Wie kam Hitler an die Macht? Was Deutschland davon lernen kann

Wie Demokratien sterben:Scheitern der Weimarer Republik: Was Deutschland lernen kann

von Christian Deick

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Vom demokratischen Staat zur Diktatur: Warum die Weimarer Republik scheiterte und was Deutschland für die heutige Zeit aus dem 30. Januar 1933 lernen kann.

Junge Nationalsozialisten machen den Hitlergruß, im Hintergrund der brennende Reichstag.

30. Januar 1933. Deutschland hat einen neuen Kanzler. Konservative und Monarchisten haben Hitler ins Amt gehievt. Im Glauben, ihn und seine Anhänger "zähmen" zu können.

24.01.2026 | 44:30 min

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Ein damals legaler Akt besiegelte das Ende der ersten deutschen Demokratie, die 1919 in Weimar gegründet worden war. Wie konnte es so weit kommen? Und was könnte das Deutschland von heute aus dem Scheitern von damals lernen?

Die NS-Propaganda deutete den 30. Januar 1933 zum Tag der "Machtergreifung" um. Doch an diesem Tag fand kein Umsturz statt. Es war vielmehr ein folgenschweres Missverständnis - und das Ergebnis tiefer Enttäuschung über die Demokratie.

Bei den letzten freien Wahlen im November 1932 hatte rund die Hälfte aller Deutschen zwei Parteien gewählt, die die Abschaffung der Demokratie forderten: die rechtsextreme NSDAP und die kommunistische KPD.

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01.12.2025 | 2:29 min

Entmachtung des Parlaments

Deutschland war 1932 allerdings nur noch auf dem Papier demokratisch. Seit mehr als zwei Jahren regierten rasch aufeinanderfolgende Kanzler - Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt von Schleicher - auf Grundlage sogenannter Notverordnungen, die allein mit der Unterschrift des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg Gesetzeskraft erhielten.

Parlamentarische Abstimmungen waren so nicht mehr nötig. Regierungen wurden nicht mehr auf Grundlage von Wahlergebnissen gebildet, sondern durch intransparente Absprachen im Umfeld des 85-jährigen Reichspräsidenten.

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24.01.2026 | 44:35 min

Fehleinschätzung mit katastrophalen Folgen

Auf diese Weise wurde Hitler im Januar 1933 Kanzler einer Regierung, in der zunächst nur zwei Ministerposten mit NSDAP-Mitgliedern besetzt waren, die acht anderen mit konservativen Politikern. Doch der Plan, Hitler auf diese Weise "zähmen" oder "einrahmen" zu können, wurde zum wohl schwersten politischen Fehler der deutschen Geschichte.

In den kommenden Monaten machten die Nationalsozialisten aus Deutschland eine Diktatur. Der Weg in den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust war damit vorgezeichnet.

Viele dachten auch 1933, dass sich das bald erledigt haben würde, dass auch Hitler nicht lange an der Regierung bleiben würde.

Heike Görtemaker, Historikerin

Sehen Sie die Doku-Reihe "Countdown zur Diktatur" am 3. Februar ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Warnung aus Thüringen schon 1930

Den Strippenziehern um Hitlers Vizekanzler Franz von Papen wurde später zugutegehalten, sie hätten nicht ahnen können, wie radikal die Nazis vorgehen würden. Dabei gab es ein für alle sichtbares Beispiel: Thüringen. Hier stellte die NSDAP schon 1930 zwei Minister einer Koalitionsregierung. Im Juli 1932 siegte sie dann bei den Landtagswahlen mit 42,5 Prozent der Stimmen.

Die Folgen für Thüringen waren drastisch. Sozialdemokratische Mitarbeiter der Verwaltung wurden massenhaft entlassen, die Sitzungen des Landtags gezielt gestört und Landesbehörden zur Verbreitung von NS-Propaganda missbraucht.

Thüringen ist ein guter Beleg dafür, dass die nachträglichen Entschuldigungen, man konnte nicht genau wissen, was passiert, wirklich hohl sind.

Tillmann Bendikowski, Historiker

1931, Ein Arbeitsloser in einer Strasse von Berlin mit umgehängten Plakat "Ich suche Arbeit jeder Art!" Im Hintergrund eine Menschenmenge vor der Filiale der Stadtsparkasse.

Der New Yorker Börsencrash 1929 stürzt die Welt in Arbeitslosigkeit, Armut und Inflation. Besonders hart trifft es Deutschland, das sich gerade erst von Krieg und Schulden zu erholen beginnt.

24.01.2026 | 44:38 min

Parallelen zu heute?

Einige Ursachen für die Erosion der Weimarer Demokratie erinnern an heute. Der parlamentarische Prozess und die Bildung von Koalitionen wurden von vielen als schwerfällig und lähmend empfunden. Extremistische Parteien lockten mit scheinbar einfachen Lösungen, vergifteten das politische Klima und diskreditierten Leistungen sowie Vertreter des Staates.

Wie diese dauerhaften Angriffe das Vertrauen in die Demokratie zerstörten und den Weg ins leidvollste Kapitel der deutschen Geschichte ebneten, zeigt die vierteilige Doku-Reihe "Countdown zur Diktatur" auf ZDFinfo.

"Die Weimarer Republik gibt uns ein Beispiel, wie eine demokratische Gesellschaft zerfallen kann", sagt Historiker Tillmann Bendikowski.

Dazu gehören alle Versuche, die Republik schlecht zu reden.

Tillmann Bendikowski, Historiker

Die USA seien zwar "immer noch eine Demokratie", aber Trump und sein Team würden versuchen, die Regeln des politischen Systems zu ändern, sagt die Historikerin Anne Applebaum.

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09.03.2025 | 8:46 min

Unterschiede zwischen Weimarer Republik und heute

Historiker weisen allerdings auch auf grundlegende Unterschiede zwischen damals und heute hin. Zu den wichtigsten gehört die wirtschaftliche Lage von Millionen Deutschen in der Weimarer Republik, die buchstäblich vor dem Nichts standen. 1929 trafen die Auswirkungen des New Yorker Börsencrashs und der Weltwirtschaftskrise Deutschland besonders hart. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf mehr als fünf Millionen. Hunger, Verzweiflung und Existenzangst raubten den Deutschen das Vertrauen in ihren Staat.

Ohne diese Weltwirtschaftskrise hätte es diese desaströsen Konsequenzen nicht gegeben.

Thomas Weber, Historiker an der University of Aberdeen

Dazu kommt ein Konstruktionsfehler der Weimarer Verfassung. Demokratiefeinde durften sich in der ersten deutschen Demokratie ganz legal zur Wahl stellen. Es gab kein Instrument, das die Verfassung vor inneren Gegnern beschützte.

In ruhigen und wirtschaftlich günstigen Zeiten war das nur ein theoretisches Problem. Hitlers NSDAP blieb bis zur Weltwirtschaftskrise eine unbedeutende Splitterpartei. Nach 1929 allerdings wuchsen die Stimmanteile der NSDAP (und der KPD) dramatisch an. Deutschland wurde zur "Demokratie ohne Demokraten".

Demonstration 1932; Bei Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten nimmt die Polizei Verhaftungen vor und setzt Wasserwerfer ein.

Deutschland in der Mitte der "Goldenen Zwanzigerjahre". Adolf Hitler ist noch ein unbekannter Provinzpolitiker. Parteien der demokratischen Mitte bestimmen die Politik.

24.01.2026 | 44:51 min

Konsequenzen aus dem Untergang von Weimar

Bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zogen die Verfassungsväter und -mütter die Konsequenzen aus dem Scheitern der Weimarer Republik. Die Demokratie der Bundesrepublik sollte "wehrhaft" sein.

Der Verfassungsschutz soll politische Parteien auf Verfassungstreue überprüfen. Bei schweren Verstößen kann das Bundesverfassungsgericht Parteien verbieten. Ein Schutzmechanismus, der seit den Anfängen der Bundesrepublik (Verbot der rechtsextremen "Sozialistischen Reichspartei" 1952) die Regeln der politischen Auseinandersetzung festlegt - und dessen mögliche Aktivierung im Fall der AfD derzeit von Politikern und Verfassungsrechtlern diskutiert wird.

Verfassungsschutzpräsident
:Selen: "Haben es mit multiplen Bedrohungen zu tun"

Terrorismus, Sabotage, Spionage: Verfassungsschutzpräsident Selen sieht Deutschland "multiplen" Bedrohungen ausgesetzt. "Diese Gleichzeitigkeit ist herausfordernd", sagt er im ZDF.
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Sinan Selen
Interview
Über dieses Thema berichtet die Sendung "Countdown zur Diktatur", online verfügbar am 24.01.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 03.02.2026 ab 20:15 Uhr.

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