Sprühfontänen waren Ursache der Tragödie:Was wir zur Brandkatastrophe in der Schweiz wissen
Der Brand in Crans-Montana ist laut Staatsanwaltschaft durch Sprühfontänen ausgelöst worden. 40 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Was bisher bekannt ist.
Nach dem Brand in Crans-Montana trauern Angehörige um die Opfer. ZDF heute live berichtet über neue Erkenntnisse aus einer Pressekonferenz und ordnet das Geschehen ein.
02.01.2026 | 83:51 minWas ist passiert?
In der Silvesternacht ist es im Ferienort Crans-Montana (Kanton Wallis) in der Schweiz zu einem schweren Brand in der Bar "Le Constellation" gekommen. Diese hatte nach eigenen Angaben eine Kapazität von 300 Plätzen.
Der Kantonspolizei Wallis zufolge brach das Feuer gegen 1:30 Uhr aus. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen sind 40 Menschen ums Leben gekommen, erklärte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Insgesamt seien 119 Verletzte in Kliniken aufgenommen worden. 113 davon hätten identifiziert werden können.
Rund 80 der verletzten Personen sollen sich Berichten zufolge in einem kritischen Zustand befinden.
Karte: Brand in Bar "Le Constellation" in Crans-Montana, Schweiz
Quelle: ZDFWas ist zur Ursache des Brandes bekannt?
Die Brandkatastrophe ist den Ermittlungen zufolge durch Sprühfontänen ausgelöst worden. Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, erklärte bei der Pressekonferenz:
Die befanden sich auf den Champagnerflaschen und waren dann zu nah an der Decke.
Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis
Von dort aus habe sich dann sehr schnell eine "Feuerbrunst" entwickelt, fuhr Pilloud fort. Es seien Videos analysiert und Personen befragt worden. Auch die beiden französischen Betreiber der Bar sind laut Pilloud bereits vernommen worden.
3D-Visualisierung des Brandstarts und der Treppe nach oben in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana, Schweiz.
Quelle: ZDFEs solle nun weitere Untersuchungen geben, etwa zu Genehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen und der Einhaltung der Brandschutzvorschriften. Dazu sei auch das Forensische Institut in Zürich beauftragt worden, wie die Generalstaatsanwältin weiter sagte.
Sprühfontänen sollen laut Behörden der Auslöser für die Brandkatastrophe in Crans-Montana gewesen sein. Die Suche nach Vermissten dauert an, Hunderte haben der Brandopfer gedacht.
02.01.2026 | 3:26 minZuvor schrieb die Kantonsregierung des Wallis in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar, nannte aber keine Quelle für diese These. Mit dem Ausdruck wird der sekundenschnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet.
Was ist ein "Flashover"? Nicht nur für Feuerwehrleute eine lebensgefährliche Situation beim Löschen von Bränden.
02.01.2026 | 3:39 minZuvor hatten bereits Augenzeugen über Sprüh- beziehungsweise Wunderkerzen berichtet, die von Menschen im Lokal in die Höhe gehalten worden seien. Sie seien so hoch geschwenkt worden, dass sie die Decke berührt hätten. Diese habe plötzlich Feuer gefangen, zitiert die Zeitung "Blick" etwa einen jungen Schweizer. Mit ähnlichen Schilderungen wird auch ein Zeuge mit dem Namen Alex in italienischen Medien zitiert.
Auch Videoaufnahmen und Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, sollen zeigen, wie Menschen Champagnerflaschen in ihren Händen halten, in denen Wunderkerzen stecken. Die Aufnahmen konnten zunächst nicht verifiziert werden.
Viele junge Menschen wurden Opfer des Brandes in Crans-Montana. Die Sehnsucht nach Antworten ist groß. Was bisher bekannt ist – und was die Ermittlungen noch klären müssen.
02.01.2026 | 1:57 minWurden die Sicherheitsanforderungen eingehalten?
Generalstaatsanwältin Pilloud äußerte sich noch nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.
Auch die Frage, ob die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng gewesen sei, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war, ließ sie offen. Eine Untersuchung werde zeigen, ob Sicherheitsmaßnahmen eingehalten worden seien.
„Bislang ist immer noch von 40 Toten die Rede“, berichtet ZDF-Korrespondentin Anna-Maria Schuck in Crans-Montana. Die Identifizierung der Opfer sei allerdings sehr schwierig.
02.01.2026 | 1:39 minWie gestaltet sich die Versorgung der Verletzten?
Viele der Verletzten wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf.
Nach Angaben von Kommandant Gisler seien unter den Verletzten unter anderem 71 Schweizer, 14 Franzosen, elf Italiener und vier Serben. Zur medizinischen Behandlung wurden inzwischen ungefähr 50 Verletzte auch in europäische Nachbarländer gebracht, wie der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard bei der Pressekonferenz sagte.
Sehr viele Personen stehen aktuell zwischen Leben und Tod und werden in den Krankenhäusern der Schweiz und den Nachbarländern versorgt.
Mathias Reynard, Regierungspräsident Wallis
Durch die hohe Auslastung von Kliniken an Silvester und die komplexe Behandlung sei die Verlegung der Opfer in Spezialkliniken zwingend erforderlich, so der Brand-Mediziner Tobias Hirsch.
02.01.2026 | 4:21 minZu den Aufnahmeländern zählen Italien, Frankreich und Deutschland. Die Identifizierung der rund 40 Todesopfer dauere an, führte Polizeichef Gisler weiter aus. Dies sei ein Prozess, der Zeit benötige. Dabei setze die Polizei auf die Unterstützung zahlreicher Spezialisten.
Unter den Verletzten ist außerdem ein Nachwuchsspieler des französischen Fußball-Erstligisten FC Metz. Nach Angaben des Clubs wurde der 19 Jahre alte Tahirys Dos Santos mit schweren Verbrennungen per Hubschrauber nach Deutschland geflogen, wo er derzeit behandelt wird.
Im schweizerischen Crans-Montana haben hunderte Menschen der Opfer des Brandes in der Silvesternacht gedacht. Mehr als 40 Menschen starben, die Identifizierung der Opfer dauert weiter an.
02.01.2026 | 1:21 minDas baden-württembergische Sozialministerium bestätigte derweil, dass eine schwerverletzte Person im auf Verbrennungen spezialisierten Marienhospital in Stuttgart behandelt werde. Eine Kliniksprecherin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur:
Seitens des Marienhospitals Stuttgart kann ich bestätigen, dass ein Patient aufgenommen wurde und in unserem Haus intensivmedizinisch versorgt wird.
Kliniksprecherin Marienhospital Stuttgart
Auch die BG Klinik Tübingen ist unter anderem in die medizinische Versorgung der Verletzten in Deutschland eingebunden. "Zwei schwer verletzte Personen wurden zur Behandlung in unsere Klinik aufgenommen", bestätigte eine Sprecherin der Klinik gegenüber der dpa. Ob es sich bei einer der drei Personen um den französischen Fußballer handelt, ist nicht bekannt.
Was ist noch unklar?
Die Identität der Toten und Verletzten ist in vielen Fällen noch unklar. "Die Identifizierung der Körper, auch der Verletzten, kann leider noch etwas Zeit brauchen. Wir haben vollstes Vertrauen in die Teams, die sich um die Identifizierung kümmern", sagte Reynard. "Wir haben viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte."
Brandschutz-Experte Jochen Zehfuß über mögliche Auslöser der Katastophe und die Gefahr eines Flashovers.
02.01.2026 | 2:57 min... liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt. Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht.
Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer.
Quelle: dpa
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