Update am Abend:Angriffe auf Gas-Anlagen, Cybersicherheit und KI-Ethik
von Jan Schneider
Guten Abend,
es war ein Tag, der deutlich macht, wie vernetzt die großen Krisen unserer Zeit sind. Im Persischen Golf hat Iran Flüssiggasanlagen in Katar angegriffen und damit Energiemärkte weltweit erschüttert und Rezessionsängste ausgelöst. In Berlin hat das Bundeskabinett darauf reagiert, dass deutsche Unternehmen gegenüber Spionage und Cyberangriffen zu oft schutzlos dastehen und eine Nationale Wirtschaftsschutzstrategie beschlossen. Und in der Welt der Künstlichen Intelligenz hat ein Streit über KI-Ethik und Waffensysteme dafür gesorgt, dass Millionen Nutzer ihren KI-Assistenten wechseln.
Irans Angriff auf Katars Gasanlagen: Rezessionsgefahr für die Weltwirtschaft
- Das ist passiert: Als Reaktion auf Israels Angriff auf das Gasfeld South Pars hat Iranmehrere Flüssiggasanlagen im katarischen Industriegebiet Ras Laffan mit Drohnen attackiert und schwer beschädigt. Die Produktion wurde komplett eingestellt, die Gaspreise stiegen zwischenzeitlich um 35 Prozent, Öl der Sorte Brent legte um über zehn Prozent auf mehr als 119 Dollar zu.
- Das ist der Hintergrund: South Pars ist das größte bekannte Gasreservoir der Erde. Sowohl für Iran als auch für Katar ist die Gasproduktion überlebenswichtig und auch der Weltmarkt ist durch den Krieg angespannt, weil die Schifffahrt in der Straße von Hormus unter iranischem Beschuss mit wenigen Ausnahmen eingestellt wurde.
- Das sagen unsere Korrespondenten und Experten: "Wir sind jetzt hier wirklich an einem kritischen Punkt" warnt Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT Berlin, im ZDF-Morgenmagazin. Wenn die Gas-Infrastruktur zerstört werde, würde es lange dauern, diese wieder in Betrieb zu nehmen, damit siege die Gefahr einer Rezession deutlich. In der EU ist jetzt eine Diskussion gestartet, wie auf die steigenden Energiepreise reagiert werden soll, berichtet unser Brüssel-Korrespondent Andreas Stamm: Ein Lager wolle die Klimaschutzabgaben senken, um auf die Preise einzuwirken - das andere Lager fordere genau jetzt mehr Klimaschutzmaßnahmen um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.
19.03.2026 | 4:35 min
Nationale Wirtschaftsschutzstrategie beschlossen: So sollen Unternehmen geschützt werden
- Das ist passiert: Das Bundeskabinett hat die neue Nationale Wirtschaftsschutzstrategie beschlossen, um deutsche Unternehmen besser vor Spionage, Sabotage und Cyberangriffen zu schützen. Was das konkret bedeutet, zeigt das Beispiel der ene't GmbH aus Hückelhoven: Der IT-Dienstleister wurde 2021 Opfer eines DDoS-Angriffs - und stand danach weitgehend allein da.
- Das ist der Hintergrund: Trotz IT-Sicherheitszertifikat und bestehendem DDoS-Schutz traf der Angriff das Unternehmen empfindlich. Der anschließende Behördenmarathon vom LKA über die Cybercrime-Zentralstelle bis hin zur örtlichen Polizeiwache endete nach sechs Wochen mit einer Verfahrenseinstellung. Hier setzt die neue Strategie an: Eine zentrale Ansprechstelle für alle Themen des Wirtschaftsschutzes soll die Kooperation von Behörden und Unternehmen künftig vereinfachen.
- Darum ist das wichtig: ene't-Geschäftsführer Roland Hambach zieht nach dem Angriff auf sein Unternehmen ein ernüchterndes Fazit: Bisher sei jedes Unternehmen selbst für seine Sicherheit zuständig. Die ene't GmbH zahlte kein Lösegeld sondern rüstete auf - und gibt seither jährlich den Gegenwert eines Mittelklassewagens für den Schutz vor weiteren Angriffen aus. DI-Vertreter Holger Lösch betonte heute, dass die Strategie alle Unternehmen erreichen muss, besonders auch kleine und mittlere. Gerade ihnen fehlten oft eigene Sicherheitsstrukturen.
19.03.2026 | 2:28 min
Ringen um die KI-Vorherrschaft: Stößt Anthropic OpenAI vom Thron?
- Das ist passiert: Weil Anthropic-CEO Dario Amodei den Einsatz seiner KI für autonome Waffensysteme ablehnt, stuften die USA das Unternehmen als "Supply Chain Risk" ein - ein Begriff, der sonst für feindliche Unternehmen gilt. Infolgedessen wechselten Millionen ChatGPT-Nutzer aus Protest gegen OpenAIs neuen Pentagon-Deal zu Anthropics Claude, das daraufhin die App-Store-Charts anführte und über 500.000 Installationen an einem Tag verzeichnete.
- Das ist der Hintergrund: Für Anthropic stehen durch den Ausschluss vom US-Militär Milliarden auf dem Spiel - allein im öffentlichen Sektor rechnete das Unternehmen 2026 mit über 500 Millionen Dollar Wachstum. OpenAI-Chef Sam Altman übernahm den Pentagon-Vertrag, distanzierte sich aber gleichzeitig von der Verantwortung für militärische Entscheidungen.
- Das sagen Experten: KI-Experte Dr. Marc Scheufen vom Institut der deutschen Wirtschaft ordnet ein: Der Deal habe OpenAI kurzfristig beim Image geschadet - langfristig aber sei ChatGPT so tief im Alltag verankert, dass der Effekt wahrscheinlich verpuffe. Anders könnte es aussehen, sollten weitere kontroverse Entscheidungen folgen. Aktuell hat OpenAI als Marktführer aber noch ganz klar die Nase vorn.
Streit um KI-Einsatz im Militär: Die US-Regierung hat dem KI-Unternehmen Anthropic gekündigt. Anthropic hatte sein Modell Claude nicht für alle militärischen Ziele freigeben wollen.
12.03.2026 | 44:50 minWas heute im Ukraine-Krieg passiert ist
Russlands Süd-Offensive bleibt aus: Die Ukraine hat eine russische Frühjahrsoffensive im Süden offenbar vereitelt. Vier Faktoren schwächen Moskaus Armee bei Saporischschja entscheidend.
Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine.
Der Tag sportlich
Mit Lennart Karl, ohne Jamal Musiala: DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert seinen Kader für die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana. Und hat dabei einige Überraschungen.
Ein Lichtblick
Ein monoklonaler Antikörper ist der neue Hoffnungsträger im Kampf gegen Typ-1-Diabetes. Mit dem Wirkstoff Teplizumab ist von der Europäischen Kommission Anfang 2026 erstmals ein Medikament zugelassen, das den symptomatischen Krankheitsbeginn von Diabetes Typ 1 bei Kindern und Jugendlichen um einige Jahre hinauszögern kann.
19.03.2026 | 5:08 min
Schlagzeilen
- Sechste Zinspause in Folge: EZB lässt Leitzinsen unverändert
- Einigung mit Klägern: Kevin Spacey entgeht Zivilprozess wegen sexueller Übergriffe
- Großbritannien: Weitere Meningitis-Fälle gemeldet
- Spritkosten steigen europaweit: Deutschlands Nachbarländer holen bei Diesel und Benzin auf
- Nach Massenprotesten: Iran richtet drei Demonstranten hin
Zahlen des Tages
Die Gastronomie steckt in einer Krise: Allein 2025 meldeten mehr als 2.900 Betriebe Insolvenz an. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Branche laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen gezählt. Hintergrund sind hohe Kosten für Personal, Energie und Mieten sowie die Inflation.
19.03.2026 | 0:48 min
Das sollten Sie sich mal anschauen
Wer hat sich denn da im Regal versteckt? Ein Possum hat es sich in Australien im Souvenirshop eines Flughafens zwischen den Plüschtieren gemütlich gemacht. Das Flughafenpersonal konnte das Tier unversehrt aus dem Flughafen bringen.
19.03.2026 | 0:18 min
Streaming-Tipps für den Feierabend
Ali C. wollte schon immer reich werden. Seine Eltern kamen aus Iran nach Deutschland, verdienten sich ihr Geld mit putzen. Ali C. hatte andere Ideen. Er wurde Geldwäscher. Bis zu dreimal täglich flog der Besitzer eines Goldhandels mit mehreren hunderttausend Euro im Koffer quer durch Europa. Die Dokumentation "Bad Banker - Die geheime Welt der Geldwäsche" liefert investigative Einblicke in die kriminellen Strukturen der Geldwäsche in Deutschland und weltweit. (Zwei Folgen á 33 min)
17.03.2026 | 33:01 min
Rezept des Tages: Zwiebel-Krapfen in würziger Joghurtsoße
Mario Kotaska präsentiert ein indisches Gericht. Durch die aromatische Gewürzmischung und den frischen Koriander wird jeder Bissen zum Geschmackserlebnis. Perfekt als Vorspeise oder Hauptgericht.
Den Download finden Sie hier: Rezept als PDF.
19.03.2026 | 5:26 min
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