Crans-Montana: Mit Weltcup ein Schritt zurück in die Normalität

Weltcup einen Monat nach der Tragödie:Crans-Montana: Ein Schritt zurück in die Normalität

von Victoria Kunzmann

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Die Ski-Welt schaut an diesem Wochenende auf den Ort im Wallis, der vor vier Wochen Schauplatz einer Tragödie mit 40 Toten wurde. Wie ist der Stand der Ermittlungen?

This photograph shows flowers left by members of the Italy's and Autria's alpine ski team - which take part in the World Cup races in Crans Montana - in front of the bar "Le Constellation" to pay tribute to the victims of the fire that ripped through the venue on New Year's Eve celebrations, in the Alpine ski resort of Crans-Montana on January 29, 2026. The fire on January 1 at the bar "Le Constellation" left 40 people dead -- including nine French and six Italian nationals -- and injured 116 others, most of them teenagers.

Vier Wochen nach der Brandkatastrophe in der Schweiz rücken jetzt auch die örtlichen Behörden in den Fokus der Justiz: Ermittelt wird gegen Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde.

30.01.2026 | 2:35 min

An diesem Wochenende ist wenig normal in Crans-Montana, wenn die Athletinnen und Athleten bei den Weltcup-Rennen eine Woche vor den Olympischen Spielen antreten. Der Zielbogen ist schwarz gefärbt, mit Tafeln und Bannern wird der Opfer des verheerenden Unglücks am 1. Januar im Zielraum gedacht. "Unsere Gedanken sind bei euch", steht darauf.

Zugleich kommen immer mehr erschreckende Details aus der Nacht ans Licht. In der Silvesternacht starben durch einen Brand in der Bar "Le Constellation" in der Schweiz 40 Menschen, 116 wurden verletzt.

Kellner belastet Barbesitzer schwer

Kellner Gaetan arbeitete in der Neujahrsnacht in der Bar, er ist schwer gezeichnet, hat Brandwunden am Kopf, im Gesicht, an den Armen. Gaetan erhebt schwere Vorwürfe gegen Jacques M., den Betreiber des Nachtclubs. "Wir haben nie Anweisungen zum Notausgang bekommen, auch nicht dazu, was im Gefahrenfall, etwa bei einem Brand oder einem anderen Problem, zu tun ist", sagte er gegenüber "France Télévision".

Ich bin noch wütender, weil ich sehe, dass sie nicht in der Lage sind, die Verantwortung zu übernehmen, und das ist noch schlimmer.

Kellner Gaetan, arbeitete in der Bar "Le Constellation"

Etwa zwei Wochen vor dem großen Brand habe Jacques M. ihn gebeten, die Decke mit Schaumstoff neu zu verkleben - auf den Handyaufnahmen sieht man die improvisierte Konstruktion.

Malorie Blanc

Super-G-Siegerin Malorie Blanc nach dem Rennen in Crans-Montana im Interview mit Amelie Stiefvatter.

31.01.2026 | 1:12 min

Jacques M. auf freiem Fuß - ein diplomatischer Eklat?

Barbesitzer Jacques M. wurde vergangene Woche Freitag gegen Kaution aus der Untersuchungshaft freigelassen, worauf die italienische Regierung mit Unmut reagierte. "Das ist eine Entscheidung, die wir für inakzeptabel halten. Sie verletzt nicht nur das Gedenken an die Opfer und Verletzten, sondern auch die Gefühle des gesamten italienischen Volkes und darüber hinaus", sagte Italiens Außenminister Antonio Tajani.

Einige Opfer stammten aus Italien, die Regierung hatte der Schweiz Hilfe bei der Aufklärung angeboten. Die soll aber abgelehnt worden sein.

Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte mit Unverständnis: "Warum hat niemand in der Bar die Musik ausgemacht? Niemand den Jugendlichen gesagt, sie sollen rausgehen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt? Warum? Zu viele Warum-Fragen!" Italiens Regierung zog ihren Diplomaten aus Bern ab und leitete eigene Ermittlungen ein.

Ein Kleinbus dem Besitzer der Bar in Crans-Montana, trifft am 21.01.2026, in Sion in der Schweiz ein, um von der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis vernommen zu werden.

Rund drei Wochen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat ein Schweizer Gericht die U-Haft gegen den Besitzer der Bar aufgehoben. Auflagen des Gerichts sollen eine Flucht verhindern.

23.01.2026 | 0:24 min

Die Schweiz verteidigt sich

Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin verteidigte hingegen das Verhalten seiner Behörden: "Wenn es Fehler gab, wenn es Versäumnisse gab, müssen Sanktionen verhängt werden. Aber das müssen die Gerichte entscheiden", sagte er vor einigen Tagen und bezog sich auf die Gewaltenteilung in seinem Land.

Dennoch ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft laut dem Schweizer Sender RTS nun auch gegen den ehemaligen Sicherheitsbeauftragten von Crans-Montana. Er habe schon seit Jahren von Sicherheitslücken in der Bar gewusst, aber nicht gehandelt. Zuletzt soll die Sicherheit dort 2019 überprüft worden sein.

Ein Weltcup zwischen Hoffnung und Trauer

Vier Wochen nach dem Unglück schaut die Welt wieder nach Crans-Montana. Die letzten Rennen im Ski Alpin vor den Olympischen Spielen finden hier statt. Einige Teams legten in den vergangenen Tagen Kränze und Blumensträuße vor der Bar ab und zeigten so ihr Mitgefühl.

Für Didier Défago, den Chef des Organisationskomitees, gehört das Gedenken an die Verstorbenen zum Weltcup dazu: "Es wird immer Teil der Geschichte von Crans-Montana sein, was am 1. Januar passiert ist. Aber man darf auch Hoffnung haben an diesem Wochenende." Die Skirennen sollen zeigen, dass es weitergeht in Crans-Montana.

Victoria Kunzmann ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg, das auch für die Berichterstattung aus der Schweiz zuständig ist.

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 30.01.2026 um 00:30 Uhr.
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