Noch härterer Sparkurs:VW-Chef Blume: "Lage ist mehr als kritisch"
Volkswagen-Chef Oliver Blume will weiter massiv sparen. Nun stehen in vielen Autowerken Betriebsversammlungen zu Stellenstreichungen an. Was ist die Strategie des VW-Managements?
VW-Chef Oliver Blume: Bisherige Einsparungen reichen noch nicht aus. (Archivbild)
Quelle: ddpKaum sind die Werksferien beendet, ist es mit der Ruhe bei Volkswagen vorbei: Konzernchef Oliver Blume hat kurz vor einer Serie von Betriebsversammlungen eine angespannte Situation für den größten Autobauer Europas beschrieben. "Die Lage ist mehr als kritisch", sagte der Konzernchef in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde.
Wir stemmen gerade das umfassendste Zukunftsprogramm in der Geschichte unseres Unternehmens.
Oliver Blume, VW-Chef
Dafür sei ein eindeutiges Mandat des Aufsichtsrats nötig, dem Vorstand "Vertrauen, Verantwortung und uneingeschränkte Handlungsfähigkeit zu geben und den eingeschlagenen Weg konzernweit mitzutragen".
Der VW-Gewinn ist im zweiten Quartal 2026 um ein Drittel eingebrochen. VW-Chef Oliver Blume will mit Sparmaßnahmen und innovativen Produkten wieder punkten.
24.07.2026 | 2:38 minBetriebsversammlungen zum Sparkurs stehen an
Damit bezog sich Blume auf eine Serie an Betriebsversammlungen in den kommenden Tagen. Insgesamt sind bis Ende August neun Betriebsversammlungen etwa in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.
Bis 2030 sollen 50.000 Jobs wegfallen, weltweit womöglich noch mehr, berichtet ZDF-Reporter Peter Kunz. Hauptgrund bleibt der Umsatzeinbruch in China und die steigenden Produktionskosten.
24.07.2026 | 3:33 minDie Rendite von 3,8 Prozent sei im gegenwärtigen Umfeld zwar solide, reiche aber nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel für neue Technologien und Produkte zu erwirtschaften, so Blume. Der Konzern sei überdimensioniert, zu langsam und zu kompliziert. Bisherige Einsparungen, etwa um durchschnittlich 20 Prozent gesenkte Fabrikkosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr, seien noch nicht ausreichend.
Bei Volkswagen drohen Werksschließungen an vier Standorten, darunter Zwickau. Nach der Aufsichtsratssitzung herrscht weiter Unsicherheit. Für die Region wären die Folgen gravierend.
10.07.2026 | 1:51 minUnklar, wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden
Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Das Maßnahmenpaket solle noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Diskutiert werde etwa um vier Werksstandorte und bis zu 50.000 zusätzliche Stellenstreichungen.
Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm wiederholte Blume im Interview, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe.
Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen ist nicht getroffen.
Oliver Blume, VW-Chef
Eine fehlende Nachfolgebelegung sei noch keine Werksschließung. Für den Fall, dass für einen Standort keine Lösung gefunden werde, ende die Verantwortung von VW aber nicht. Werksschließungen sind immer die teuerste und letzte Lösung", sagte Blume. Die häufig genannte Zahl von 50.000 bedrohten Stellen bezeichnete Blume als "keine fixe Zielgröße".
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