Niedrigwasser am Rhein nähert sich Rekordtief

Mit wirtschaftlichen Folgen:Niedrigwasser am Rhein nähert sich Rekordtief

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Die lang anhaltende Trockenheit lässt den Wasserstand des Rheins sinken - eine der wichtigsten Wasserstraßen. In der Wirtschaft wächst die Sorge.

Ein Schiff fährt bei niedrigem Wasserstand auf dem Rhein an trocken gefallenen Buhnen vorbei.

Der Rhein hat an der Grenze zu den Niederlanden einen historischen Tiefstand erreicht. Auch in Düsseldorf dürfte er am Wochenende seinen Negativrekord knacken, sagt ZDF-Reporter Lothar Becker.

31.07.2026 | 1:54 min

Der Pegelstand des Rheins nähert sich an der Engstelle in Kaub einem Rekordtief. Am Vormittag wurden dort zeitweise nur noch 25 Zentimeter gemessen, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) bestätigte. Das entspricht dem bisher niedrigsten Tagesmittelwert von 25 Zentimetern im Oktober 2018. Damals wurde mit 24 Zentimetern auch der bislang niedrigste Einzelwert gemessen. Ein WSA-Sprecher sagte:

Wir sind deutlich früher dran als in vergangenen Niedrigwasser-Jahren.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt

Um voll beladen fahren zu können, benötigen Schiffe in Kaub in der Regel einen Pegelstand von 1,50 Metern. Der Pegelstand ist ein Referenzwert für die Schifffahrt, tatsächlich ist der Rhein in der Fahrrinne noch gut einen Meter tiefer. Der Ort liegt in Rheinland-Pfalz in der Nähe der Loreley.

Mit dem Pegel werden die Wasserstände etwa von Flüssen, Kanälen oder Seen gemessen. Die einfachsten Geräte bestehen aus einer senkrechten Latte mit Maßeinteilung.

Ausgangspunkt für die Messung ist nicht der Wassergrund, sondern der sogenannte Pegel-Nullpunkt. Er wird in der Regel knapp unterhalb des bis dahin niedrigsten Wasserstandes festgelegt. Der Pegelstand gibt daher nicht die tatsächliche Tiefe eines Gewässers an.


Auch von der niederländisch-deutschen Grenze werden Rekord-Niedrigstände des Rheins gemeldet. Am Messpunkt Lobith westlich von Emmerich sei "noch nie" ein tieferer Wasserstand registriert worden, teilte das niederländische Wasser- und Infrastrukturministerium mit. "Die Trockenheit in den Niederlanden verschlimmert sich weiter."

Schiffe im Rhein, der sehr wenig Wasser führt.

Die aktuelle Trockenheit sorgt für extrem niedrige Pegelstände im Rhein. Gestern lag der Rheinpegel bei Kaub nur bei 27 Zentimetern. Das sorgt auch für höhere Transportkosten in der Schifffahrt.

30.07.2026 | 1:50 min

Schiffe können nur einen Bruchteil laden

Der niedrige Wasserstand hat wirtschaftliche Folgen, da Frachtschiffe nur mit einem Bruchteil der möglichen Kapazität beladen werden können. Aktuell seien die Schiffe nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet, sagte Roberto Spranzi, Vorstand der Schifffahrtsgenossenschaft DTG, die rund 100 Frachtschiffe betreibt. Um die üblichen Frachtmengen zu transportieren, würden derzeit vier- bis fünfmal so viele Schiffe benötigt. Das treibt die Kosten für die ohnehin um eine Erholung ringende deutsche Industrie in die Höhe.

"Unter einem Pegelstand von 40 Zentimetern bei Kaub ist keine sinnvolle Binnenschifffahrt mehr möglich", teilte die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz mit. Es drohten Versorgungsengpässe bei Rohstoffen wie Kohle, Rohöl und Erdgas, die typischerweise mit Schiffen transportiert werden.

Rohstoffhändlern zufolge stiegen die Preise für den Transport mit Tank-Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe am Donnerstag auf 145 bis 150 Euro pro Tonne. Ende Juni hatten sie noch bei 45 Euro gelegen.

15.07.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Binnenschiffe fahren bei Niedrigwasser vor der Kulisse des Kölner Doms über den Rhein.

Wo droht Wasserknappheit? Das neue System "Niwis" zeigt Pegelstände und Grundwasser in Echtzeit. Deutschland hat in 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren.

15.07.2026 | 2:33 min

Evonik: Erschwerter Transport zum Chemiepark

Der nordrhein-westfälische Spezialchemie-Konzern Evonik erklärte, die niedrigen Wasserstände erschwerten die Gütertransporte per Binnenschiff zum und vom Chemiepark Marl zusehends. Das Unternehmen prüft daher die Verlagerung auf Schiene oder Straße oder den Transport durch Pipelines. Andere große Standorte seien bislang nicht oder nur begrenzt betroffen.

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Transport von Rohstoffen wie Getreide, Mineralien, Erzen, Kohle und Ölprodukten. Zuletzt hatte im Sommer 2022 eine Dürre zu ungewöhnlich niedrigen Pegelständen geführt. Damals kämpften viele deutsche Unternehmen ohnehin mit Lieferengpässen und Produktionsproblemen wegen der Corona-Nachwehen und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Flora und Fauna leiden unter Dürren und Niedrigwasser der Flusslandschaften. Der Lebensraum Ufer trocknet aus. Ohne Regen kein Sickerwasser, der Grundwasserspiegel sinkt dann. Der Fluss verflacht und erwärmt sich. Ab 25 Grad wird es für Fische gefährlich. Abwasser bekommt mehr Gewicht im Verhältnis, die Fließgeschwindigkeit nimmt ab.
Quelle: Reuters, epd, dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen - unter anderem die heute-Nachrichten am 31.07.2026 ab 09:00 Uhr.

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