Nationale Wirtschaftsschutzstrategie: Drei Lehren einer IT-Firma

Nationale Wirtschaftsschutzstrategie:Hacker-Angriff: Drei Lehren eines IT-Unternehmens

ZDF-Korrespondent Markus Aust berichtet aus Köln.

von Markus Aust

|

Das Bundesinnenministerium präsentiert eine neue Strategie für Wirtschaftssicherheit. Welche drei Lehren ein IT-Unternehmen schon jetzt aus einem Hacker-Angriff gezogen hat.

nationale-wirtschaftsschutzstrategie-bundeskabinett-

Das Bundeskabinett hat eine Nationale Wirtschaftsschutzstrategie beschlossen, um kleine und mittlere Unternehmen besser vor Sabotage, Spionage und Diebstahl - auch im digitalen Raum - zu schützen.

19.03.2026 | 2:28 min

Morgens um vier Uhr kam die erste Drohung. Bis sechs Uhr folgten zwei weitere. Geschäftsführer Roland Hambach öffnete die E-Mails nicht, hielt sie für Spam. Bis die hauseigene IT anrief: "Unser System wird angegriffen."

2021 gerät die ene't GmbH aus Hückelhoven nahe der niederländischen Grenze ins Visier von Hackern. Mit einem sogenannten DDoS-Angriff wird der IT-Dienstleister lahmgelegt.

Über das Internet waren unsere Online-Angebote nicht mehr auffindbar. Es war, als wären wir von jetzt auf gleich unsichtbar.

Roland Hambach, Geschäftsführer ene't GmbH

…wird dezentral die IT-Infrastruktur eines Servers attackiert. Das Kürzel DDoS steht für "Distributed Denial-of-Service" und beschreibt einen großflächigen, orchestrierten Angriff, bei dem Hacker im Vorfeld Angriffsprogramme auf mehreren hundert bis tausenden von Rechnern installieren.

All diese Computer werden zum Tatwerkzeug und "fluten" gezielt einen bestimmten Server (z. B. eines Unternehmens), indem sie an diesen gleichzeitig unzählige Anfragen zum Datenabruf stellen und ihn so überlasten.


Hambach und seine Mitarbeiter haben für die Zukunft drei zentrale Lehren aus diesem Angriff gezogen.

Ein Laptop zeigt eine Virus-Warnung.

Die Cyber-Kriminalität in Deutschland ist auf einem hohen Stand, wie ein Lagebericht des Bundeskriminalamts zeigt. Grund dafür seien auch Hacker-Attacken aus Russland.

03.06.2025 | 0:25 min

Vor Cyberattacken ist kein Unternehmen komplett geschützt

120 Mitarbeiter beschäftigt die ene't GmbH an mehreren Standorten - wohlgemerkt als IT-Dienstleister. Entsprechend viel Know-how über Cyberabwehr und -sicherheit besaß das Unternehmen in den eigenen Reihen vor dem Angriff.

Wir waren schon damals in Besitz eines IT-Sicherheitszertifikats und hatten seit jeher einen DDoS-Schutz durch unseren Breitbandanbieter.

Roland Hambach, Geschäftsführer ene't GmbH

Bis zum Angriff hatten die Verantwortlichen nicht damit gerechnet, dass sie so verwundbar seien.

Es kann absolut jedes Unternehmen treffen. Es ist eigentlich keine Frage ob, sondern wann man im Fadenkreuz ist.

Roland Hambach, Geschäftsführer ene't GmbH

Vorstellung des BSI-Lageberichts 2025 durch Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt und Claudia Plattner, Praesidentin des Bundesamtes fuer Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Haus der Bundespressekonferenz

Bei der Cybersicherheit in Deutschland gibt es trotz einiger Fortschritte immer noch erhebliche Schwachstellen, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

11.11.2025 | 2:35 min

IT-Sicherheit ist Unternehmensverantwortung

Die ene't GmbH war vorbereitet und verfügte über Notfallpläne für solche Szenarien. Die arbeiteten sie dann auch ab - und begannen damit einen zähen Behördenmarathon.

Wie vorgesehen, informierten sie zunächst das LKA Düsseldorf. Die leiteten sie weiter an die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen. Die verwies sie an die Kreispolizei Heinsberg und dann weiter an die örtliche Wache in Hückelhoven. Dort erstattete Hambach schließlich Anzeige. Nach sechs Wochen wurde das Verfahren eingestellt. Hambachs Fazit:

Am Ende ist man als Unternehmen selbst für seine Sicherheit zuständig.

Roland Hambach, Geschäftsführer ene't GmbH

18.3.2025: Mutmaßlich von Russland aus gesteuerte Sabotage und Spionageflüge finden vermehrt über kritischer Infratruktur statt. Das sind Militäreinrichtungen, Kraftwerke und große Chemiestandorte wie die BASF, oder hier einem Umspannwerk als Teil der Energieversorgung in Bruchhausen, Baden-Württemberg.

Cyberangriffe auf Energieversorger, Ausspähversuche gegen Rüstungskonzerne - Unternehmen berichten von hybriden Angriffen und verdächtigen Russland. Wie viel wirklich passiert, ist unklar.

25.11.2025 | 9:30 min

Ausgaben für IT-Sicherheit lohnen sich

"Zwei Bitcoin, bitte." So lautete die Forderung der Hacker dafür, das System nach dem DDoS-Angriff nicht erneut und dauerhaft lahmzulegen. Damaliger Gesamtwert: etwa 50.000 Euro.

Hambach und sein Team überlegten lange, ob sie dem Erpressungsversuch nachgeben sollten - und entschieden sich dagegen. Stattdessen rüstete die ene't GmbH die hauseigene IT weiter auf und arbeitet für die eigene Cyberabwehr nun mit einem spezialisierten Dienstleister zusammen.

Allein für den Schutz vor weiteren DDoS-Attacken gibt die ene't GmbH laut Hambach jährlich Geld für "einen Mittelklasse-Wagen" aus. Aber: Die Ausgaben sind eine Investition in die Handlungsfähigkeit des Unternehmens und landen nicht in den Händen von Cyberkriminellen. Bisher hält die neue Software allen Stresstests stand.

Trotz aller Anstrengungen ist ein erneuter Zwischenfall nie vollständig auszuschließen, wenngleich wir hoffen, dass es bei uns nicht noch einmal zum Ernstfall kommt.

Roland Hambach, Geschäftsführer ene't GmbH

Markus Aust berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.

Bitkom-Studie in Deutschland
:Rekordschaden durch Spionage und Hacker

Cyberangriffe verursachen Rekordschäden für deutsche Firmen. Immer mehr Attacken seien auf Angreifer aus Russland und China zurückzuführen, heißt es in einer neuen Studie.
Symbolbild: Quellcode eines Webservers sowie die Windows-Eingabeaufforderung sind einem Laptop im Dunkeln zu sehen.,
Über das Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 19.03.2026 ab 05:30 Uhr.
Thema

Mehr zum Thema IT-Sicherheit

  1. Frau steuert Smart-Home-Anwendungen via Touch Screen.

    Einfallstore für Hacker beseitigen:Wie man Smarthome-Systeme vor Cyberangriffen schützen kann

    von Isabel de la Vega
    mit Video2:34

  2. Eine Frau loggt sich auf einem Tablet ein. Die Felder "Nutzername" und "Passwort" sind ausgefüllt.

    Ändere-dein-Passwort-Tag:Sicheres Passwort und Passkey: So schützen Sie Ihre Konten

    von Sven-Hendrik Hahn
    mit Video2:48

  3. Vorstellung des BSI-Lageberichts 2025

    Lagebericht zu Cybersicherheit:Dobrindt: Gefahr durch Hacker steigt weiter

    von Johannes Lieber & Jan Henrich
    mit Video2:35

  4. Ordner "Eigene Dateien" ist auf einem Computerbildschirm zu sehen.
    FAQ