Nach den Waldbränden in Südfrankreich:Frankreich: Nach den Flammen kommen die Fragen
von Lukas Nickel, Paris
Aufräumarbeiten, Zwangspausen für Betriebe, Waldverluste und weniger Urlauber als sonst. Die Region um Bordeaux kämpft mit den Folgen der Brände.
Die Waldbrände rund um Bordeaux belasten die lokale Wirtschaft. Nur noch halb so viele Gäste kommen in die Restaurants. Verbrannte Bäume werden entfernt, um Schädlinge einzudämmen.
14.08.2026 | 2:13 minAuf dem Weg zum Strand Le Grand Crohot, einem der bekannten Strände auf der Halbinsel westlich von Bordeaux: Hier wüteten vor wenigen Tagen noch die Flammen, heute ist der Weg zum Strand wieder frei.
In den vergangenen Tagen rissen die Maschinen hier die beschädigten, instabilen Bäume an der Straße aus dem Boden. Sie stellten eine Gefahr für Besucher dar.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Der Strandabschnitt wurde priorisiert, denn der August ist Hauptreisezeit. Die Aufräumarbeiten in der Region werden jedoch noch dauern.
Für Philippe Fougeras von der Nationalen Forstbehörde, dem Office National des Forêts, ist das ein Wettlauf gegen die Zeit: "Wir müssen uns beeilen, bevor sich Schädlinge in den Bäumen ausbreiten und andere Bestände bedrohen." Von den insgesamt 42.000 Hektar verbrannter Waldfläche befänden sich 7.000 im Besitz des Staates.
Die schweren Waldbrände im Südwesten Frankreichs und in Spanien breiteten sich Ende Juli rasant aus. Tausende Menschen mussten fliehen. Die Einsatzkräfte kämpften gegen die Feuer.
26.07.2026 | 1:40 minWas tun, wo der Wald verbrannte?
Das bedeutet, dass viele Privateigentümer zusehen mussten, wie ihr Wald in Flammen aufging. In einigen Fällen schlugen die Einsatzkräfte Brandschneisen, so wie bei Catherine und Stéphane Bligny.
Von ihren 20 Hektar Wald ist ein gutes Drittel nun verschwunden. Teilweise waren die Pinien über hundert Jahre alt. Das Ehepaar betreibt eine Pferdezucht und lebt nicht ausschließlich vom Holzverkauf, daher kann es den Verlust verkraften. Eine wirtschaftliche Einbuße ist es dennoch.
Wie es für sie weitergehen soll, wissen die beiden noch nicht. "Wir haben heute viele Fragen", sagt Catherine Bligny, "was geschieht mit dem Land, das früher Wald war? Was machen wir damit, und wer unterhält es künftig? Und vor allem: Wo sind die gefällten Pinien hin? Sie wurden einfach mit allen anderen vermischt."
Sie berichtet, dass ihre Bäume auf einen Laster geladen wurden, auf dem sich schon anderes Holz befand.
Bordeaux Anfang August: Erste Evakuierte können zurück in ihre Gemeinden. Doch giftiger Rauch beeinträchtigt das Leben. Was begünstigt die Brände?
30.07.2026 | 4:52 minKritik am Krisenmanagement der Regierung
Am Montag hat der französische Premierminister Sébastien Lecornu den besonders schwer getroffenen Ort Le Porge bei Bordeaux besucht. Dort wurde er von rund 200 Menschen ausgebuht. Sie fühlen sich im Stich gelassen und kritisieren das Krisenmanagement der Regierung, heißt es in Medienberichten.
Lecornu versprach später bei einer Pressekonferenz umfangreiche Hilfen beim Wiederaufbau der betroffenen Gebiete und beim Ausgleich der wirtschaftlichen Schäden. Man werde jetzt "die schweren Geschütze" auffahren, so Lecornu.
Die Größe der Gesamtschäden lässt sich noch nicht beziffern. Gastronomiebetriebe berichten von weniger Besuchern als sonst zu dieser Jahreszeit.
Zu den Leidtragenden der Brandkatastrophe gehören neben Menschen auch Wild- und Haustiere. Viele von ihnen verlieren ihr Zuhause, viele auch ihr Leben. Engagierte Helfer versuchen, sie zu retten.
30.07.2026 | 1:36 minSorgen in der Tourismusbranche
Während der Brände hatte die Präfektin der Region Touristen aufgefordert, auch im August fernzubleiben. Die Tourismusbranche versucht nun, die Botschaft zu vermitteln, dass die Strände und Unterkünfte wieder geöffnet sind und nur ein kleiner Teil der Region tatsächlich den Flammen zum Opfer fiel.
Joris Crombet betreibt eine Austernzucht in Lège-Cap Ferret am Strand mit bester Aussicht. Hier kann man die Austern bei einem Glas kaltem Wein verköstigen und die Füße im Wasser kühlen. Langsam normalisieren sich die Umsätze wieder, sagt er. Dennoch sorgte die Zwangsschließung von zehn Tagen sowie die spürbare Zurückhaltung der Gäste vor allem in der Woche nach den Bränden für schmerzhafte Einbußen.
Nun überlegen sie, wie sie im Winter mehr arbeiten können, um die Verluste auszugleichen. "Aber wir werden es nie schaffen, die zehn besten Tage der Hauptsaison aufzuholen", so Crombet.
Bisher scheinen die Strände vor allem eines: leerer als gewohnt. Sylvie Cantin, die in der Gegend eine Unterkunft besitzt, hat nicht gezögert, zurückzukommen, sobald sie durfte: "Ich will diesen Boden nicht verlassen. Er bedeutet mir viel. Man muss bleiben, man darf nicht gehen. Wir müssen uns eben anpassen."
Um Brände zu stoppen oder zu kontrollieren, können gezielt Brände gelegt werden, berichtet Feuerwehrmann Sean Micke bei ZDFheute live. Das erfordere aber ein hohes Maß an Ausbildung.
17.08.2026 | 17:11 minAnpassen, aber wie?
Anpassen, die Dinge anders machen, nur wie? Eine klare Antwort darauf gibt es noch nicht. Für den Bürgermeister von Lège-Cap Ferret, Philippe de Gonneville, steht fest, dass sich die Region auf wiederkehrende Brände einstellen muss.
Vielleicht nicht im nächsten Jahr oder dem darauffolgenden, aber das Feuer wird kommen. "Wir brauchen einen anderen Wald, einen besseren Brandschutz und eine Feuerwehr, die über die nötigen Mittel verfügt", sagt Gonneville.
Die Region bleibt in Alarmbereitschaft. Weiter südöstlich hat ein weiterer großer Brand gewütet. Was zu tun ist und wer die Kosten trägt nach den Feuern, diese Fragen stehen nicht nur hier in der Region Gironde erst am Anfang.
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