Bis Ende des Jahrhunderts:Studie: Waldbrände in Europa könnten sich fast verdreifachen
von Marie Ahlers
Sollte sich die Erde um 3,6 Grad erwärmen, könnten dreimal so viele Flächen in Europa durch Waldbrände zerstört werden. Forscher fordern weniger Emissionen und mehr Brandschutz.
Die von Waldbränden betroffene Fläche in Europa könnte sich aufgrund des Klimawandels fast verdreifachen
Quelle: epaIn Spanien, Frankreich, Griechenland, Belgien, ja auch in Deutschland kämpfen die Behörden dieses Jahr mit ungewohnt heftigen Waldbränden. Hitze und Trockenheit in Folge des Klimawandels sorgen in weiten Teilen Europas für heftige Feuer, Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Zehntausende Hektar Wald verbrannten.
Und Besserung ist für die kommenden Sommer nicht in Sicht - im Gegenteil: "Zunehmend heiße, trockene und windige Bedingungen könnten die von Waldbränden betroffene Fläche in ganz Europa erheblich vergrößern", berichtet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer neuen Studie.
Waldbrände in Europa: Forscher vergleichen zwei Szenarien
Dafür haben die Autoren der Studie zwei Szenarien verglichen: eines mit geringen Emissionen, eines mit hohen Emissionen. Das Ergebnis: Im ersten Szenario würden bis Ende des Jahrhunderts in Europa jährlich rund 39 Prozent Fläche mehr verbrennen als im heutigen Durchschnitt. Im zweiten Szenario wären es sogar rund 192 Prozent mehr.
In Westspanien breitet sich in der Provinz Cáceres ein Feuer schnell aus. Auch in Serbien kämpfen Einsatzkräfte drei Wochen nach Ausbruch von Waldbränden weiter gegen die Flammen.
19.08.2026 | 0:19 minHeißt: Waldbrände in Europa nehmen in jedem Fall deutlich zu - selbst wenn sich die Erde nicht so stark erwärmt wie befürchtet. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die verbrannte Fläche selbst bei einer vergleichsweise geringen Erwärmung um etwa 1,8 Grad Celsius deutlich zunehmen könnte", erklärt PIK-Forscher Maik Billing. Und schickt hinterher:
Wenn wir jedoch mehr Emissionen verursachen und die globalen Temperaturen um etwa 3,6 Grad Celsius steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten.
Maik Billing, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Das träfe insbesondere den Mittelmeerraum sowie weite Teile West- und Mitteleuropas, so Billing. "Einschließlich Gebiete, in denen es bisher kaum Brände gab."
Bekämpfung von Waldbränden muss verbessert werden
Damit ist laut den Forschern für die Zukunft nicht nur entscheidend, die Emissionen zu senken, sondern auch klar, "dass Verbesserungen bei Prävention, Früherkennung und Brandbekämpfung eine Schlüsselrolle dabei spielen, das Ausmaß künftiger Waldbrände zu verringern."
Im Kampf gegen den Waldbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn will die Feuerwehr die Brandfläche vollständig einkreisen. Hunderte Kilometer weit kam es zu Brandgeruch.
18.08.2026 | 1:31 minDie Studie beschäftigt sich daher auch mit der Frage, wie Verbesserungen bei Prävention und Brandbekämpfung das Ausmaß der Waldbrände verringern könnten. "Kontinuierliche Verbesserungen im Brandmanagement", wie es einer Mitteilung des PIK heißt, könnten die Brandfläche um 92 Prozent reduzieren, sollte sich die Erde um 1,8 Grad erwärmen. Bei einer Erwärmung von 3,6 Grad wäre es möglich, für 72 Prozent weniger verbrannte Flächen in Europa zu sorgen.
Gleichwohl räumen die Studien-Autoren ein, dass es sich dabei möglicherweise um zu optimistische Prognosen handelt. Co-Autor Thomas Hickler von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung betont jedoch:
Unsere Szenarien zeigen, dass höhere Investitionen in das Waldbrandmanagement in Europa (...) einen erheblichen Unterschied bewirken können.
Thomas Hickler, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
"Wir müssen uns besser vorbereiten", fordert Feuerwehr-Gewerkschaftschef Siegfried Maier. Nötig seien mehr Budget, angepasste Ausrüstung und bessere Organisation von haupt- und ehrenamtlichen Kräften.
18.08.2026 | 5:06 minKlimawandel und Waldbrände: Könnten an unsere Grenzen stoßen
Zum "Waldbrandmanagement" zählt er etwa die Ausbildung von Einsatzkräften, angemessene Ausrüstung und eine gute Koordination etwa zwischen Institutionen für Forstwirtschaft und Naturschutz und der Feuerwehr.
Gleichwohl warnt er: "Sollten die Brände jedoch wirklich extreme Ausmaße annehmen, könnte unsere Fähigkeit, sie einzudämmen, an ihre Grenzen stoßen." Und:
Wir wissen noch nicht, wann dieser Punkt erreicht ist.
Thomas Hickler
Aus Sicht der Forscher ist es daher unerlässlich, sowohl die Emissionen zu senken als auch die Brandbekämpfung zu verbessern.
Bis zum 12. August dieses Jahres sind laut dem Europäischen Waldbrand-Informationssystem (EFFIS) in der gesamten EU rund 550.000 Hektar abgebrannt, was mehr als dem doppelten des Durchschnitts zu diesem Zeitpunkt im Jahr entspreche.
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