Deutschland-Karte:So hoch ist die Waldbrandgefahr aktuell
von Christine Elsner und Birgit Hermes
Hitze, Trockenheit, menschliches Fehlverhalten: Die Waldbrandgefahr steigt. Wie hoch ist das Risiko aktuell, welche Regionen sind besonders gefährdet? Und was kann man tun?
2025 brannten in Deutschland 2.626 Hektar Wald, das sind etwa 3.676 Fußballfelder. Die Zahl der Waldbrände stieg auf 1.175 und hat sich gegenüber dem regenreichen Vorjahr mehr als verdoppelt.
30.06.2026 | 0:27 minVon März bis Oktober ist Waldbrand-Saison in Deutschland: In diesen Zeitraum fällt der Großteil der Brände. Denn im Vergleich zum Rest des Jahres ist es zu dieser Zeit besonders heiß und trocken - begünstigende Voraussetzungen für Waldbrände.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berechnet von März bis Oktober die Waldbrandgefahr für circa 500 Wetterstationen in Deutschland: Für den aktuellen Tag und die folgenden vier Tage.
Der sogenannte Waldbrand-Gefahrenindex (WBI) basiert auf stündlichen Werten wie der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchte, der Windgeschwindigkeit und Niederschlagsmenge. Die Gefahr eines Waldbrands gibt er in fünf Stufen an - von sehr gering bis sehr hoch. So hoch ist sie zurzeit:
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Wie viele Waldbrände gibt es pro Jahr in Deutschland?
Da die Wetterlage im Frühjahr und Sommer variiert, fällt die Zahl der Waldbrände von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. So wurden laut der Waldbrandstatistik des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMEL) im Jahr 2025 deutschlandweit 1.175 Waldbrände gezählt. 2025 lag damit nah am langjährigen Mittel von 1.157 Brandereignissen. Während 2023 mit 1.059 Waldbränden knapp und 2024 mit 563 deutlich darunter lagen.
Allerdings ist nicht nur die Zahl der Feuer bedeutend, sondern die Größe der Schadensfläche: Im Jahr 2025 zerstörten Brände eine Waldfläche von 2.626 Hektar. Das entspricht der Fläche von 3.676 Fußballfeldern. Im Jahr davor lag die betroffene Fläche mit 334 Hektar deutlich darunter und damit unter dem langjährigen Mittel von 844 Hektar. 2023 waren es 1.240 Hektar.
Das überdurchschnittliche Brandjahr 1992 geht zu einem erheblichen Teil auf einen Großbrand bei Weißwasser in Sachsen zurück. Damals vernichtete das Feuer 1.300 bis 1.600 Hektar Wald.
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Wo gibt es besonders häufig Waldbrände?
Dichtstehende Nadelholzbestände im Alter von 20 bis zu 40 Jahren sind besonders anfällig für Waldbrände. Die toten und trockenen Äste dieser Bäume ragen bis zum Waldboden und bilden regelrechte Feuerbrücken, wenn es am Boden brennt.
Wälder auf sandigen Böden - dazu zählen Gebiete in Brandenburg und Teile von Mecklenburg-Vorpommern - sind ebenfalls brandgefährdet. Sandböden sind extrem wasserdurchlässig. Regen kann zum Beispiel so gut wie gar nicht gespeichert werden, was die Böden trockener und damit anfälliger für Brände macht.
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Am wenigsten gefährdet sind sogenannte Altholz-Mischbestände. Sie schaffen ein feuchteres und kühleres Klima, da sie große Mengen Feuchtigkeit in Holz, Boden und der Baumkrone halten.
Was löst Waldbrände aus?
Sofern die Brandursache ermittelt werden kann, lässt sie sich meist auf menschliches Verhalten zurückführen: Brandstiftung oder Fahrlässigkeit, etwa das Wegwerfen einer Zigarette oder offenes Feuer zum Grillen.
- Erhöhung des Laubholzanteils: Durch den Wandel von Kiefern-Monokulturen hin zu Mischwäldern aus Laubbäumen wird das Waldbrandrisiko gesenkt. Mischwälder (Foto) besitzen die Fähigkeit, viel Feuchtigkeit im Boden sowie in den Baumkronen zu speichern. So kann sich in einem trockenen Sommer kein Vollfeuer entwickeln.
- Anlegen von Waldbrandriegeln: Dabei handelt es sich um Flächen zwischen 100 und 300 Metern, auf denen brandhemmende Laubbäume, Sträucher und Gräser wachsen. Dazu zählen beispielsweise Bäume, bei denen die unteren Äste entfernt werden. Diese Riegel sollen im Brandfall auflaufende Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln.
- Anlegen von Schutz- und Wundstreifen: Sie sind 20 bis 30 Meter breit und werden stets von leicht brennbarem Gestrüpp befreit. Die geringe Brennstoffmenge verhindert, dass sich ein Bodenfeuer in den Kronenraum ausbreiten kann. Solche Streifen verlaufen bevorzugt entlang von Hauptstraßen, Straßen und Bahnlinien.
- Anlegen künstlicher Löschwasser-Entnahmestellen: Diese können Staueinrichtungen, im Erdboden eingelassene Behälter oder Anschlüsse an Fernwasserleitungen sein.
Sehr trockene Pflanzenteile und Gräser fangen am schnellsten Feuer. Danach folgen trockene Nadeln und kleine Zweige. Nadelwälder mit dichtem Grasbewuchs bergen eine besonders hohe Feuergefahr. Trockenes Laub und Totholz dagegen brennen erst, wenn die Flammen schon größere Ausmaße erreicht haben.
Kommt zum Brand starker Wind dazu, entstehen langgezogene Brandstellen, die sich schnell ausbreiten. Kronenfeuer gelten als besonders problematisch und sind bei Feuerwehrleuten besonders gefürchtet.
Denn starke Winde übertragen die Flammen in der Höhe. Die Folge ist ein Dominoeffekt im Kronenbereich, der die Löscharbeiten erschwert. Schließlich kann ein sogenanntes Megafeuer entstehen, das auch den Boden zerstört und verhindert, dass sich der Wald wieder selbstständig regeneriert.
- Direkter offener Angriff der Feuerfront mittels Löschmannschaften, Löschfahrzeugen und Löschwasserabwürfen: Dabei setzen die Feuerwehrleute den Löschangriff gegen die Windrichtung an. In der Regel erfolgt der Löschangriff von der Flanke zur Spitze der Feuerfront. Das Verfahren wird nur bei geringer Flammenhöhe angewendet. Denn schwer einschätzbare Windböen können dazu führen, dass Einsatzkräfte vom Feuer eingeschlossen werden.
- Defensiver Angriff: Er wird angewendet, wenn die Flammen zu hoch schlagen oder die Fläche mit Munition kontaminiert ist. Defensiv bedeutet, es werden Feuerschneisen angelegt, die frei von trockenem Gestrüpp und oder dürren Sträucher sind. Feuerfeste Barrieren wie Straßen und Wege halten das Feuer ebenfalls auf. Auf den defensiven Angriff setzt man auch bei Waldbränden im Bergland. Dort breitet sich das Feuer hangaufwärts sehr viel schneller aus als hangabwärts. Mittels großer Planierraupen oder Bergepanzer der Bundeswehr werden Feuerschneisen angelegt. Der trockene Bewuchs wird plattgemacht. Die vegetationsfreie Schneise hilft, die Flammenausbreitung abzubremsen.
Die Gleichzeitigkeit von Hitzewellen und Dürre begünstigt Brände. Laut dem Weltklimarat IPCC haben diese brandfördernden Wetterbedingungen in Süd-, West- und Zentraleuropa seit 1980 zugenommen. Mit zunehmender Erderwärmung werde dieses “Feuer-Wetter” in einigen Regionen der Welt häufiger auftreten.
Auch der heiße Katalysator eines parkenden Autos kann den Untergrund entzünden, während Glasscherben nicht den ihnen nachgesagten Brennglas-Effekt haben.
Alte Munition auf ehemaligen Truppenübungsplätzen kann sich bei starker Hitze selbst entzünden und einen Waldbrand verursachen. Natürliche Ursachen wie Blitzschläge spielen hingegen als Auslöser von Waldbränden praktisch keine Rolle.
Im Landkreis Bad Kreuznach ist ein Feuer in einem Waldgebiet ausgebrochen. Auf der mehr als drei Hektar großen Fläche liegt Weltkriegsmunition.
28.06.2026 | 0:33 minKann man Waldbrände verhindern?
Mehr als die Hälfte der Waldbrände werden durch den Menschen verursacht. Daher ist eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit in Gebieten mit hohem Waldbrandrisiko zur Vorbeugung von Bränden notwendig.
So können Förster verschiedene Gruppen für das Waldbrandrisiko sensibilisieren: Ob Kinder oder Erwachsene - Waldbesucher sollten über die Verhaltensregeln im Wald informiert werden.
Flammende Infernos, Tote und zerstörte Existenzen. Europas Wälder brennen immer öfter. Steigende Temperaturen heizen die Gefahr an. Auch Deutschland ist von Waldbränden bedroht.
08.08.2021 | 28:45 minDas Wissen könne in Kindergärten oder Schulen, aber auch in Kommunen, Firmen oder über Waldführungen vermittelt werden. Wenn die Brandursache bei landwirtschaftlichen Aktivitäten zu suchen ist, etwa weil Erntemaschinen überhitzten, könnten Landwirte verstärkt in die Informationskampagne eingebunden werden.
Dieser Artikel wurde erstmals 2022 veröffentlicht. Er wird während der Waldbrandsaison (etwa März bis Oktober) täglich aktualisiert.
Birgit Hermes ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion. Christine Elsner ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
Redaktion und Grafik: Caelan Novo Fernandez, Michael Hörz, Robert Meyer, Kevin Schubert, Kathrin Wolff, Moritz Zajonz
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