Studie: Plug-in-Hybride stoßen viel mehr CO2 aus als angegeben

Exklusiv

Mehr Emissionen als angegeben:100 Millionen Tonnen mehr CO2 durch Plug-in-Hybride

von Nathan Niedermeier

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Plug-in-Hybride stoßen mehr Emissionen aus als von Herstellern angegeben. Die Bundesregierung will die Autos trotzdem weiter bevorteilen, zeigt eine Recherche von ZDF frontal.

elektroauto an einer ladestation

Trotz der bis 2035 geplanten Klimaneutralität bei Fahrzeugen, setzt sich die Bundesregierung für die weitere Zulassung von Plug-in-Hybriden ein.

02.06.2026 | 2:13 min

Unter Fachleuten wird es bereits seit geraumer Zeit diskutiert: Autos mit Verbrenner- und Elektromotor, sogenannte Plug-in-Hybride, stoßen in der Realität viel mehr klimaschädliches CO2 aus als von den Herstellern angegeben. Eine Studie, die ZDF frontal exklusiv vorliegt, bestätigt das.

Nach Berechnungen der Organisation The International Council on Clean Transportation (ICCT) wurden in der EU zwischen 2021 und 2025 ganze 100 Millionen Tonnen mehr CO2 ausgestoßen als von den Herstellern angegeben. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Straßenverkehr stößt derzeit etwa rund 145 Millionen Tonnen CO2 aus - pro Jahr.

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Real ausgestoßene Emissionen höher

ICCT hat die Daten von einer Million Fahrzeugen ausgewertet, die zwischen den Jahren 2021 und 2023 in der EU zugelassen wurden. Die Daten stammen von der Europäischen Umweltagentur, die diese sammelt und veröffentlicht. Neuere Daten sind noch nicht verfügbar.

Bei den Autos zeigt sich eine drastische Abweichung zwischen den zugelassenen Werten und den real ausgestoßenen Emissionen. ICCT-Europa-Geschäftsführer Peter Mock betont:

Plug-in-Hybride verbrauchen im Durchschnitt auf der Straße vier bis fünf Mal so viel Kraftstoff wie vom Hersteller beworben. Und das gleiche gilt auch für die CO2-Emissionen.

Peter Mock, ICCT-Europa Geschäftsführer

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Plug-in-Hybride besonders beliebt als Dienstwagen

Dass die Emissionen in der Realität so viel höher sind, liegt daran, dass die Autos viel mehr mit dem Verbrennungsmotor fahren, als bei den offiziellen Angaben kalkuliert. Die bei der Zulassung der Autos für die Emissionen festgelegte Berechnungsmethode, der sogenannte Utility Factor, bildet also die tatsächlichen Emissionen der Fahrzeuge falsch ab.

Das dürfte auch daran liegen, dass Plug-in-Hybride besonders beliebt sind als Dienstwagen, auch dank steuerlicher Vorteile. Dienstwagennutzer bekommen das Tanken häufig vom Arbeitgeber bezahlt, das Laden jedoch eher nicht, sagt Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, der seit Jahren zum Thema forscht.

Im Interview mit ZDF frontal betont Plötz:

Es ist nicht das einzelne Fahrzeug per se gut oder schlecht, sondern es hängt sehr stark vom Ladeverhalten ab.

Patrick Plötz, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung

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Emissionen bei manchen Regierungsautos auch höher

Auch unter den Regierungsmitgliedern setzen nicht wenige auf Plug-in-Hybride als Dienstwagen. Mindestens die Ministerinnen Dorothee Bär (CSU), Verena Hubertz (SPD), Stefanie Hubig (SPD), Alois Rainer (CSU), Katherina Reiche (CDU) und Verkehrsminister Patrick Schnieder (SPD) werden in Plug-in-Hybriden chauffiert. Das ergab eine parlamentarische Frage des Grünen-Abgeordneten Julian Joswig.

ZDF frontal liegen für die Dienstautos dieser Regierungsmitglieder sowohl die realen Emissionen der Fahrzeuge als auch die zugelassenen Werte vor. Diese hat die Deutsche Umwelthilfe auf Grundlage von Angaben der Ministerien ermittelt. Vergleicht man die Werte, zeigt sich auch hier eine deutliche Differenz.

Dabei ist wichtig: Die Fahrzeuge der Ministerinnen und Minister sind erst recht kurz im Einsatz und die Daten daher nicht repräsentativ. Dennoch zeigt sich: Auch bei den Plug-in-Hybriden der Regierungsmitglieder springt oft der Verbrennungsmotor an.

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Auf EU-Ebene ist das Problem bereits bekannt. Deshalb soll nach dem Willen der EU-Kommission 2027 eine Anpassung der Berechnungsgrundlage erfolgen. Die Pläne würden laut Fachleuten die Lücke zwischen Papier und Realität deutlich verringern, wenn auch nicht ganz verschwinden lassen. Doch die Bundesregierung hat sich dagegen ausgesprochen.

Wir sind uns einig, dass wir die bisher für 2027 vorgesehene Verschärfung bei den CO2-Werten der hybriden Fahrzeuge ablehnen.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, 13.04.2026

Dabei ist auch der Bundesregierung das Problem nach ZDF-frontal-Recherchen durchaus bekannt. Das Umweltministerium gab im vergangenen Herbst selbst eine Studie zum Thema in Auftrag.

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Regierung macht sich für Plug-in-Hybride stark

Das beauftragte Forschungskonsortium - an dem Patrick Plötz federführend beteiligt war - kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Emissionen in der Realität viel höher sind als auf dem Papier. Das Umweltministerium räumt auf Nachfrage von ZDF frontal ein, die Studie seit Februar vorliegen und mit anderen Ministerien im Rahmen von "regierungsinternen Abstimmungen" geteilt zu haben. Die Bundesregierung kannte das Ergebnis also rund zwei Monate vor ihrer Entscheidung, sich gegen die Anpassung der Berechnungsgrundlage einzusetzen.

Auch sonst macht sich die Regierung für Plug-in-Hybride stark. Im vergangenen November hatte Friedrich Merz verkündet, er wolle sich in der EU dafür einsetzen, dass Plug-in-Hybride auch nach 2035 weiterhin in der EU zugelassen werden dürfen. Es ist eine von weiteren Aufweichungen, die die Regierung bei dem eigentlich geplanten Zulassungsstopp für neue Verbrenner ab 2035 in der EU durchsetzen will.

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Sollte die Bundesregierung sich mit ihrer Haltung bei den Plug-in-Hybriden durchsetzen, wäre das "aus Sicht der verkehrsbedingten CO2-Emission fatal", sagt Patrick Plötz. Die Automobilindustrie hingegen würde gleich mehrfach profitieren. Einerseits erleichtere das den Herstellern, ihre europäischen Emissions-Vorgaben einzuhalten, und andererseits verdiene die Industrie mit den Fahrzeugen "vermutlich auch in der Regel relativ gut".

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Über das Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 02.06.2026 ab 12 Uhr. Den ganzen Beitrag sehen Sie am Abend ab 21 Uhr in der ZDF-Sendung frontal.

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