Zollstreit und Grönland-Einigung:Gipfel in Brüssel: Keine Entwarnung für Europa
von Isabelle Schaefers
Der Anlass des Gipfels hatte sich in Luft aufgelöst: Trump hatte die Zölle gegen einige EU-Länder zurückgezogen, den Grönland-Konflikt abgeräumt. Entspannt war in Brüssel niemand.
ZDF-Reporterin Anna Feist über Beschlüsse und die aktuelle Stimmung.
23.01.2026 | 4:45 minDer akute Druck war erstmal raus. Die EU Staats- und Regierungschefs mussten sich nicht eilig entscheiden, ob sie etwa die Handels-Bazooka zücken - das schärfste Schwert im Zollstreit. Denn der Zollstreit ist erstmal abgeräumt. Aber wie lange der Frieden anhält, das weiß niemand.
Und so nutzten die Europäer diesen Abend auch, um sich neu zu sortieren in Sachen Unabhängigkeit von den USA.
Bei dem EU-Sondergipfel habe Ursula von der Leyen neue Investitionen in die Sicherheit der Arktis bestätigt. "Was also bleibt, ist ein klares Bekenntnis zur Nato" - ZDF Korrespondentin Anna Feist aus Brüssel.
23.01.2026 | 2:44 minMehr klare Kante zeigen
Als der Zollstreit zwischen der EU und den USA im vergangenen Jahr tobte, hatte Europa sich noch schwer getan mit scharfen Maßnahmen und Einigkeit. Auch dieses Mal gab es Unterschiede in der angestrebten Gangart: Emmanuel Macron etwa angriffslustig, Friedrich Merz moderierend, Giorgia Meloni zurückhaltend. Und doch entstand das Gefühl einer geeinten und starken Gesamtstrategie der EU, einer Antwort auf Donald Trump, die mehr Selbstbewusstsein ausstrahlte.
Dass das womöglich zur Deeskalation der Lage beigetragen hat, haben die Europäer in ihrer Manöverkritik festgestellt. Und an dieser Haltung will man möglichst festhalten für kommende Zollstreitigkeiten. Denn jeder in Brüssel ist sich klar: Trump könnte jeden Tag erneut mit Zolldrohungen um die Ecke kommen.
Zunächst mal will die EU aber den am Mittwoch durch das Europaparlament eingefrorenen Zolldeal mit den USA wieder in Kraft setzen. Um nicht selbst Anlass für einen erneuten Handelskrieg zu liefern.
Das transatlantische Verhältnis sei sehr belastet. "Die USA sind jedoch nicht nur die Trump-Administration", sagt Dirk Wiese, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.
23.01.2026 | 5:10 minDie Arktis besser schützen
In der Grönland-Frage stand Europa die ganze Zeit sehr geschlossen an der Seite Dänemarks und Grönlands. Das Abkommen mit den USA begrüßen die Europäer - schon weil es so aussieht, als werde die Souveränität Dänemarks und Grönlands vorerst nicht mehr angetastet. Und dass die Nato die Arktis nun besser schützen soll, das fordern auch die Europäer schon lange.
Die EU will sich ebenfalls aktiv einbringen mit Investitionen - auch um es privaten Investoren dort leichter zu machen. Außerdem will die EU auch im Militärischen enger mit der Nato zusammenarbeiten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte diese Woche gar eine europäische Eisbrecherflotte. Dabei geht es nicht nur darum, den USA entgegenzukommen, sondern auch um die eigene Verteidigungsfähigkeit Europas.
Das hat es in 77 Jahren Nato nicht gegeben – Europa gegen Amerika. Wir erleben eine Kraftprobe, die die westliche Wertegemeinschaft vor scheinbar unlösbare Probleme stellt.
22.01.2026 | 28:39 minDie Ukraine nicht vergessen
Dass die Grönland-Zoll-Krise erst einmal aufgelöst scheint, ist aus Sicht der Europäer auch für die Ukraine gut. Denn die Sorge war, dass Trump die Ukraine gegen Grönland ausspielen könnte. Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die EU in Davos für ihre Tatenlosigkeit.
Das hat man in Brüssel irritiert zur Kenntnis genommen - auch, wenn man Verständnis für die Verzweiflung der Ukraine hat. Aber Europa ist der größte Unterstützer des Landes, arbeitet aktuell etwa an einem 90 Milliarden-Euro-Paket, das ab Frühjahr zur Verfügung stehen soll.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sorgt Selenskyjs Auftritt für Diskussionen. Nach einem Treffen mit Trump übt er scharfe Kritik an EU und Nato. ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet.
22.01.2026 | 1:08 minAuch bei den Friedensverhandlungen haben die Europäer die Ukraine immer unterstützt - auch, um einen Diktatfrieden zu verhindern. Gerade erst hatten sich die Europäer in Berlin und Paris einen Platz am Verhandlungstisch erkämpft.
Doch jetzt sollen die Verhandlungen wieder ohne Europa in den Vereinigten Arabischen Emiraten weitergehen. Europa versucht sich freizustrampeln von den USA - und hat als Mittel mehr Unabhängigkeit erkannt. Der Weg bleibt ein schwieriger.
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