Expertin über niedrige Pegelstände:"Rhein ist zentrale Lebensader für deutsche Industrie"
Klimaschäden treffen Industrie, Lieferketten und Verbraucher. Jeder Euro für Klimaschutz könne künftige Kosten um ein Vielfaches verringern, sagt Ökonomin Claudia Kemfert.
Wie teuer der Klimawandel jetzt schon ist und in Zukunft noch werden kann, analysiert ZDFheute live.
06.08.2026 | 12:58 minNiedrigwasser, Waldbrände, Rekordhitze - zum Teil sind das Auswirkungen des Klimawandels. Claudia Kemfert, Ökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, sieht insbesondere durch niedrige Wasserstände "alles in allem keine gute Situation für die deutsche Wirtschaft". Sie fordert höhere Investitionen in den Klimaschutz.
Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Claudia Kemfert ...
... zu den wirtschaftlichen Folgen von Niedrigwasser
"Der Rhein ist die zentrale Lebensader für die deutsche Industrie", erklärt Kemfert. Ein niedriger Pegelstand habe negative Folgen insbesondere für die Chemie-, Energie und Stahlindustrie.
"2018 hatten wir schon mal so ein Niedrigwasser. Da waren die volkswirtschaftlichen Kosten etwa 2,4 Milliarden Euro", so Kemfert. Der Konjunktur in Deutschland gehe es ohnehin nicht gut - "da kommen jetzt noch diese volkswirtschaftlichen Kosten oben drauf".
Das ist natürlich alles in allem keine gute Situation für die deutsche Wirtschaft.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Investitionen in Klimaschutz zahlen sich aus: Sie verhindern hohe Folgekosten und entlasten Wirtschaft und Gesellschaft langfristig.
06.08.2026 | 1:06 min... zu den Auswirkungen des Klimawandels
"Jeder Euro, den wir heute bezahlen für Klimaschutz, hat einen erheblichen Nutzen vom 1,8 bis sogar 4,8-Fachen", betont Kemfert. So sei es möglich, in Zukunft Klimaschäden zu vermeiden. "Wenn wir in Zukunftsmärkte investieren, modernisieren wir die deutsche Wirtschaft in Richtung Digitalisierung, Verbesserung der Infrastrukturen", sagt Kemfert. Das schaffe "erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile".
Trotz angespannter Wirtschaftslage hat die deutsche Industrie im Juni überraschend viele Großaufträge erhalten. Doch das Niedrigwasser bringe "neue Risiken für die Konjunktur, berichtet ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.
06.08.2026 | 1:02 min... leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und war zwischen 2009 und 2019 Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.
Zuvor hatte sie fünf Jahre lang die Professur für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität inne. Die Expertin für Energieforschung und Klimaschutz studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Bielefeld, Oldenburg und Stanford.
... zu den Kosten von Klimaschäden
Besonders teuer seien Überschwemmungen, Starkregen, Hitze, Dürren und Waldbrände, erklärt Kempfert. Aber auch Arbeitsausfälle oder Störungen von Lieferketten stellten schon heute erhebliche volkswirtschaftliche Kosten dar.
Studien haben gezeigt - auch unser Institut unter meiner Federführung - dass von 2000 bis 2021 in Deutschland allein 145 Milliarden Euro an Schäden aufgetreten sind.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Durch die neue Hitzewelle führt der Rhein so wenig Wasser, wie lange nicht mehr. Für Binnenschiffer kann das zu einem Problem werden.
06.08.2026 | 1:42 minDiese Schäden würden immer häufiger und immer intensiver auftreten. Das führe bei Menschen im Alltag zu höheren Preisen etwa für Lebensmittel, für Energie und Transport aber beispielsweise auch zu höheren Versicherungsbeiträgen. "Die Verbraucher merken es an allen Ecken und Enden."
Wir zahlen einen sehr hohen Preis für die Klimakrise.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Das Interview führte Barbara Parente. Zusammengefasst hat es David Metzmacher.
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