Trockenheit und Hitze:Fallende Blätter im Hochsommer: So leiden Bäume unter Hitze
Überall wirbeln trockene Blätter herum. Das Laub fängt bereits an, sich zu verfärben. Grund ist die anhaltende Trockenheit. Welche Folgen das für unsere Bäume und Wälder hat.
Monatelange Trockenheit belastet Böden, Ernten und Wälder. Wie ernst ist die Lage? ZDF-Umweltredakteur Mark Hugo ordnet die Folgen ein und erklärt, was jetzt hilft und künftig nötig ist.
03.08.2026 | 6:32 minEin Sommer der Superlative: Juni und Juli waren in Westeuropa so heiß wie nie. Deutsche Flüsse - allen voran Rhein, Elbe und Donau - verbuchten extreme Niedrigwasserstände.
Nachdem eine Hitzewelle die nächste ablöst und langanhaltender Landregen weiter nicht in Sicht ist, stellt sich die Frage: Was macht das mit unseren Bäumen? Eine Zwischenbilanz des Sommers 2026.
Aktuell herrscht europaweit extreme Trockenheit. Flüsse führen kaum Wasser, Regenmangel verschärft die Lage. Das hat negativen Einfluss auf Energieversorgung, Schifffahrt und Wirtschaftswachstum.
05.08.2026 | 2:16 minWie ist die Ausgangslage in den Wäldern?
Deutschlands Bäume leiden schon seit Jahren massiv unter Trockenheit und Hitze. Die Schäden begannen spätestens mit dem Dürrejahr 2018. Laut Waldzustandsbericht für 2025 kämpfen die deutschen Wälder seitdem weiter mit den gravierenden Folgen. Eichen, Buchen, Kiefern, Fichten und andere Bäume stehen also nicht erst jetzt unter hartnäckigem Klimastress. Unter den häufigsten Arten sind bereits vier von fünf Bäumen krank.
Welche Auswirkungen hat das auf Ökosysteme?
Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben herausgefunden, dass seit 2018 in ganz Europa ein Biomasseverlust, also der organischen Masse an Bäumen und Pflanzen, zu beklagen sei. Das bedeute auch einen hohen Verlust des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs.
Für die Ökosysteme ist das eine besorgniserregende Entwicklung: Bäume binden nicht nur das Treibhausgas CO2. Sie produzieren auch Sauerstoff, speichern Wasser, schützen Böden und bieten Lebensraum für unzählige Arten.
Dieser empfindliche Kreislauf des Lebens ist seit Jahren aus der Balance. "In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Holzvorrat der EU, verlieren gestörte Wälder jährlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar", heißt es in einer TUM-Mitteilung zu einer jüngst veröffentlichten Studie im Fachjournal "Nature Geoscience". "Während zunehmende Dürren Bäume schwächen, verbessern sie die Lebensbedingungen für Borkenkäfer."
Fast die Hälfte der ganzen Fläche Österreichs ist bewaldet. Die Wälder sind wie eine große, grüne Lunge, die Sauerstoff erzeugt und Kohlenstoff speichert.
19.08.2025 | 54:32 minWelche Folgen haben die Hitzewellen dieses Sommers?
Die im langjährigen Vergleich deutlich zu hohen Temperaturen und geringen Niederschläge haben vielerorts zum Austrocknen der oberen Bodenschicht geführt. Beispiel Nordrhein-Westfalen: "94 Prozent der Landfläche von NRW sind Ende Juli von ungewöhnlicher Trockenheit und Dürre betroffen - Tendenz steigend", berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.
Besonders angegriffen seien diesjährige Frühjahrsanpflanzungen von Laub- und Nadelgehölzen. "Es ist damit zu rechnen, dass auf den Wiederbewaldungsflächen, wo Sturm, Dürre und Borkenkäfer-Massenvermehrung gravierende Schäden hinterlassen haben, junge Pflanzen absterben." Ältere Bäume könnten aufgrund ihrer Verwurzelung in tieferen Bodenschichten zumeist noch ausreichend Wasserreserven finden.
Nur etwa jeder fünfte Baum in deutschen Wäldern gilt laut Waldzustandsbericht als gesund. Neben Klimafaktoren wie Hitze und Dürre schädigt weiterhin der Borkenkäfer die Bestände.
19.05.2026 | 2:53 minWas merkt man vor Ort?
Wer in diesen Wochen draußen unterwegs ist, wähnt sich vielerorts bereits beim Herbstspaziergang. Als Schutzreaktion auf die Hitze und die Trockenheit werfen viele Bäume teilweise oder sogar komplett ihr Blattwerk ab. In NRW fielen derzeit besonders in der Eifel und vor allem bei Birken und Linden viele gelb verfärbte oder sogar bereits kahle Baumkronen auf, berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz.
In Wuppertal sorgen sich die Anwohner um ihre Alleen. In der bergischen Großstadt mussten in diesem Jahr schon fast 1.000 vertrocknete Stadtbäume gefällt werden. "Die mehr als 80 Jahre alten Buchen in unseren Grünanlagen sind doch immer dran gewöhnt gewesen, dass die Sommer feuchter und kühl waren im Bergischen, mit der Hitze und der Trockenheit kommen sie gar nicht zurecht und vertrocknen rasant", berichtete der Wuppertaler Forstabteilungsleiter in der vergangenen Woche dem WDR.
Die durchschnittliche Höchsttemperatur in Westeuropa lag im Juli +4,4 °C über dem Durchschnittswert zwischen 1961 und 1990. Damit wäre es die größte Anomalität seit der Messung 1961. Bereits der Juni 2026 war der heißeste Juni nach Beginn der Aufzeichnung und der zweitwärmste auf globaler Ebene.
Vor allem eine Mischung aus extremer Hitze und extremer Trockenheit hat, etwa in Spanien und Frankreich, zu verheerenden Waldbränden geführt. In Frankreich gehörten die Emissionen der Brände zu den Extremen der vergangenen 24 Jahre, mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen für Millionen von Menschen.
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Hitzebelastung ein führender Grund für wetterbedingte Tote. Eine Studie des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen zeigt zudem, dass ein Viertel aller Hitzewellen zwischen 2000 und 2019 ohne den Klimawandel nicht möglich gewesen wären.
Quelle: ZDF
Wo sieht es in Deutschland besser und wo schlechter aus?
Laut "Hitze-Check 2026" der Deutschen Umwelthilfe sind zwischen 2018 und 2025 infolge der Klimakrise und der damit verbundenen Dürre bereits fast eine Million Bäume in 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern verschwunden. Besonders schlecht schnitten in der Gesamtauswertung Offenburg, Lahr und Mannheim ab.
Wuppertal gehörte dagegen neben Kiel zu den Städten, die positiv hervorstachen. Wuppertal setzt künftig auf hitzeresistente Baumarten wie die europäische Hopfenbuche, den Amberbaum oder die Esskastanie.
Rekordhitze, Waldbrände und Niedrigwasser: Wie teuer der Klimawandel jetzt schon ist und in Zukunft noch werden kann, analysiert ZDFheute live.
06.08.2026 | 12:58 minWie hoch sind die aktuellen Hitzeschäden?
Das lässt sich noch nicht belastbar sagen. Sicher schwäche die diesjährige Trockenheit die Bäume weiter, stellten die Forstexperten vom NRW-Landesbetrieb fest. Aber:
Viele Baumarten werden erst im nächsten Jahr mit deutlichen Absterbe-Erscheinungen in der Krone reagieren.
Insbesondere vorgeschädigte Bäume seien gefährdet, mittelfristig abzusterben. "An beispielsweise durch Wurzelpilzbefall geschädigten Bäumen ist in den nächsten Jahren mit deutlichen Folgeschäden zu rechnen." Derzeit sind wieder geschulte Teams in den Wäldern unterwegs, um deren Gesundheitszustand systematisch zu erfassen. Die Daten werden in die Waldzustandsberichte von Bund und Ländern einfließen. Erst dann wird das Gesamtausmaß zuverlässig sichtbar.
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27.07.2026 | 29:29 minWie schlimm sind die Aussichten für den Wald?
Der Waldexperte Cornelius Senf bleibt positiv. "Wälder sind durchaus in der Lage, sich von Störungen zu erholen", stellt der TUM-Professor fest. "Es besteht also Grund zur Hoffnung, denn die meisten gestörten Flächen werden wieder als Kohlenstoffspeicher fungieren." Dafür müsse die Waldbewirtschaftung aber an den Klimawandel angepasst werden.
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