Dürre und Feuer als Risiko:Waldumbau: "Wir denken in Jahrzehnten"
von Mark Hugo
Wälder sind wahre Klimaschützer. Brände und Trockenheit machen ihnen den Job allerdings immer schwerer. Der Wald wird deshalb umgebaut. Eine Arbeit von Jahrzehnten.
Feuer, Dürren und lange Trockenphasen setzen Europas Wäldern stark zu. Dabei sind gesunde Wälder wichtige Klimaschützer: Sie binden CO2 und entziehen es so der Atmosphäre.
24.08.2026 | 3:28 minIm Staatswald Kondel in Rheinland-Pfalz hat es gebrannt: Fünf Hektar sind Mitte August in Flammen aufgegangen. Die genaue Ursache ist unbekannt. Wegen der wochenlangen Trockenheit hat aber womöglich ein Funke genügt.
Hitze und Dürre hatten dem Wald hier und anderswo schwer zugesetzt. An vielen Stellen wird er daher gerade umgebaut, um in Zukunft mit den Folgen des Klimawandels besser klarzukommen.
Hitze, Trockenheit und sinkende Grundwasserstände setzen viele Regionen unter Druck. ZDF-Umweltexpertin Winnie Heescher ordnet ein, wie sicher die Wasserversorgung ist und wo Handeln nötig wird.
13.08.2026 | 7:06 minExtremer Trockenheits-Stress für die Bäume
"Wir haben Laub auf dem Boden wie sonst Mitte Oktober", sagt Valentin Ehret, Leiter des Forstamts Traben-Trarbach, das für den Staatswald zuständig ist. Weil die Trockenheit die Bäume "massiv unter Stress" setzt, reagieren sie und werfen ihre Blätter ab, erklärt er. Damit verringern sie die Verdunstung von Wasser. Eine Überlebensstrategie, die dazu führt, dass der Wald im August teils schon so aussieht wie im Herbst.
Feuer, Hitze, Trockenheit und Schädlinge, die es in angeschlagenen Wäldern leichter haben, sind die Hauptgründe, warum sich in Deutschland die Wälder nach Daten der Bundeswaldinventur 2024 in den vergangenen Jahren von einer Kohlenstoff-Senke zu einer Kohlenstoff-Quelle gewandelt haben. Das bedeutet, dass sie weniger CO2 aus der Luft holen als sie abgeben.
Monatelange Trockenheit belastet Böden, Ernten und Wälder. Wie ernst ist die Lage? ZDF-Umweltredakteur Mark Hugo ordnet die Folgen ein und erklärt, was jetzt hilft und künftig nötig ist.
03.08.2026 | 6:32 minBäume als Speicher oder Quelle für CO2
Denn: "Wälder können beides sein", erklärt Forstwissenschaftler Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökosysteme. "Sie können eine Senke sein für CO2, weil sie im Holz über viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte Kohlenstoff speichern." Sie tragen dann zum Klimaschutz bei. Auf der anderen Seite würden sie das CO2 aber auch abgeben, wenn sie absterben oder verbrennen, und werden dann zur Quelle.
Nach Zahlen der Europäischen Umweltbehörde EEA ist die Funktion der EU-Wälder als CO2-Senken rückläufig. Zwischen 2010 und 2014 haben sie jährlich im Schnitt noch fast 460 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (CO2 und weitere Treibhausgase) aufgenommen. Anfang der 2020er war es mit rund 330 Millionen Tonnen mehr als ein Viertel weniger.
Waldbrände sind bei diesem Rückgang zwar nicht der größte Faktor. Sie nehmen aber deutlich zu. Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS haben die Wald- und Vegetationsbrände in der EU bis Mitte August 2026 bereits rund 26 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt.
Fichten und Kiefern feuergefährlicher als Mischwald
Am Brandort im Staatswald Kondel haben Feuerwehr und Forstamt Glück gehabt, vermutet Valentin Ehret. Das Feuer ist in einem Stück Mischwald ausgebrochen und hat überwiegend Sträucher und Büsche am Boden vernichtet. Die meisten Bäume würden sich wohl in wenigen Jahren wieder erholen, hofft der Förster.
Durch Trockenheit und Feuer geht immer mehr Wald verloren. Hier im Staatswald Kondelwald hat es Mitte August gebrannt.
Quelle: ZDF/HugoDort, wo nur Fichten oder Kiefern wachsen, in sogenannten Monokulturen, hätte das anders ausgesehen.
Gerade die Kiefer, die ätherische Öle freisetzt und regelrecht explodiert wie eine Fackel, stellt eine höhere Brandgefahr dar als ein Laubbaum wie die Eiche oder die Hainbuche.
Valentin Ehret, Leiter Forstamt Traben-Trarbach
Deren Holz würde laut Ehret nicht so schnell brennen. Das gelte auch für das Laub am Boden, das weniger leicht Feuer fängt als vertrocknete Nadeln.
Trockenheit und Dürre setzen Feldern immer häufiger zu. Forschende setzen auf sogenannte Agroforste und andere Ansätze, damit Böden mehr Wasser speichern und Ernten langfristig gesichert werden.
03.08.2026 | 3:38 minDie häufigsten Baumarten sind laut Bundeswaldinventur 2024 Kiefer (22 Prozent) vor Fichte (21 Prozent), gefolgt von Buche (17 Prozent) und Eiche (zwölf Prozent). Die restlichen 28 Prozent verteilen sich auf weitere 47 Baumarten und Baumartengruppen.
Die Fläche der Laubbäume, zu denen Eichen und Buchen gehören, hat im Vergleich zu 2012 um sieben Prozent zugenommen. Laut Inventur sei das vor allem auf den aktiven Waldumbau für eine bessere Klimaanpassung der Wälder zurückzuführen.
Eine neue Waldgeneration unter Fichten
Laubbäume seien nicht nur gegen Feuer, sondern auch gegen Hitze und Trockenheit widerstandsfähiger, sagt Ehret. Wie anderswo auch baut man im Kondelwald deshalb den Wald um.
"Wir haben hier unter ältere Fichten etwa vor 15 Jahren Buchen gepflanzt, um schon mal die nächste Waldgeneration zu haben." Denn Fichten würden den Klimawandel auf Dauer nicht überleben, glaubt der Förster.
Um Brände zu stoppen oder zu kontrollieren, können gezielt Brände gelegt werden, berichtet Feuerwehrmann Sean Micke bei ZDFheute live. Das erfordere aber ein hohes Maß an Ausbildung.
17.08.2026 | 17:11 minWenn sie daher durch den Borkenkäfer, Sturm oder Trockenheit "ausfallen", wäre das Fundament schon gelegt. Ist dann mehr Licht da, sollen weitere Arten wie Edelkastanien oder Spitzahorn gepflanzt werden. Am Ende soll hier einmal ein stabiler Mischwald stehen. Das allerdings wird noch dauern. Die Buchen sind gerade mal zwei bis vier Meter hoch.
Der Waldumbau ist eine Langfristaufgabe. Wir denken in ganz anderen Zeiträumen. Wir denken in Jahrzehnten bis in Hunderte Jahre.
Valentin Ehret, Leiter Forstamt Traben-Trarbach
Mischwälder wichtig für Klimaanpassung
Eine "andere Chance" habe man aber nicht, sagt auch Prof. Andreas Bolte vom Thünen-Institut, wenn der Wald seine lebenswichtigen Funktionen behalten soll. Dabei sei es "ganz wichtig, dass wir gemischte Wälder haben, weil jede Baumart in der Anpassung das eine besser kann, das andere weniger gut."
Denn die Folgen des Klimawandels sind vielfältig. Der Wald der Zukunft muss sowohl Brände als auch Stürme, Starkregen, Hitzestress und Dürren wegstecken können.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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