CDU-Politiker sieht EU und Bund zuständig:Kretschmer zur VW-Krise: "Wir sind zu teuer"
VW steckt in der Krise, Werkschließungen drohen. Betroffen ist auch Zwickau. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert im ZDF zügig Deregulierung und Senkung der Energiekosten.
8.000 Beschäftigte bangen um die Zukunft des VW-Werks Zwickau. "Wir reden nicht über Subventionen", sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er fordert weniger Regulierungen und niedrigere Kosten.
31.08.2026 | 6:10 minVolkswagen ist ins Wanken geraten. Zehntausende Arbeitsplätze sind bedroht, ganze Standorte des Konzerns stehen auf dem Prüfstand. Zu ihnen gehört auch das VW-Werk im sächsischen Zwickau.
"Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Und auch bei den Fabrikkosten liegen andere Werke noch deutlich günstiger", sagt Konzern-Chef Oliver Blume.
Ist der Standort Zwickau denn noch zu halten? Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer gibt sich da optimistisch. "Ja, klar", sagte der CDU-Politiker im ZDF-Morgenmagazin. "Muss ja auch."
Wir reden hier über Volkswagen. […] Natürlich wird es das Unternehmen schaffen, wieder ganz vorne dabei zu sein.
Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen
In Zwickau ist wie auch an anderen VW-Standorten offen, wie es nach 2030 weitergehen soll. Dabei war es das erste Werk, das auf E-Mobilität setzte. Jetzt bangen 8.000 Beschäftigte um ihre Jobs.
31.08.2026 | 2:46 minVolkswagen in Sachsen, in Zwickau-Mosel, sei "das effizienteste Werk in Deutschland". "Natürlich hat es - wenn es nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit geht - auf jeden Fall eine Zukunft."
Kretschmer sieht Bund und EU in der Pflicht
Dafür sei aber eine Unterstützung von Seiten der deutschen Politik und der EU notwendig. Kretschmer denke dabei nicht an finanzielle Hilfen, sondern an "weniger Regulierung, mit weniger Kosten - beispielsweise beim Thema Energie".
Kretschmer verteidigte seinen Vorschlag, die 40-Stunden-Woche bei VW wieder einzuführen - offenbar bei gleichbleibendem Lohn. Die IG Metall Sachsen hatte diese Idee abgewiesen.
Wir sind zu teuer. Jetzt müssen wir uns dieser Realität stellen.
Michael Kretschmer
Wenn es darum gehe, entweder ins günstigere Ausland zu verlagern und die 35-Stunden-Woche zu halten - wie es bei Mercedes im Gespräch sei - oder statt 35 Stunden 40 zu arbeiten und "ein Stück weit effizienter bei Krankheitstagen und ähnlichem zu sein", dann plädiere er dafür, darüber in Ruhe zu reden. Kretschmer verwies in dem Zusammenhang auf den so genannten "Pakt für Deutschland" , den der Ministerpräsident im Frühjahr aufs Neue ins Spiel gebracht hatte.
Was ist der "Pakt für Deutschland"?
Das waren die wichtigsten Ziele:
- Entbürokratisierung - vor allem mit Blick auf Wohnungsbau, Genehmigungsverfahren für alternative Energien und Infrastrukturprojekte
- Digitalisierung der Verwaltung: Staatliche Behörden sollten radikal modernisiert werden
- Unterstützung für Unternehmen: Entlastungen und Investitionen sollten der Wirtschaft neue Kraft geben
- Bessere Kontrolle der Migration: Dieser Punkt war ein Zugeständnis an die Forderungen einiger Bundesländer (wie Sachsen) und der Opposition; irreguläre Migration sollte besser begrenzt und gesteuert werden
- Drastische Deregulierung
- Senkung der Energiekosten
- Infrastruktur- und Nebenkostensenkung
- Hinterfragen von Standards
- Flexibilisierung der Arbeitszeit
- Verzicht auf Verschuldung für Subventionen
Im ZDF-Interview sagt VW-Chef Oliver Blume, dass derzeit nach Lösungen gesucht wird, um Werksschließungen zu vermeiden. Dabei sei eine Zusammenarbeit mit anderen industriellen Partnern denkbar.
24.07.2026 | 8:20 minNeben den Löhnen seien aber auch andere Kriterien für die hohen Ausgaben verantwortlich, stellte Kretschmer in den Raum und verwies wieder auf das Thema Energie. Die Kosten dafür in Deutschland seien die höchsten in Europa. Der Regulierungsrahmen der EU - zum Beispiel für E-Autos und Verbrenner sei "völlig aus der Zeit gefallen", aus Kretschmers Sicht.
Kretschmer lehnt Subventionen der Landesregierung ab
Seine eigene Landesregierung sieht Kretschmer eher nicht in der Pflicht. Subventionen etwa machten das Problem nur größer, verschiebe es in die Zukunft. "Deregulierung, Energiekosten, das sind ganz zentrale Punkte."
Das Interview führte ZDF-Morgenmagazin-Moderator Andreas Wunn, zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteurin Nicola Frowein.
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