Kriegsende durch Deal mit den USA?:Iran-Experte: "Irgendetwas scheint im Busch zu sein"
von Silas Thelen
Ultimatum verschoben, "gute Gespräche" mit Iran: US-Präsident Trump verbreitet Hoffnung auf eine Einigung mit Teheran. Der Weg dorthin sei aber weit, meint Nahost-Experte Reinicke.
"Produktive Gespräche" statt Angriffe auf iranische Energieanlagen: Warum US-Präsident Trump sein Ultimatum an Iran verlängert hat, analysiert ZDFheute live.
23.03.2026 | 34:14 minDonald Trump schiebt sein Ultimatum gegen Iran im Streit um die blockierte Straße von Hormus auf - und schürt mit seinem Bericht von "guten und produktiven Gesprächen" mit Teheran Hoffnung auf einen Deal. Iran dementierte Verhandlungen mit den USA. Wo stehen Iran und USA auf dem Weg zu einem möglichen Ende im Iran-Krieg? Bei ZDFheute live erklärt Nahost-Experte Andreas Reinicke:
Irgendetwas scheint - salopp gesagt - im Busch zu sein.
Andreas Reinicke, Nahost-Experte
Zwar dementiere der Iran Trumps Aussagen, jedoch wisse man, dass es Gespräche gebe. Dass es allerdings Gespräche "auf höchster Ebene" gebe, halte der ehemalige Botschafter für "ausgeschlossen".
Erst setzt Donald Trump Iran ein Ultimatum wegen der blockierten Straße von Hormus. Nach "produktiven Gesprächen" mit Iran ist es verschoben. Iran dementiert Gespräche mit den USA.
23.03.2026 | 2:48 minNahost-Experte: Iran sieht sich "in der Oberhand"
Das iranische Regime sehe sich selbst "in der Oberhand", so der Experte. "Das Problem ist eben aus unserer Sicht, dass (…) die Schließung der Straße von Hormus ein großer strategischer Vorteil ist." Nehme der Iran die Schließung der wichtigen Handelsroute zurück, gebe er seinen "entscheidenden Hebel aus der Hand".
Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.
Andreas Reinicke, Nahost-Experte
Von Seiten Irans gebe es große Vorbehalte gegen Verhandlungen mit den USA, so Reinicke: "Das Problem auf der iranischen Seite ist, dass sie den Amerikanern überhaupt nicht trauen." Daher sei es kompliziert, an den Verhandlungstisch zu treten. Daher müsse man zuerst "vertrauensbildende Maßnahmen" schaffen - Beispiel dafür wäre die Einstellung von Kampfhandlungen.
... war deutscher Botschafter in Syrien und Tunesien und leitet das Deutsche Orient-Institut in Berlin. Zudem war er Leiter der Vertretung in Ramallah.
Trump hat sein gegenüber Iran angekündigtes Ultimatum um fünf Tage verschoben. Die ZDF-Korrespondenten in Washington und Istanbul über die Entwicklungen.
23.03.2026 | 2:32 minReinicke: USA müssen aufhören, Irans Regierung zu töten
Langfristig werde Iran wohl dennoch verhandeln wollen, so Reinicke. Es sei klar, dass das Land die USA und Israel nicht besiegen könne. Dafür brauche es "einen glaubwürdigen Prozess, in dem beide Seiten glauben, dass man verhandeln kann". Dafür sei es seiner Einschätzung nach wichtig, der Führung in Teheran zu signalisieren, dass man nicht an einem Regimewechsel interessiert sei.
"Wenn das Regime das Gefühl hat, es werde sowieso sterben, sind sie natürlich in einer ganz anderen Selbstmord-Situation (…), als wenn sie als Verhandlungspartner mittelfristig akzeptiert würden." Daher müssten die USA von der Tötung weiterer iranischer Führungsmitglieder absehen, so der Experte.
Mehr als drei Millionen Menschen aus dem Iran sind auf der Flucht, einige erreichen den Irak. ZDF-Reporterin Golineh Atai spricht mit Betroffenen über Angst, Verlust und Hoffnung
23.03.2026 | 4:44 minExperte sieht "Startbemühungen"
Insgesamt sehe er dennoch einen positiven Aspekt der aktuellen Entwicklung:
Hoffnung gibt es schon. Denn man muss ja irgendwo starten.
Andreas Reinicke, Nahost-Experte
Trumps Äußerungen seien "Startbemühungen, auch Signale", so Ex-Botschafter Reinicke. Man werde in den nächsten Tagen sehen, wie diese aufgenommen würden. Mit der tatsächlichen Aufnahme von Gesprächen sei man "in einem neuen Spiel". Nun komme es auf kluge Verhandlungsführung an:
Da sind ja die Iraner, die als Erfinder des Schachspiels gelten, sehr gut. Ob das für Trump und sein Team gilt, werden wir dann sehen.
Andreas Reinicke, Nahost-Experte
Theveßen: Unklar, woher Trumps Optimismus kommt
Trumps Äußerungen hörten sich zwar so an, "als stünde ein Deal kurz bevor", erklärt auch ZDF-Washington-Korrespondent Elmar Theveßen bei ZDFheute live. Aber: "Man fragt sich ein bisschen, woher der Optimismus kommt." Konkrete Anhaltspunkte für eine Einigung zwischen Washington und Teheran fehlten aktuell noch.
Wir wissen also nur aus Sicht des Präsidenten, wie diese Gespräche zu werten sind.
Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington
Möglicherweise handle es sich bei Trumps Aussagen um einen Versuch, mit dem Optimismus die gestiegenen Ölpreise zu senken, so Theveßen. Andererseits sei denkbar, dass Trump versuche, Zeit für die Ankunft neuer militärischer Ressourcen in der Region zu gewinnen.
Iran zeige sich "fast ein bisschen triumphierend", so ZDF-Korrespondentin Gaa.
23.03.2026 | 4:45 minGaa: Iran sieht "amerikanische Schwäche"
"Man nimmt das in Teheran durchaus als amerikanische Schwäche wahr", erklärt Phoebe Gaa zur Verschiebung des US-Ultimatums. Das Regime in Teheran fühle sich bestätigt, "dass man mit der Straße von Hormus einen sehr einflussreichen Hebel in der Hand besitzt", meint die ZDF-Korrespondentin in Istanbul. Die Offenheit der USA für Verhandlungen habe man " fast ein bisschen triumphierend" wahrgenommen, so Gaa.
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