Crans-Montana:Trauma-Expertin: Opfern steht langer Leidensweg bevor
Mit Traumata hat Sybille Jatzko viel Erfahrung: Die Expertin sagt den Brandopfern von Crans-Montana einen langen Leidensweg voraus: "Und das zu sehen, tut sehr weh."
Viele Opfer aus Crans-Montana werden außerhalb der Schweiz behandelt - unter anderem in Berlin.
Quelle: dpaNach der Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana in der Schweiz steht den Verletzten laut Trauma-Expertin Sybille Jatzko ein langer Leidensweg bevor.
Parallelen zu Flugtag-Katastrophe von Ramstein
Vieles erinnere an die schlimmen Verbrennungen bei der Flugtag-Katastrophe von Ramstein im August 1988, deren Opfer und Hinterbliebene Jatzko betreut hatte.
Wir wissen, wie lange sie gebraucht haben, einigermaßen ins Leben zurückzukommen - und wie viel Beeinträchtigungen nach fast 40 Jahren für die verbrannten Opfer jetzt noch da sind.
Sybille Jatzko, Trauma-Expertin
Die Trauma-Expertin arbeitet bei der Stiftung Katastrophen-Nachsorge im bayerischen Sonthofen.
Die Behörden in Crans-Montana haben nach der Katastrophe Fehler eingeräumt. So wurden die vorgeschriebenen jährlichen Brandschutz-Kontrollen nach 2019 nicht mehr durchgeführt.
06.01.2026 | 2:27 minExpertin: Lebenslange Probleme möglich
Als Beispiele nannte sie Hautprobleme oder ständig wiederkehrende Operationen.
Bei der Katastrophe in der Schweiz sehe man mit dem Wissen aus Ramstein nun Menschen, die am Anfang stünden: "Sie müssen jetzt um ihr Leben kämpfen, sich mit irrsinnigen Schmerzen zurückkämpfen - und dann viele Operationen über sich ergehen lassen", sagte sie. Hinzu komme, dass Pläne über die eigene Zukunft möglicherweise zerstört wurden. Man könne davon ausgehen, dass viele lebenslang geschädigt und betroffen seien.
So, wie wir es erlebt haben, werden sie lernen, mit den Verbrennungen und mit der Geschichte zu leben. Aber sie haben einen schweren Weg vor sich, und das zu sehen, tut sehr weh.
Sybille Jatzko, Trauma-Expertin
Nach dem Brand in einer Bar sind alle Opfer identifiziert. Es wurde Anklage gegen die Barbesitzer erhoben, Behörden sollen zudem die Sicherheit nicht ausreichend geprüft haben.
05.01.2026 | 1:53 minLangfristiger Beistand nötig
Bei der Brandkatastrophe auf einer Silvesterparty in Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben, weitere knapp 120 wurden verletzt, die meisten von ihnen schwer.
Für die Hinterbliebenen, die Angehörige oder Freunde verloren hätten, sei alles nur furchtbar. "Da fehlen einem praktisch die Worte." Sie stünden zunächst unter Schock, bräuchten aber langfristigen Beistand.
Augenzeugen-Berichte: "Sie sahen Menschen in brennenden Kleidern"
Betroffenen-Treffen noch nach Jahrzehnten
Im Vergleich zu Ramstein sei die Identifizierung der Todesopfer in der Schweiz sehr schnell gegangen. Die Wucht des Feuers und diese Hilflosigkeit bei dem Ereignis - auch das erinnere sich an das Unglück von Ramstein, sagte die Expertin.
Sprühfontänen sollen laut Behörden der Auslöser für die Brandkatastrophe in Crans-Montana gewesen sein. Die Suche nach Vermissten dauert an, Hunderte haben der Brandopfer gedacht.
02.01.2026 | 3:26 minBei dem Flugtag-Unglück auf der US-Airbase starben 70 Menschen, etwa 350 wurden schwer verletzt. Es geschah bei der letzten Programmnummer: Drei Flugzeuge der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" stießen in rund 40 Metern Höhe zusammen. Eines von ihnen stürzte brennend in die Menschenmenge und explodierte.
Bis heute gebe es eine Gruppe von Ramstein-Betroffenen, die noch zusammenkomme. "Am längsten treffen sich Eltern, die ihre Kinder verloren haben."
Zehn Jahre nach dem Germanwings-Absturz bleibt die Tragödie in Haltern am See unvergessen. Die Stadt trauert noch immer – und es gibt neue Zweifel an der Absturz-Ursache.
24.03.2025 | 3:15 minParallelen auch zu Loveparade-Unglück oder Germanwings-Absturz
Solch eine "Schicksalsgemeinschaft" von Überlebenden und Betroffenen gebe es auch noch nach dem Flugzeugabsturz der türkischen Fluggesellschaft Birgenair vor bald 30 Jahren kurz nach dem Start in der Dominikanischen Republik.
Jatzko betreut seit Jahrzehnten Hinterbliebene nach Katastrophen wie der von Ramstein, dem Loveparade-Unglück in Duisburg (2010) oder dem Absturz der Germanwings-Maschine (2015). Auch nach der tödlichen Amokfahrt in Trier (2020) hat ihre Stiftung eine Nachsorgegruppe gegründet.
An der Porta Nigra, dem Wahrzeichen von Trier, haben sich Hunderte versammelt, um gemeinsam der Opfer zu gedenken. Das Motiv des mutmaßlichen Täters, der gezielt Menschen in der Innenstadt mit einem SUV getötet hatte, ist weiter unklar.
03.12.2020 | 2:03 minMehr zur Katastrophe in Crans-Montana
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