Brandbekämpfung aus der Luft:Warum Deutschland nur ein Löschflugzeug hat
von Nils Metzger
In ganz Deutschland gibt es nur ein einziges Löschflugzeug. Warum haben wir nicht mehr davon? Und könnte das bei den aktuellen Großbränden helfen?
Trotz Regen: "Die Lage ist immer noch nicht unter Kontrolle", sagt ZDF-Reporterin Ina Baltes. Das Gebiet gleiche einer "Mondlandschaft". Der Torf brennt tief im Boden und ist daher nahezu unlöschbar.
17.08.2026 | 3:16 minWenn Waldbrände wie in der Eifel toben, blicken am Boden viele Menschen hoffnungsvoll in den Himmel - für Regen, göttlichen Beistand, oder eine ganz menschengemachte Rettung: ein Löschflugzeug, das mit Tausenden Liter Wasser das Feuer auf einen Schlag großflächig bekämpft.
Viele Menschen fragen sich, warum sie das, anders als in Brandgebieten in anderen Ländern, in Deutschland so selten sehen. Tatsächlich verfügt die Bundesrepublik aktuell nur über ein einziges, dauerhaft stationiertes Löschflugzeug. Die Gründe sind vielfältig. Ist eine Lehre aus der aktuellen Lage, dass Deutschland mehr solcher Flugzeuge benötigt?
Hier steht das einzige Löschflugzeug in Deutschland
Auf dem Landeplatz Ballenstedt in Sachsen-Anhalt, am Rand des Harzes, ist mit der "Hexe 1" das einzige Löschflugzeug Deutschlands stationiert. Seit 2023 hat der Landkreis einen Vertrag mit einem polnischen Unternehmen geschlossen, das das Flugzeug unterhält und auch Piloten stellt.
Das Löschflugzeug "Hexe 1" im Einsatz vergangenen Donnerstag in Benneckenstein, Sachsen-Anhalt.
Quelle: dpaDie Löschflugzeuge vom Typ PZL M-18 Dromedar sind in mehreren europäischen Ländern im Einsatz. Mit einer Tankkapazität von maximal 2.300 Litern gehören sie zu den kleineren Flugzeugen ihrer Art. Die berühmten Canadair-Maschinen aus Nordamerika schlucken das Doppelte bis Dreifache.
Dafür, dass die "Hexe" in der Sommersaison dauerhaft verfügbar ist, zahlte der Landkreis zuletzt 267.000 Euro im Jahr. 2025 hatte sie sechs Einsätze. "Die Unterstützung aus der Luft hat sich seit 2023 gerade bei Bränden in den oftmals schwer zugänglichen Harzer Wäldern bewehrt und als unschätzbarer Vorteil erwiesen", schreibt der Landkreis Harz. Der Vertrag war eine Konsequenz aus dem Großbrand am Brocken 2022.
Die Feuerwehr im Naturschutzgebiet Hohes-Venn an der deutsch-belgischen Grenze kämpft mit schwierigen Bedingungen. Der Brand in Hürtgenwald soll dagegen mittlerweile unter Kontrolle sein.
17.08.2026 | 2:29 minDeutschland setzt vor allem auf Hubschrauber
Brandbekämpfung aus der Luft wird in Deutschland aktuell vor allem durch Hubschrauber durchgeführt. Landes- und Bundespolizei sowie die Bundeswehr verfügen alle über Hubschrauber, die für Löscheinsätze eingesetzt werden können, indem sie Wasserbehälter an der Unterseite anbringen.
Vorteil dieser Lösung: Die Hubschrauber können in direkter Brandnähe mit mobilen Wasserbecken betankt werden. Große Löschflugzeuge benötigen oft lange, freie Gewässer, um im Flug Wasser aufzunehmen - nicht überall gibt es dafür geeignete Gewässer. Die "Hexe" wird auf dem Flugplatz am Boden betankt. Beim inzwischen eingedämmten Feuer im Hürtgenwald kommt die Bedrohung durch alte Weltkriegsmunition im Boden hinzu, die nicht nur für Menschen am Boden, sondern auch für Hubschrauber und Flugzeuge Einschränkungen mit sich bringt.
Auch wenn bereits vorhandene Hubschrauber der öffentlichen Hand zum Löschen genutzt werden, stellt sich für betroffene Kommunen eine Kostenfrage: denn oft müssen sie die Einsätze aus eigener Tasche zahlen.
Was können die Einsatzkräfte tun, um ein mögliches Übergreifen der Flammen zu verhindern? Unsere ZDF-Korrespondentin Ina Baltes steht vor Ort in der Nähe der deutsch-belgischen Grenze.
16.08.2026 | 1:10 minLandkreise stehen vor großer finanzieller Entscheidung
Ob Hubschrauber, Flugzeuge, Räumpanzer oder anderes Großgerät zur Brandbekämpfung - für die betroffenen Gemeinden ist das oft mit Kosten verbunden, gleich ob sie von kommerziellen Anbietern oder anderen staatlichen Stellen stammen.
Für den Großbrand am Brocken 2024 stellte die Bundeswehr Sachsen-Anhalt laut MDR-Recherchen Kosten von 1,35 Millionen Euro in Rechnung. Für Amtshilfe der Polizei hätte das Land den Kommunen zwar die Kosten erlassen, aber dann hätten die Hubschrauber nur dann zur Verfügung gestanden, wenn sie nicht etwa zur Verbrechensbekämpfung benötigt werden.
Zusammen mit der Feuerwehr ist ZDF-Reporter Peter Böhmer im Hürtgenwald in der Eifel unterwegs. Die Lage hatte sich zuletzt zwar entspannt, aber die Feuerwehr hat noch immer alle Hände voll zu tun.
16.08.2026 | 20:34 minFür den Waldbrand in der Sächsischen Schweiz 2022 wies der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge etwa am Ende fast 2,8 Millionen Euro an Verdienstausfall-Kosten von freiwilligen Feuerwehren oder fast 6,4 Millionen Euro für private Helikoptermietung aus.
Die auf den ersten Blick hohen Kosten von Löschflugzeugen muss man also in Relation zu den Kosten von Alternativlösungen betrachten - etwa einem höheren Personalbedarf an Feuerwehrleuten am Boden. Für einzelne Landkreise sind das finanzielle Entscheidungen von großer Tragweite. Kam es zu keinem Brand, erscheinen laufende Ausgaben für ein Löschflugzeug schnell vergeudet. Umgekehrt kann ein einziges Großfeuer bereits kommunale Finanzen auf Jahre belasten.
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Kein Geld: Niedersachsen verliert 2025 zwei Löschflugzeuge
Auch deshalb drängen Länder und Kommunen darauf, dass der Bund finanziell unterstützt. Doch der hatte seine Unterstützung in einem prominenten Fall sogar zurückgefahren. 2023 und 2024 waren in Braunschweig in Niedersachsen zwei vom Bund mitfinanzierte Löschflugzeuge stationiert. Die Bundesmittel hierfür wurden 2025 gestrichen, der Vertrag mit dem privaten Unternehmen nicht verlängert.
Die Lage im Hürtgenwald entspannt sich, vorbei ist die Krise aber noch nicht. ZDF-Reporter Böhmer war mit der Feuerwehr im Wald. Sie erklärt bei ZDFheute live, worauf es jetzt ankommt.
16.08.2026 | 2:49 minNicht nur Deutschland, sondern ganz Europa hatte von diesen Flugzeugen profitiert, da sie Teil der 2019 geschaffenen Krisenreserve "rescEU" waren. Im Notfall waren sie also in ganz Europa im Einsatz - etwa im August 2024 in Nordmazedonien.
Künftig will die Europäische Union eine deutlich größere eigene Flotte an Löschflugzeugen für alle Mitgliedsländer unterhalten. 2024 stellte sie 600 Millionen Euro für den Kauf von zwölf neuen Flugzeugen bereit. Gleichzeitig testen verschiedene EU-Staaten den Umbau von großen Militärtransportern zu Wasserbombern. Auch wenn Deutschland selbst weiter schlecht aufgestellt sein sollte, wird es künftig auf mehr gemeinsame Flieger zurückgreifen können.
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