Ahnenforschung zur NS-Zeit: Eigene Familiengeschichte erforschen

FAQ

Der analoge Fußabdruck unserer Vorfahren:Wie man die NS-Vergangenheit der eigenen Familie erforscht

von Jelle Siemer

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"Macht es", sagt Katja Riemann in der Doku-Serie "German Guilt", in der sie sich auf die Suche nach der eigenen Familiengeschichte im Nationalsozialismus begab. Ist es so einfach?

Thilo Mischke, im Hintergrund seine Oma und ein Archiv.

Wer war Thilo Mischkes Großmutter wirklich? Katja Riemann sucht Antworten zum rätselhaften Tod ihrer Großmutter 1945. Eine bewegende Spurensuche beginnt.

21.01.2026 | 33:16 min

In deutschen Schulen lernt man einiges über den Nationalsozialismus. Was die eigene Familie zu dieser Zeit getan hat, bleibt oft jedoch verschlossen. Wie findet man mehr über Schicksale oder Gräueltaten der eigenen Familie heraus, die über 80 Jahre zurückliegen? An den verschiedenen Standorten des Bundesarchivs warten auf jeden Fall seitenweise Akten, die geöffnet werden wollen.

Was brauche ich, um die Familiengeschichte zu erforschen?

Natürlich braucht es erste Anhaltspunkte, wenn man mehr über die eigenen Vorfahren herausfinden möchte. Name, Geburtsdatum und -ort sind oft schon ausreichend. Wenn es noch Informationen zu früheren Wohnorten oder Kriegseinsätzen gibt, machen diese die Recherche deutlich leichter.

Anschließend sendet man eine formlose E-Mail, in der man die gesammelten Informationen angibt, mit zwei ausgefüllten Seiten "Benutzungsantrag" ans Bundesarchiv. Der Benutzungsantrag kann von der Webseite des Bundesarchivs heruntergeladen werden. Dort sind eigene Daten, das Recherchethema und der Recherchezweck, also meistens Ahnenforschung ("Genealogie"), anzugeben. In einigen Fällen muss noch ein weiterer Antrag ausgefüllt werden, zum Beispiel ein "Auftrag für eine Recherche über Militärangehörige", wenn militärische Akten gesucht sind.

Katja Riemann im Portrait, daneben ihre Oma.

Katja Riemann besucht die Klinik, in der ihre Großmutter starb. Thilo Mischke schreibt die Familienlegende neu. Ronja von Rönne trifft ihre "Gromi" und entdeckt neue Geheimnisse.

21.01.2026 | 37:45 min

Welche ist die richtige Anlaufstelle?

Abhängig von den Anknüpfungspunkten zu der gesuchten Person unterscheiden sich die Anlaufstellen:

  • Im Bundesarchiv erfährt man, ob es Unterlagen zur gesuchten Person gibt und wo sie liegen.
  • War die Person Mitglied in NSDAP, SS oder SA, hilft das Archiv in Berlin-Lichterfelde.
  • Bei Wehrmacht und Waffen-SS ist das Bundesarchiv am Standort Berlin-Tegel zuständig.
  • Ermittlungsakten zu NS-Verbrechen lagern teilweise in Ludwigsburg.
  • Dokumente über Verfolgte des Nazi-Regimes liegen in Bad Arolsen.

Sehr aufschlussreich können auch Entnazifizierungsakten sein, die sich in Landesarchiven finden. Dafür braucht es dann den Wohnort nach dem Zweiten Weltkrieg. In Stadt- und Regionalarchiven finden sich persönliche Daten, Adressen und ähnliches. Sofern einem zur Rechercheanfrage beim Bundesarchiv noch Infos fehlen, sind letztere neben Ahnenforschungswebseiten oder einer einfachen Online-Suche ebenfalls ein sinnvoller Anfang.

Waren unsere Vorfahren zur Zeit der NS-Diktatur Täter, Opfer oder Mitläufer? Warum wurde darüber in vielen deutschen Familien nie offen gesprochen? In der Doku-Serie "German Guilt" gehen Journalist Thilo Mischke, Schauspielerin Katja Riemann und Autorin Ronja von Rönne diesen Fragen nach und erforschen ihre eigene Familiengeschichte.


Was kostet die Recherche?

Die entstehenden Kosten hängen vom individuellen Aufwand der Recherche ab, der pro Stunde abgerechnet wird. Die Ermittlung von Archiv- und Kulturgut kostet dann beispielweise 20 Euro pro Stunde. Die Dauer einer solchen Ermittlung ist jedoch stark vom Rechercheaufwand im Einzelfall abhängig.

Im "Auftrag für eine Recherche über Militärangehörige" kann ein erster Maximalbetrag angegeben werden. So meldet sich das Archiv nochmal, bevor dieser Betrag überschritten wird.

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Was bringt die Recherche einem?

Wertvoll ist eine solche Recherche in jedem Fall.

Egal, was du findest. Du findest auch immer ein Stück von dir selbst.

Katja Riemann, Schauspielerin, die ihre Familiengeschichte erforschte

Je mehr man weiß, desto besser kann man verstehen, warum die eigene Familie ist, wie sie ist, welche Familienwahrheiten der Realität entsprechen und welche nicht.

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Lebensborn, Staatssicherheit, KPD: Thilo Mischkes Familiengeschichte ist ein Krimi. Ronja von Rönne taucht in die Wehrmacht-Geschichte ein. Katja Riemann recherchiert zum Thema Euthanasie.

21.01.2026 | 32:25 min

Doch der Nutzen ist auch gesellschaftlicher Natur. So trifft Michel Friedman über die deutsche Erinnerungskultur ein vernichtendes Urteil: "Wenn es eine Erinnerungskultur gibt, ist sie ein schwarzes Loch."

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Die Suche nach der eigenen Familiengeschichte ist emotional tief bewegend, die Recherche selbst stellt jedoch keine große Hürde dar. Um es mit Katja Riemanns Worten zu sagen: "Macht es."

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