Deutschlands teure Steuerprivilegien:Diese drei Steuervergünstigungen kosten den Staat viel Geld
von Susanne Pohlmann
Deutschland diskutiert über Sparzwänge. Gleichzeitig verzichtet der Staat jedes Jahr auf Milliarden durch steuerliche Privilegien. Drei Beispiele, wo der Staat Geld verschenkt.
Während an allen Ecken das Geld fehlt, verzichtet der deutsche Staat gleichzeitig auf Milliardenbeträge, die er über Steuern einnehmen könnte.
28.05.2026 | 1:04 min1. Dienstwagenprivileg
Das Dienstwagenprivileg erlaubt es, Firmenwagen pauschal mit einem Prozent des Listenpreises pro Monat zu versteuern - unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Pauschalen gibt es auch für E-Dienstwagen und viele Plug-in-Hybride. Diese sind auf 0,25 beziehungsweise 0,5 Prozent des Listenpreises abgesenkt.
Die Kritik
Die Regelung setzt Anreize, große, teure, oft klimaschädliche Neuwagen zu kaufen.
Die fiskalische Förderung des Autos funktioniert immer so, dass die Kosten von der Steuerschuld abzugsfähig gemacht werden. Dieser Logik folgend profitieren (…) vor allen Dingen Haushalte mit hohen Einkommen.
Prof. Dr. Andreas Knie, Sozialwissenschaftler, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Bis Anfang Juli plant die Koalition ein großes Paket zu den Themen Steuern, Arbeit, Pflege, Rente und Bürokratieabbau. Doch bei zentralen Fragen fehlen noch klare Antworten.
27.05.2026 | 2:26 minDas könnte man ändern
Höhere Besteuerung großer Verbrenner oder Besteuerung nach tatsächlicher Nutzung könnte die staatlichen Einnahmen erhöhen und ökologische Ziele unterstützen.
So viel Geld entgeht dem Staat
Rund zweieinhalb Milliarden Euro jährlich, berechnete Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im April 2025.
Die aktuelle Steuerschätzung erwartet für 2026 rund 18 Milliarden Euro weniger Einnahmen. Bundesfinanzminister Klingbeil führt dies auch auf den Irankrieg zurück.
07.05.2026 | 1:45 min2. Dieselprivileg
Diesel wird im Vergleich zu Benzin steuerlich begünstigt. Die Energiesteuer beträgt etwa 18 Cent weniger pro Liter, obwohl der CO2-Ausstoß pro Liter höher ist.
Die Kritik
Ursprünglich wurde Diesel günstiger gemacht, um Wirtschaft und Güterverkehr zu entlasten. Doch das war bereits 1939, als das Mineralölsteuergesetz erstmals in Kraft trat. Heute profitieren vor allem private Autofahrer und große Flotten.
Diese Fokussierung auf das Auto als zu förderndes Verkehrsmittel ist daher aus der Zeit gefallen.
Prof. Dr. Andreas Knie, Sozialwissenschaftler, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Die EU-Kommission schlägt vor, ab 2035 Ausnahmen für Autos mit Verbrennern zuzulassen. Neuwagen mit CO2-Ausstoß könnten erlaubt bleiben, wenn die Emissionen kompensiert werden.
16.12.2025 | 1:42 minDas könnte man ändern
Eine Angleichung an die Benzinsteuer könnte die Einnahmen steigern und Emissionen senken.
So viel könnte der Staat einnehmen
Jährlich etwa neun Milliarden Euro, so eine Berechnung der Deutschen Umwelthilfe.
Der ADAC meldet, dass erstmals seit Anfang März Diesel wieder billiger als die günstigste Benzinsorte E10 ist. Im bundesweiten Tagesschnitt kostete ein Liter Diesel am Samstag knapp unter 2 Euro.
17.05.2026 | 0:21 min3. Fehlende Kerosinsteuer
Kerosin ist für internationale Flüge steuerfrei. Grundlage ist das Chicagoer Abkommen von 1944, das die Besteuerung von Treibstoff für internationale Flüge verbot, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man den noch kleinen Luftverkehr schnell aufbauen und global harmonisieren. Heute wird die Steuerfreiheit auch durch bilaterale Abkommen und EU-Recht geregelt.
Die Kritik
Fliegen wird indirekt steuerlich privilegiert und bleibt dadurch vergleichsweise günstig - zum Nachteil anderer Verkehrsmittel.
Durch den Iran-Krieg sind die Treibstoffpreise für Flugzeuge über 80 Prozent gestiegen. Die Reisebranche steht wegen der höheren Kosten enorm unter Druck.
11.04.2026 | 1:36 minDas könnte man ändern
Nationale Abgaben oder europäische Mindeststeuern werden diskutiert, sind jedoch politisch schwierig umzusetzen. Gerade jetzt sind durch den Iran-Krieg und den drohenden Ölmangel Luftfahrtunternehmen besonders unter Druck.
So viel könnte der Staat einnehmen
Laut Umweltbundesamt verzichtet Deutschland hier - je nach Berechnungsmethode - auf Einnahmen von rund fünf bis über acht Milliarden Euro jährlich.
Der Bundestag berät über dauerhaft niedrigere Steuern auf Flugtickets. Das könnte Preise senken – zugleich wächst die Kritik mit Blick auf Klimaschutz und steigende Emissionen.
21.05.2026 | 2:02 minMilliardenpotenzial mit politischer Sprengkraft
Für Sozialwissenschaftler Andreas Knie ist klar, welche Privilegien als erstes abgeschafft werden sollten: die Ein-Prozent-Regel bei privat genutzten Geschäftswagen und die Dieselvergünstigung.
Diese Privilegien könnten einfach gestrichen werden, es verlangt aber Mut.
Prof. Dr. Andreas Knie, Sozialwissenschaftler, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Insgesamt könnten Reformen bei den Steuerprivilegien dem Staat Experten zufolge zweistellige Milliardenbeträge einbringen. Doch jede Änderung betrifft starke Lobbygruppen - von der Autoindustrie bis zur Luftfahrtbranche. Die Frage bleibt: Wie lassen sich finanzielle Nöte, wirtschaftliche Interessen und soziale Fairness vereinen - und mit welchen Privilegierten traut die Regierung sich anzulegen?
Susanne Pohlmann ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Steuern
- FAQ
Luftverkehr:Bundestag senkt Ticketsteuer bei Flügen
mit Video1:32 Ringen um Möglichkeiten:Steuerreform: Zieht die Union eine rote Linie?
von Mathis Feldhoffmit Video8:27Debatte um Einkommensteuer:Wenn der Handwerker als Spitzenverdiener gilt
von Manuela Christ und Claudia Krafczykmit Video8:27Stiftung Warentest prüft Steuersoftware:So gut klappt die Steuererklärung per Handy und PC wirklich
von Cornelia Petereitmit Video0:53