Weltcup einen Monat nach der Tragödie:Crans-Montana: Ein Schritt zurück in die Normalität
von Victoria Kunzmann
Die Ski-Welt schaut an diesem Wochenende auf den Ort im Wallis, der vor vier Wochen Schauplatz einer Tragödie mit 40 Toten wurde. Wie ist der Stand der Ermittlungen?
Vier Wochen nach der Brandkatastrophe in der Schweiz rücken jetzt auch die örtlichen Behörden in den Fokus der Justiz: Ermittelt wird gegen Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde.
30.01.2026 | 2:35 minAn diesem Wochenende ist wenig normal in Crans-Montana, wenn die Athletinnen und Athleten bei den Weltcup-Rennen eine Woche vor den Olympischen Spielen antreten. Der Zielbogen ist schwarz gefärbt, mit Tafeln und Bannern wird der Opfer des verheerenden Unglücks am 1. Januar im Zielraum gedacht. "Unsere Gedanken sind bei euch", steht darauf.
Zugleich kommen immer mehr erschreckende Details aus der Nacht ans Licht. In der Silvesternacht starben durch einen Brand in der Bar "Le Constellation" in der Schweiz 40 Menschen, 116 wurden verletzt.
Kellner belastet Barbesitzer schwer
Kellner Gaetan arbeitete in der Neujahrsnacht in der Bar, er ist schwer gezeichnet, hat Brandwunden am Kopf, im Gesicht, an den Armen. Gaetan erhebt schwere Vorwürfe gegen Jacques M., den Betreiber des Nachtclubs. "Wir haben nie Anweisungen zum Notausgang bekommen, auch nicht dazu, was im Gefahrenfall, etwa bei einem Brand oder einem anderen Problem, zu tun ist", sagte er gegenüber "France Télévision".
Ich bin noch wütender, weil ich sehe, dass sie nicht in der Lage sind, die Verantwortung zu übernehmen, und das ist noch schlimmer.
Kellner Gaetan, arbeitete in der Bar "Le Constellation"
Etwa zwei Wochen vor dem großen Brand habe Jacques M. ihn gebeten, die Decke mit Schaumstoff neu zu verkleben - auf den Handyaufnahmen sieht man die improvisierte Konstruktion.
Super-G-Siegerin Malorie Blanc nach dem Rennen in Crans-Montana im Interview mit Amelie Stiefvatter.
31.01.2026 | 1:12 minJacques M. auf freiem Fuß - ein diplomatischer Eklat?
Barbesitzer Jacques M. wurde vergangene Woche Freitag gegen Kaution aus der Untersuchungshaft freigelassen, worauf die italienische Regierung mit Unmut reagierte. "Das ist eine Entscheidung, die wir für inakzeptabel halten. Sie verletzt nicht nur das Gedenken an die Opfer und Verletzten, sondern auch die Gefühle des gesamten italienischen Volkes und darüber hinaus", sagte Italiens Außenminister Antonio Tajani.
Einige Opfer stammten aus Italien, die Regierung hatte der Schweiz Hilfe bei der Aufklärung angeboten. Die soll aber abgelehnt worden sein.
Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte mit Unverständnis: "Warum hat niemand in der Bar die Musik ausgemacht? Niemand den Jugendlichen gesagt, sie sollen rausgehen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt? Warum? Zu viele Warum-Fragen!" Italiens Regierung zog ihren Diplomaten aus Bern ab und leitete eigene Ermittlungen ein.
Rund drei Wochen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat ein Schweizer Gericht die U-Haft gegen den Besitzer der Bar aufgehoben. Auflagen des Gerichts sollen eine Flucht verhindern.
23.01.2026 | 0:24 minDie Schweiz verteidigt sich
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin verteidigte hingegen das Verhalten seiner Behörden: "Wenn es Fehler gab, wenn es Versäumnisse gab, müssen Sanktionen verhängt werden. Aber das müssen die Gerichte entscheiden", sagte er vor einigen Tagen und bezog sich auf die Gewaltenteilung in seinem Land.
Dennoch ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft laut dem Schweizer Sender RTS nun auch gegen den ehemaligen Sicherheitsbeauftragten von Crans-Montana. Er habe schon seit Jahren von Sicherheitslücken in der Bar gewusst, aber nicht gehandelt. Zuletzt soll die Sicherheit dort 2019 überprüft worden sein.
Der Weltcup in Crans-Montana wenige Wochen nach der Brandkatastrophe soll laut Veranstalter den Menschen positive Emotionen geben. Die Rennen sind aber auch Olympia-Generalprobe.
31.01.2026 | 2:44 minEin Weltcup zwischen Hoffnung und Trauer
Vier Wochen nach dem Unglück schaut die Welt wieder nach Crans-Montana. Die letzten Rennen im Ski Alpin vor den Olympischen Spielen finden hier statt. Einige Teams legten in den vergangenen Tagen Kränze und Blumensträuße vor der Bar ab und zeigten so ihr Mitgefühl.
Für Didier Défago, den Chef des Organisationskomitees, gehört das Gedenken an die Verstorbenen zum Weltcup dazu: "Es wird immer Teil der Geschichte von Crans-Montana sein, was am 1. Januar passiert ist. Aber man darf auch Hoffnung haben an diesem Wochenende." Die Skirennen sollen zeigen, dass es weitergeht in Crans-Montana.
Victoria Kunzmann ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg, das auch für die Berichterstattung aus der Schweiz zuständig ist.
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