Elektroauto boomt: Mehr Zulassungen in Deutschland

Hohe Spritpreise in Deutschland:E-Autos boomen: Was Zulassungs-Zahlen aussagen

von Karen Grass

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Die hohen Spritpreise haben das Interesse an E-Autos zuletzt wachsen lassen. Auch Suchanfragen auf Gebrauchtwagen nehmen zu. Was der Iran-Krieg damit zu tun hat.

E-Auto wird auf einem Parkplatz für Elektro-Fahrzeuge geladen.

Vergleich zum März 2025 gab es einen deutlichen Anstieg der Neuzulassungen von E-Autos. Auch wegen der aktuellen Spritpreise ist ein E-Auto für viele attraktiver.

07.04.2026 | 1:35 min

Von teurem Sprit wegkommen: Der Wunsch treibt beim Autokauf gerade so einige um. Laut VW ist das Interesse an Elektroautos mit den hohen Spritpreisen gestiegen, auch der Opel-Mutterkonzern Stellantis verzeichnet zuletzt ein "deutliches Anziehen der Nachfrage". Und große Autoportale wie mobile.de melden für März in der Spitze eine Verdreifachung der Suchanfragen nach E-Autos.

Unsere Marktforschung zeigt, die aktuelle Weltlage beeinflusst viele Konsumenten.

Florian Baur, mobile.de

43 Prozent der Befragten hätten in einer repräsentativen Umfrage von mobile.de angegeben, bei den aktuellen Spritpreisen gern auf E-Antrieb wechseln zu wollen. Dabei handelt es sich um Interessensbekundungen.

Großer Zuwachs bei Zulassungen von E-Autos im März 2026

Aber bringt die Ölkrise jetzt tatsächlich einen Boom für Elektroautos? Die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes für März scheinen das zu bestätigen: 66 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahresmonat - das klingt nach einem ordentlichen Schub.

Allerdings mahnen Fachleute, diesen Effekt nicht vorschnell den Folgen des Iran-Kriegs zuzuschreiben: "Es besteht ein zeitlicher Verzug von teils mehreren Monaten zwischen Bestellung und Zulassung eines Autos, Effekte durch den Krieg im Nahen Osten können sich deshalb heute noch nicht im Markt zeigen", erklärt eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Benzinpreise an einer Tankstelle in München.

Die geopolitische Lage spiegelt sich in Deutschland auch an den Zapfsäulen wider. Die ölverarbeitenden Industriebetriebe suchen Möglichkeiten, um mit der Krise umzugehen.

07.03.2026 | 1:34 min

Gebrauchte Elektroautos besonders gefragt

Anders verhält es sich bei direkt verfügbaren Gebrauchtwagen: Laut mobile.de wird jetzt häufiger nach gebrauchten E-Autos gesucht. Auch große Händler merken eine Veränderung: "Die Zapfsäulen-Situation hat in den letzten Wochen gerade bei E-Jahreswagen einen neuen Peak gebracht", sagt Florian Schlestein, Verkaufsleiter für Gebrauchtwagen bei Auto-Scholz-AVS in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Das hat wohl einigen, die vorher noch wegen der gebrauchten Batterien oder Reichweiten gezögert haben, den letzten Anstoß gegeben."

  • Im März 2026 wurden 70.663 Elektroautos neu zugelassen, das macht einen Anteil von 24 Prozent an allen Neuzulassungen aus, während neue Benziner auf 22,8 Prozent und Diesel auf 12,8 Prozent der Neuzulassungen kamen. Im Vormonat lagen die Zulassungszahlen bei 42.521.
  • Elektroautos machten auch in den vergangenen Monaten bereits stets etwa ein Fünftel der Neuzulassungen aus, mit Hybridfahrzeugen zusammengerechnet sogar gut ein Drittel.
  • Im Fahrzeugbestand sind vollelektrische Fahrzeuge allerdings immer noch eine Nische. Sie machen hier nur vier Prozent aus, während Verbrenner weiter über 90 Prozent der Fahrzeugflotte stellen.


E-Mobilität: Gründe für den Aufwärtstrend

Wolf-Peter Schill, Leiter des Bereichs "Transformation der Energiewirtschaft" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), betreibt einen E-Mobilitäts-Tracker und sieht eine Tendenz nicht erst seit Ausbruch des Iran-Krieges:

Die Elektromobilität zieht schon seit 2025 wieder langsam an, nachdem 2024 ein ziemliches Katastrophenjahr war.

Wolf-Peter Schill, betreibt E-Mobilitäts-Tracker

Grund für den Einbruch war damals die plötzliche Streichung der alten Kaufprämie.

Dass der Markt jetzt wieder zulegt, hat wohl neben den Kraftstoffpreisen mehrere Gründe: So kommen laut VDA gerade viele neue E-Modelle raus. Außerdem drängen chinesische Autobauer mit günstigen Preisen in den Markt: "Vor fünf Jahren haben chinesische Hersteller hier quasi noch keine Rolle gespielt", sagt DIW-Experte Schill. "Zuletzt kamen aber schon fast sieben Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge von dort, Tendenz steigend."

Gelbes BYD E-Auto aus China

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Für den weiteren E-Hochlauf ist nun laut Schill entscheidend, "wie schnell die chinesischen Hersteller ihren Vertrieb in Deutschland ausweiten können". Zu guter Letzt soll 2026 eine neue, sozial gestaffelte E-Auto-Prämie von bis zu 6.000 Euro private Autokäufe anreizen.

Laden entscheidet beim Elektroauto über die Kosten

Ein entscheidender Faktor für den Kauf eines E-Autos bleibt das Aufladen beziehungsweise die Kosten dafür: Ist das relativ günstig zu Hause möglich oder nur an öffentlichen Ladesäulen? Professor Stephan Sommer von der Hochschule Bochum und Katrin Kaestner vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen haben für das ZDF am Beispiel eines Vielfahrers, der zur Miete wohnt, eine Analyse vorgenommen. Angenommen, die Person würde mithilfe der neuen Prämie auf ein E-Auto umsteigen, dann könnte sie schon in Zeiten normaler Spritpreise über 800 Euro an Betriebskosten im Jahr sparen. Bei den aktuellen Preisen wären es weit über 1.000 Euro.

Benzinpreise an der Autobahntankstelle Koeschinger Forst an der A9.

Obwohl seit dem 1. April strengere Regeln bei der Erhöhung der Spritpreise gelten, steigen sie weiter. Die Debatte um Erleichterung für die Verbraucher geht weiter.

07.04.2026 | 1:34 min

Dass sich das E-Auto auch abseits der aktuellen extremem Preisspitzen lohnt, hängt allerdings an einer Bedingung: "Die Person sollte jederzeit zu Hause laden können, denn an öffentlichen Ladesäulen zahlt man teils das Doppelte und dann kann sich die Vorteilhaftigkeit drehen", sagt Stephan Sommer. Für Mieterinnen und Mieter ohne eigenen Stellplatz mit Lademöglichkeit ein Problem.

Ladeinfrastruktur

Laden soll so einfach werden wie Tanken - das ist das Ziel der Bundesregierung. Das Kabinett hat dazu einen "Masterplan Ladeinfrastruktur 2030" beschlossen.

19.11.2025 | 1:41 min

"Es kommt total darauf an, kann ich beim Arbeitgeber oder auch beim eigenen Stadtwerk günstig laden? Oder bin ich oft auf der Autobahn, wo es sehr teuer werden kann?", sagt Wolf-Peter Schill. Generell sei man mit rein öffentlichem Laden oft nicht wirklich günstiger unterwegs als mit Verbrenner, bekräftigt Schill. Der Umstieg auf ein E-Auto lohnt sich also nicht für alle gleichermaßen.

Karen Grass ist Redakteurin beim ZDF-Magazin WISO.

  • Die öffentliche Ladeinfrastruktur galt lange als Nadelöhr für den Hochlauf der Elektromobilität, hat zuletzt aber angezogen: So gibt es laut Bundesnetzagentur rund 188.000 öffentlich zugängliche Ladesäulen, ein Viertel davon waren Schnellladepunkte.
  • Im öffentlichen Raum ist die Tariflandschaft teils unübersichtlich und die Preise variieren je nach Anbieter stark - vor allem fürs Schnellladen: Dort können je nach Tarif und Verfügbarkeit entsprechender Ladepunkte Kosten zwischen 39 und 89 Cent je Kilowattstunde Strom entstehen.
  • Die Bundesregierung will an die Problematik heran und hat dazu einen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 vorgelegt. Der sieht mehr Förderung für Ladepunkte an Mehrparteienhäusern und im öffentlichen Raum vor und will mit einer Preistransparenzstelle für einen besseren Preisüberblick sorgen.


Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 07.04.2026 ab 19 Uhr.
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