Nachhaltiger Kunststoff: So umweltfreundlich ist Bioplastik

Biologisch abbaubar und kompostierbar:Wie gut ist Bioplastik für die Umwelt?

von Finn Tönjes

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Viele Menschen wollen beim Einkauf Gutes tun und achten auf die Umweltverträglichkeit von Verpackungen und Produkten. Warum ausgewiesene Labels zu Biokunststoff irreführend sind.

Biologisch abbaubare Kunststofftüten in einer Plastikverpackung

Was bedeuten Begriffe wie "nachhaltig" und "kompostierbar" auf Verpackung und Produkten? Und wie umweltfreundlich sind biobasierte Kunststoffe wirklich?

23.07.2026 | 4:15 min

Auf vielen Verpackungen und Produkten finden sich Begriffe, die Umweltfreundlichkeit suggerieren. Dabei handelt es sich meist um biobasierte Kunststoffe, die ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. Prominente Beispiele dafür sind kompostierbare Obst- und Gemüsetüten sowie biologisch abbaubare Einkaufstüten.

Doch was steckt wirklich hinter Begriffen wie "Bioplastik", "biologisch abbaubar" oder "kompostierbar" und wie entsorgt man diese Verpackungen und Produkte richtig?

Begriffe sind für Verbraucher irreführend

Biologisch abbaubar bedeutet, dass sich das Material zersetzt. Allerdings ist dafür kein zeitlicher Rahmen vorgegeben. Der Prozess kann mehrere Jahre dauern - viel zu lange, um in industriellen Kompostierungsanlagen wiederverwertet zu werden.

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Kompostierbar heißt, dass ein Material innerhalb eines festgelegten Zeitraums abgebaut wird. Das gilt meist nur für die industrielle Kompostierung unter speziellen Bedingungen wie dauerhaft hohen Temperaturen.

Philip Heldt, Referent für Ressourcenschutz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW), kritisiert, dass Verbraucher in die Irre geführt werden.

Die Begriffe sind missverständlich. Es gibt aber keine rechtlichen Konsequenzen dafür, sie auf die Produkte zu drucken.

Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Das Problem: Die Begriffe und Labels verleiten Verbraucher zum falschen Umgang mit Verpackung und Produkten aus biobasierten Kunststoffen.

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Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen kaum nachhaltiger

Auch die Bezeichnung "aus nachwachsenden Rohstoffen" ist für Verbraucher irreführend. Meist handelt es sich dabei um Stoffe pflanzlichen Ursprungs, die in kurzen Zeiträumen immer wieder nachwachsen, zum Beispiel Mais und Zuckerrohr. Doch nicht jeder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Kunststoff ist auch biologisch abbaubar.

Bioplastik ist Kunststoff, der ganz oder teilweise aus Pflanzen hergestellt wird, zum Beispiel aus Stärke oder Pflanzenöl. Das bedeutet nicht, dass er sich von selbst abbaut. Manche Sorten Bioplastik sind chemisch identisch zu fossilen Kunststoffen aus Erdöl, Erdgas oder Kohle. Ein Beispiel sind Einkaufstüten aus Bioplastik, die oft als "biologisch abbaubar" deklariert sind.

Laut Umweltbundesamt sind die Auswirkungen auf die Umwelt nicht wesentlich besser, wenn Kunststoffe aus biobasierten statt aus fossilbasierten Rohstoffen wie Erdöl produziert werden. Zwar setzen fossilbasierte Kunststoffe bei der Herstellung mehr Kohlendioxid (CO2) frei, biobasierte Kunststoffe haben jedoch ein höheres Potenzial, die Umwelt zu schädigen. Ursache sind die für den Anbau der Rohstoffe verwendeten Dünger und Pestizide, die Böden und Grundwasser belasten.

Zudem benötigen biobasierte Kunststoffe laut Umweltbundesamt einen höheren Flächenbedarf für die Rohstoffproduktion. Das kann zur Konkurrenz mit Flächen für die Lebensmittelproduktion und den Naturschutz führen.


Warum "biologisch abbaubar" ein Problem für die Umwelt ist

Viele Menschen sammeln ihren Biomüll in biologisch abbaubaren oder kompostierbaren Tüten. Da diese nur zum Teil abgebaut werden, können sie die Prozesse in Kompostieranlagen empfindlich stören. Zudem können sie den hergestellten Kompost mit Plastikrückständen (Mikroplastik) verunreinigen.

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Vielerorts ist es verboten, Bioabfall in biobasierten Kunststofftüten in der Biotonne zu entsorgen. Denn für die Betreiber von Kompostieranlagen ist das Aussortieren von solchen Störstoffen mit einem erhöhten Arbeitsaufwand und großen Kosten verbunden.

Wer Biomüll in Plastiktüten entsorgt, riskiert, dass die Abfallbetriebe die Biotonnen mit dem verunreinigten Müll stehen lassen.

Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Biologisch abbaubare Tüten gehören daher weder in die Biotonne noch in den heimischen Kompost, sondern in den Restmüll.

Welche Alternativen sinnvoll sind

Für die Entsorgung von Bioabfällen rät Philip Heldt, reißfeste Papiertüten zu benutzen. Alternativ kann Bioabfall auch in einem kleinen Eimer gesammelt werden. Der Eimer sollte regelmäßig in die Biotonne geleert und danach gereinigt und getrocknet werden, um Geruchsbildung zu verhindern.

Wer sich unsicher ist, sollte Abfälle lieber im Restmüll als im Biomüll entsorgen.

Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW

Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen bieten keine nennenswerten Vorteile gegenüber herkömmlichem Plastik. Für den Einkauf ist nach wie vor die klassische Stofftasche die umweltfreundlichste Alternative zur Plastiktüte, ebenso wie zum Beispiel wiederverwendbare Kunststoffnetze statt der Obst- und Gemüsetüten aus biobasiertem Kunststoff.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 23.07.2026, ab 09:05 Uhr.

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