Wadephul reist nach Nordafrika:Algerien - Energiepartner mit Schattenseiten
von Anne Arend
Außenminister Wadephul besucht Tunesien und Algerien: Als Energiepartner wird Algerien immer wichtiger. Die Wirtschaft profitiert, doch Freiheitsrechte bleiben eingeschränkt.
Erdgas, Solarenergie und grüner Wasserstoff machen Algerien zum gefragten Partner Europas. Doch der wirtschaftliche Aufschwung trifft auf ein umstrittenes politisches System und fehlende Perspektiven.
31.08.2026 | 2:13 minIn einer Metallfabrik in einem Vorort von Algier laufen die Maschinen inzwischen rund um die Uhr. Das mittelständische Unternehmen SPS liefert Bauteile für Solaranlagen in der algerischen Wüste und schafft neue Jobs. "Früher haben wir Industriehallen gebaut, doch die Aufträge kamen nur unregelmäßig. Heute profitieren wir vom Ausbau der Solarenergie", berichtet Schichtleiter Salem Kour Brahim.
Algerien setzt auf Sonne und Gas
Algerien verfügt über gute Voraussetzungen für den Ausbau erneuerbarer Energien. Mehr als 80 Prozent seiner Fläche bestehen aus Wüste. Gleichzeitig besitzt das nordafrikanische Land eines der größten Erdgasvorkommen Afrikas.
Nach Einschätzung der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer (AHK Algerien) wird Algerien für deutsche Unternehmen immer wichtiger. Das Land biete nicht nur umfangreiche Energie- und Rohstoffvorkommen, sondern auch eine junge, gut ausgebildete Bevölkerung, eine vergleichsweise gut ausgebaute Infrastruktur und die Nähe zu Europa, sagt Oliver Blank, Geschäftsführer der AHK Algerien.
Wadephul wirbt für engere Kooperation mit Algerien
Anfang Juli wurde erstmals Flüssiggas direkt aus Algerien nach Wilhelmshaven geliefert. Perspektivisch soll auch grüner, also klimafreundlich hergestellter Wasserstoff exportiert werden.
Auch die Bundesregierung misst Algerien eine wachsende strategische Bedeutung bei. Vor seinem Besuch in Algier erklärte Außenminister Johann Wadephul (CDU), angesichts globaler Umbrüche und Instabilität sei eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Nordafrikas für Deutschland und Europa von entscheidender Bedeutung. Algerien sei dabei "ein strategischer Partner in der Energie- und auch in der Sicherheitspolitik".
Algerien ist bereits heute einer der wichtigsten Gaslieferanten für die Europäische Union, als zukünftiger Lieferant mit riesigem Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff wird Algeriens Bedeutung noch einmal zunehmen.
Außenminister Johann Wadephul, 31.08.2026
Kritiker sorgen sich um die Menschenrechte
Die Einnahmen aus dem Energiegeschäft haben Algeriens Wirtschaft und Staatsfinanzen Auftrieb gegeben. Gleichzeitig bleibt die politische Lage umstritten. Kritiker beschreiben das Land als von einem dichten Geflecht aus Militär und politischen Eliten geprägt.
- Wahl in Algerien: Wie ein Präsident seine Macht sichert
Viele Menschen äußern sich nur zurückhaltend zur Politik, viele haben resigniert. "Selbst wenn man die besten Abschlüsse der Welt hat, kommt man nicht weiter", sagt Mohammed Saleh Lunas, ein junger Englischlehrer. Es fehle an Transparenz und Chancengleichheit. Ein anderer berichtet, dass mehrere ehemalige Studienkollegen das Land bereits verlassen hätten. Der Wunsch auszuwandern ist weit verbreitet. Offen darüber zu sprechen, fällt vielen schwer.
Im Juli besuchte Bundesaußenminister Wadephul Nigeria und andere afrikanische Staaten.
21.07.2026 | 2:27 minDie Forderungen der Protestbewegung "Hirak" nach Reformen und politischer Freiheit sind weitgehend ungehört geblieben. Mehrere Regimekritiker sitzen in Haft. Organisationen wie die Internationale Liga für Menschenrechte kritisieren, dass Fragen der Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in den Hintergrund geraten könnten, je wichtiger Algerien als Energiepartner wird.
Algeriens Rolle wird gestärkt
In der Wirtschaft dagegen ist das Selbstbewusstsein spürbar gewachsen. "Die Entwicklung, die wir gerade erleben, wurde auch durch geopolitische Veränderungen ausgelöst", sagt SPS-Geschäftsführer Mehdi Bendimerad. "Ob die Krise im Nahen Osten oder andere Konflikte: Algerien präsentiert sich als verlässlicher Partner."
Mit der Energiepartnerschaft steigen die wirtschaftlichen Erwartungen auf beiden Seiten des Mittelmeers. Gleichzeitig bleiben Forderungen nach mehr Transparenz und Meinungsfreiheit im Raum.
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