltredakteur Mark Hugo ordnet die Folgen ein und erklärt, was jetzt hilft und künftig nötig ist.
03.08.2026 | 6:32 minEine aktuelle Studie der World Weather Attribution (WWA) bestätigt das noch einmal. Das Wissenschafts-Konsortium kommt zu dem Schluss, dass landwirtschaftliche Bodendürre in Westeuropa heute rund fünfmal so wahrscheinlich ist wie in einer Welt ohne Klimawandel. In Osteuropa, wo die Trockenheit bereits seit sechs Monaten anhält, ist sie sogar rund elfmal so wahrscheinlich.
Studie: Hitze inzwischen Hauptursache für Dürren
"Das Klima in Europa wandelt sich rasch", erklärt die Klimaforscherin Dr. Sarah Kew vom Royal Netherlands Meteorological Service. Die Ergebnisse würden zeigen, dass "extreme Hitze zunehmend zur Hauptursache für Dürren auf unserem Kontinent wird." Wasser verdunste schneller aus Böden und Flüssen. "Dadurch verwandeln sich eigentlich beherrschbare Trockenperioden in schwere Dürren."
Sollte die globale Erwärmung von derzeit 1,4 Grad auf 2,8 Grad steigen, würde das auch die Wahrscheinlichkeit solcher intensiven Verdunstungsbedingungen wie aktuell verdoppeln, so warnen die Autorinnen und Autoren der Studie.
Hunderte Einsatzkräfte kämpfen bei Unterwössen gegen einen Waldbrand. Die Lage gilt als stabiler, dennoch lodern die Flammen weiter in schwer zugänglichem Gelände.
31.07.2026 | 1:45 minMessstationen zeigen deutliche Veränderung durch Klimawandel
Den Trend beobachten auch die Forschenden der Uni Kassel an ihren Messstationen auf den Versuchsfeldern der Staatsdomäne Frankenhausen. "Da merkt man schon eine deutliche Veränderung", sagt Miriam Athmann, Professorin für ökologischen Land- und Pflanzenbau.
Die Intensität, die Häufigkeit von sehr trockenen Jahren nimmt zu, die Temperatur steigt rasant.
Prof. Miriam Athmann, Universität Kassel
Und das wirke sich auf Verdunstung und Wasserverfügbarkeit aus. Auf den Feldern forschen die Professorin und ihr Team unter anderem mit Pflanzen, die über mehrere Jahre Ertrag bringen, den Boden widerstandsfähiger machen, indem sie ihn mit Humus und Nährstoffen anreichern, und dabei metertiefe Wurzeln bilden.
Die Futterpflanze Luzerne gehört dazu, aber auch Arzneipflanzen wie Fenchel. Beide holen sich das Wasser tief aus dem Boden. Pflanzen, die danach auf dem Feld angebaut werden, können die bestehenden Wurzelkanäle nutzen, um selbst besser mit Trockenheit klarzukommen.
Kein Schutz für Pflanzen bei heißem Wetter
Noch muss an solchen Lösungen aber geforscht werden. Kurzfristig helfen sie Landwirten wie Simon Ibach daher nicht. "Die Witterung kann am Ende nicht komplett abgeschaltet werden", sagt er. Gegen Hagel oder Starkregen könne er viele seiner Pflanzen schützen, nicht aber gegen zu heißes Wetter. Da helfe nur Beregnung. Doch die Anlagen sind teuer und das verfügbare Wasser in Trockenzeiten wie diesen stark begrenzt.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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