Daten zu Umstiegen vom Verbrenner:So boomen E-Autos - jetzt auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt
von Sven-Hendrik Hahn
Bei fast jedem achten Fahrzeugwechsel wird laut Daten von HUK-COBURG vom Verbrenner auf ein E-Auto umgestiegen. Erstmals boomen gebrauchte Elektroautos trotz früherer Vorbehalte.
Gebrauchte E-Autos waren bisher nicht so beliebt, unter anderem wegen Unsicherheiten bezüglich der Lebenszeit der Akkus. Im Zuge steigender Spritpreise ändert sich diese Haltung zunehmend.
10.08.2026 | 1:30 minDer Umstieg auf Elektroautos nimmt Fahrt auf. Das aktuelle HUK-E-Barometer zeigt: Erstmals wird bei rund 12 Prozent der privaten Fahrzeugwechsel ein Verbrenner durch ein reines E-Auto ersetzt. Grundlage sind Bestandsdaten der HUK-COBURG, mit 14,5 Millionen versicherten Fahrzeugen Marktführer. Und: Auch gebrauchte Stromer, die wegen möglicher Mängel etwa bei den Akkus kritisch beäugt wurden, sind gefragt.
E-Autos: Versicherer sieht "Einstieg in den Massenmarkt"
Die Umstiegsquote im zweiten Quartal 2026 lag mit über 10 Prozent so hoch wie nie - vor Beginn des Iran-Kriegs waren es im Januar und Februar erst 6,3 Prozent. HUK-Vorstand Jörg Rheinländer sagt: "Diese wirklich starke Veränderung, das hat mich überrascht."
Für ihn ist der Sprung über die Zehn-Prozent-Marke "der Einstieg in den Massenmarkt". Gestützt wird der Trend durch eine repräsentative YouGov-Umfrage im Rahmen des Barometers: Erstmals bewerten mehr als die Hälfte der Deutschen E-Autos positiv.
Die steigenden Spritpreise sollen sich positiv auf den Verkauf von E-Autos auswirken, so ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller. Profitieren würden vor allem ausländische Anbieter.
10.08.2026 | 1:06 minAuch Zahlen bei gebrauchten Elektroautos ziehen an
Auffällig ist der Schub bei Gebrauchtwagen: Ihr Anteil an den Umstiegen kletterte binnen eines Quartals von 5 auf 7,9 Prozent - und das, obwohl der Gebrauchtwagenmarkt derzeit schwierig ist, wie Auto-Expertin Helena Wisbert von der Hochschule Ostfalia betont. Sie nennt folgenden Grund:
Auf dem Gebrauchtwagen-Markt haben wir zum Teil Preisvorteile von 15 bis 20 Prozent bei den Elektroautos im Vergleich zu vergleichbaren Verbrennermodellen.
Helena Wisbert, Auto-Expertin der Hochschule Ostfalia
Besonders deutlich zeigt sich der Effekt bei Vielfahrern, die bei gebrauchten E-Autos inzwischen mehr als doppelt so häufig umsteigen wie Wenigfahrer (10,7 Prozent zu 4,5 Prozent): "Die sind besonders betroffen durch die sehr hohen Spritpreise aufgrund des Iran-Konflikts", erklärt HUK-Vorstand Rheinländer.
Immer mehr Verbraucher wechseln zu E-Autos, das zeigt eine Auswertung der Versicherungsgruppe HUK-Coburg. Ein Grund dafür ist die staatliche E-Auto-Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro.
28.05.2026 | 1:42 minAutohändler: Schnelle E-Auto-Verkäufe statt Ladenhüter
"Autoexpo"-Geschäftsführer Dennis Schmidt, einer der größten deutschen Gebrauchtwagenhändler, erlebt das im Tagesgeschäft: "Gebrauchte E-Mobilität steht bei uns vom Moment der Preisauszeichnung an keine 20 Tage auf dem Hof."
Die Sorge um schwache Batterien schwinde, weil unabhängige Zertifikate belegten, dass die meisten Fahrzeuge noch über 90 Prozent Batteriegesundheit haben: "Von diesen Werten nach drei, vier Jahren träumt jeder Handynutzer." Autoexpertin Wisbert bestätigt: "Die Batterie hält viel länger als prognostiziert." Hinzu kommen derzeit viele Leasing-Rückläufer aus den Boom-Jahren.
Welche Marken sind besonders gefragt?
Bei den Marken zeigt sich ein gespaltenes Bild. Bei Neuwagen verlieren fast alle deutschen Hersteller Anteile an Importmarken: Tesla schoss nach dem Einbruch 2025 wieder auf 12,2 Prozent, chinesische Marken wie BYD und Leapmotor legten kräftig zu. Bei Gebrauchtwagen dagegen dominieren VW, Audi und Skoda - VW allein kommt auf 17,1 Prozent.
Der Grund: Rund zwei Drittel aller Neuwagen werden gewerblich als Dienst- oder Flottenfahrzeuge gekauft und kommen als Leasing-Rückläufer in den Gebrauchtmarkt - aktuell überwiegend deutsche Modelle. Auch Plug-in-Hybride profitieren laut HUK-Barometer: Ihre Umstiegsquote bei Gebrauchtwagen zog 2026 auf 4 Prozent an, während reine Mild- und Voll-Hybride demnach an Boden verlieren.
Wie stehen E-Autos wirklich da? Wir entlarven gängige Vorurteile zu Ladezeit, Reichweite und Preis - und zeigen, was heute technisch und finanziell möglich ist.
26.05.2025 | 3:03 minExpertin: Hohe Spritpreise fördern Umstieg
Die staatliche Kaufprämie für elektrische Neuwagen in Höhe von bis zu 6.000 Euro ist umstritten. Sie kostet Milliarden Euro, nutzt aber vor allem denen, die sich einen Neuwagen leisten können. Elektromobilität sei im Massenmarkt angekommen, so Wisbert: "Mit Blick auf den Auslauf der Kaufprämie oder Kaufförderung gehe ich davon aus, dass der Markt sich trotzdem trägt", so die Professorin für Automobilwirtschaft.
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"Neue Elektroautos sind nicht mehr so viel teurer als vergleichbare Verbrennermodelle, und die Spritpreise, die ein neues Rekordniveau erreicht haben, die fördern das Ganze auch", sagt Wisbert. Günstige Betriebskosten und längere Haltbarkeit - handfeste Gründe für den Umstieg auf Strom.
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