Gasanbieter wechseln und sparen?:Gaspreisanstieg erwartet: Was Verbraucher wissen müssen
von Christoph Voigt
Die Gaspreise stehen weiter unter Druck. Nach Angaben von Verbraucherschützern müssen sich Haushalte auf höhere Kosten einstellen. Lohnt sich nun der Wechsel des Gasanbieters?
Gas wird vor dem Herbst spürbar teurer. Für wen sich ein Tarifwechsel jetzt besonders lohnt.
20.08.2026 | 0:44 minGestiegene Preise an den internationalen Energiemärkten, geopolitische Unsicherheiten und Gasspeicher, die derzeit nur etwa zur Hälfte gefüllt sind: Vieles spricht dafür, dass Gas in den kommenden Monaten noch teurer werden könnte.
Für viele Verbraucher stellt sich deshalb die Frage: Was kommt im Herbst und Winter auf sie zu? Und gibt es jetzt noch Möglichkeiten, sich gegen steigende Gaspreise abzusichern?
Der Krieg in Iran und die teilweise Sperrung der Straße von Hormus, einer wichtigen internationalen Handelsroute für Energierohstoffe, haben die internationalen Öl- und Gasmärkte belastet. Zudem wurde die Gasinfrastruktur in mehreren Ländern des Nahen Ostens beschädigt. Die Folge: Die Preise an den internationalen Märkten sind gestiegen. Energieversorger müssen Gas damit teilweise zu höheren Preisen einkaufen. Das erschwert auch die Befüllung der Gasspeicher.
Deutschland bezieht Gas vor allem aus Norwegen. Weitere Mengen gelangen über die europäischen Gasnetze, unter anderem über Frankreich und Belgien, nach Deutschland. Hinzu kommt Flüssigerdgas (LNG), das über deutsche Importterminals eingeführt wird und zu großen Teilen aus den USA stammt. Nach den gesetzlichen Vorgaben sollen die deutschen Gasspeicher bis zum 1. November einen Füllstand von 80 Prozent erreichen.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu gut 50 Prozent gefüllt. Welche Schritte nun notwendig sind, erklärt Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller.
20.08.2026 | 5:06 minSteigende Gaspreise: Was bedeutet das für Verbraucher?
Wie stark sich steigende Großhandelspreise auf die Haushalte auswirken, hängt vom jeweiligen Gasvertrag und von der Beschaffungsstrategie des Anbieters ab. Nach Angaben des Portals Finanztip sind die Gastarife seit Februar im Durchschnitt um 23 Prozent gestiegen. Für einen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden bedeutet das demnach Mehrkosten von rund 300 Euro.
Wer wissen möchte, ob der eigene Tarif noch günstig ist, sollte deshalb die aktuellen Konditionen überprüfen. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind Preise zwischen acht und zehn Cent pro Kilowattstunde derzeit günstig. Bei deutlich mehr als zwölf Cent sollten Verbraucher einen Tarifwechsel prüfen.
Verbraucherschützer warnen vor der kommenden Heizsaison vor steigenden Gaspreisen. Gründe für den Preisanstieg sind die niedrigen Füllstände der Gasspeicher und der Krieg im Nahen Osten.
20.08.2026 | 0:22 minPreisbindung kann bedingt vor steigenden Kosten schützen
"Wer für den kommenden Winter mehr Planungssicherheit möchte, sollte einen Blick auf die Preisbindung des eigenen Vertrags werfen", rät Thomas Zwingmann, Energie-Experte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Eine Preisgarantie könne Verbraucher vor steigenden Beschaffungskosten schützen. "Allerdings kommt es darauf an, welche Preisbestandteile tatsächlich von der Garantie erfasst werden", so Zwingmann weiter.
Denn nicht jede Preisgarantie schützt automatisch vor sämtlichen Erhöhungen. Steuern, Umlagen oder Netzentgelte können beispielsweise von der Preisbindung ausgenommen sein.
Eine längere Preisbindung hat zudem einen Nachteil: Fallen die Gaspreise wieder, können Kunden unter Umständen nicht davon profitieren. Verbraucherschützer empfehlen deshalb eher überschaubare Vertragslaufzeiten von bis zu zwölf Monaten. Die Preisgarantie sollte möglichst die gesamte Vertragslaufzeit abdecken.
Wichtig: Vor einem Wechsel sollten Verbraucher nicht nur auf den beworbenen Arbeitspreis schauen, sondern die Vertragsbedingungen und die tatsächlichen Gesamtkosten prüfen. Denn einige Anbieter verlangen zwar moderate Arbeitspreise, setzen aber den Grundpreis hoch an.
Wer Gas über die Grundversorgung seines örtlichen Versorgers bezieht, sollte ebenfalls die Preise vergleichen. Grundversorgungstarife sind in der Regel deutlich teurer als alternative Tarife.
Für Bestandskunden mit einem derzeit günstigen Tarif kann es dagegen sinnvoll sein, zunächst abzuwarten. Kommt ein Schreiben über eine Preiserhöhung, sollten Verbraucher die neuen Konditionen zum Anlass nehmen, gezielt nach günstigeren Angeboten zu suchen, rät Energieexperte Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale NRW.
Kündigung und Anbieterwechsel: So funktioniert es
Wer den Gasanbieter wechseln möchte, sollte zunächst die Kündigungsfrist des bestehenden Vertrags prüfen. Darauf weist Energie-Experte Zwingmann hin. "Ist die Frist knapp oder soll wegen einer angekündigten Preiserhöhung gekündigt werden, kann es sinnvoll sein, die Kündigung selbst vorzunehmen." Bei einem regulären Anbieterwechsel hingegen übernehme häufig der neue Versorger die Kündigung beim bisherigen Anbieter.
Am Tag des Wechsels sollten Verbraucher den Zählerstand ablesen. Dieser sollte sowohl dem bisherigen und dem neuen Anbieter als auch dem Netzbetreiber mitgeteilt werden.
Der Strompreis in Deutschland ist hoch. Wer wirklich damit Kasse macht und mit welchen Maßnahmen der Preis wieder sinken könnte.
15.08.2026 | 9:58 minWas müssen Mieter beim Gaspreis beachten?
Bei Gas können Mieter meist nicht selbst über ihren Anbieter entscheiden. Wer in einem Mehrfamilienhaus mit einer zentralen Gasheizung wohnt, hat in der Regel keinen eigenen Gasliefervertrag. Der Vermieter schließt den Vertrag mit dem Energieversorger ab und legt die Heizkosten anschließend über die Heizkostenabrechnung auf die Mieter um.
Ist der Gaspreis aus Sicht der Mieter auffällig hoch, können sie den Vermieter auf mögliche Einsparpotenziale, etwa durch einen günstigeren Gastarif, ansprechen. Hintergrund ist das sogenannte Wirtschaftlichkeitsgebot nach § 556 Absatz 3 BGB. Danach müssen Vermieter bei den Betriebskosten auf Wirtschaftlichkeit achten, so die Verbraucherzentrale.
Anders sieht es bei einer Gasetagenheizung aus: Hat die Wohnung eine eigene Gastherme und besteht der Gasliefervertrag direkt zwischen Mieter und Versorger, kann der Mieter selbst einen Anbieter auswählen und wechseln.
Christoph Voigt ist Redakteur der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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